Wenn Hattingen Kurs auf dem „Wildhagen“ nimmt

Wenn Hattingen Kurs auf dem "Wildhagen" nimmt (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
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Hattingen – Es gibt Abende, da braucht man keinen Stadtplan. Man muss nur schauen, wohin die Menschen laufen. Am Donnerstagabend (30. April 2026) zog es unterschiedlich große Gruppen über die Nierhofener Straße in Richtung Hauptfeuerwache. Mal zu zweit, mal als kleine Karawane, gut gelaunt, zielstrebig und mit diesem „Wir wissen, wo heute Abend was los ist“-Gesicht.

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Dass auf dem Weg dorthin auch einige Hinterlassenschaften vom Vorglühen am Bürgersteigrand landeten, war allerdings weniger festlich. Schade eigentlich, denn hinter der Feuerwache steht sogar ein Altglascontainer. Manchmal liegt die Lösung wirklich nur ein paar Meter weiter.

Vor der Feuerwache selbst war dann schnell klar: Der Tanz in den Mai ist in Hattingen längst mehr als nur eine Veranstaltung. Eine feste Größe? Ja. Beliebt? Natürlich. Aber eigentlich trifft es ein anderes Wort besser: Kultstatus.

Der Platz vor der Wache war voll. Nicht „ein bisschen gut besucht“, sondern voll im Hattinger Sinne. Menschen standen zusammen, lachten, prosteten sich zu, suchten Bekannte, fanden Bekannte und blieben dann doch noch auf ein Getränk mehr. Das Wetter spielte perfekt mit und die Feierlaune der Hattinger hatte offensichtlich keine lange Anlaufzeit gebraucht.

Am Eingang regelte die Security den Einlass ruhig, aufmerksam und professionell. Dahinter ging es direkt weiter zur Ausgabe der Wertmarken – oder besser gesagt: Wertmünzen. Und wer diese erste Station erfolgreich passiert hatte, war offiziell bereit für den Abend.

Die Versorgung lief bemerkenswert reibungslos. Getränke, Pommes, Bratwurst, Chorizos – alles kam ohne große Wartezeiten über die Theken. Lange Schlangen suchte man vergeblich. Auch die legendären „Ein Meter Bier“-Bretter schienen sich seit dem vergangenen Jahr vermehrt zu haben. Jedenfalls waren sie an diesem Abend wieder ein beliebtes Transportmittel für Hopfenkaltschalen in Gruppenstärke.

Wenn Hattingen Kurs auf dem „Wildhagen“ nimmt (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Überhaupt war die Organisation zu spüren, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Genau so muss ein Fest funktionieren: Die Gäste feiern, essen, trinken und merken im besten Fall gar nicht, wie viel Arbeit im Hintergrund nötig ist, damit vorne alles entspannt aussieht.

Und genau dieser Hintergrund ist an der Feuerwache ein besonderer. Denn während vor den Toren getanzt, gelacht und gefeiert wurde, blieb die Fahrzeughalle hermetisch abgeriegelt. Nicht aus Prinzip, sondern aus gutem Grund. Sollte ein Alarm eingehen, muss die Berufsfeuerwehr sofort ausrücken können. Jede fremde Person in der Fahrzeughalle wäre dann ein Sicherheitsrisiko. In einem Gebäude, in dem im Ernstfall Sekunden zählen, ist Feierstimmung nur bis zu einer klaren Grenze erlaubt.

Ein Dank geht an den wachhabenden Feuerwehrmann, der dem Verfasser dieser Zeilen einen besseren Überblick aus der ersten Etage ermöglichte. Der Weg dorthin zeigte eindrucksvoll, was hinter den Kulissen passiert, während draußen Hattingen in den Mai tanzt. Da wird nicht einfach nur ein Fest an einer Feuerwache gefeiert. Da läuft parallel weiterhin der ganz normale Dienstbetrieb einer Berufsfeuerwehr.

Wenn Hattingen Kurs auf dem „Wildhagen“ nimmt (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Das macht diesen Abend besonders. Vorne Party, hinten Einsatzbereitschaft. Vorne Chorizo, Wertmünzen und Bierbretter. Hinten klare Abläufe, verschlossene Türen und Menschen, die im Zweifel alles stehen und liegen lassen müssen, wenn der Melder geht.

Genau deshalb passt dieser Tanz in den Mai so gut nach Hattingen. Er ist groß genug, um Kult zu sein, aber immer noch nah genug, um sich wie ein Treffpunkt der Stadt anzufühlen. Ein Abend, an dem man Menschen begegnet, die man kennt, lange nicht gesehen hat oder spätestens nach dem zweiten Getränk zu kennen glaubt.

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