Ein Kommentar zur Sicherheit auf dem Kirchplatz beim Altstadtfest von Claus J. Barteczko „Sicherheitskonzept mit Schwachstellen„
Donnerstag, kurz vor zwölf. Hattingen Marketing meldet sich – stilecht per WhatsApp – mit einer Art digitalem Räumungsbefehl: Gehweg Freiräumen, Blumenkübel weg, Bank weg, am besten sofort. Begründung: Sicherheitskonzept, Fluchtwege, höchste Priorität.
Ein bemerkenswerter Zeitpunkt für eine so fundamentale Maßnahme. Wochenlang plant man ein Altstadtfest, verschickt Infoblätter, regelt Parkflächen – aber dass plötzlich komplette Gehwege freigeräumt werden sollen, fällt offenbar erst ein, wenn die Uhr schon fast Mittag schlägt. Wer da nicht spontan verfügbar ist, darf improvisieren. Sicherheit kennt schließlich keinen Terminkalender.
Also räumen die Betroffenen. Nicht, weil es sinnvoll erklärt wurde, sondern weil man sich dem großen Wort „Sicherheitskonzept“ nur ungern widersetzt. Gehweg ist Fluchtweg, gehört zur Kirche, alles klar – machen wir.
Dumm nur: Dieses Konzept scheint ungefähr so verbindlich zu sein wie eine Wettervorhersage im April.
Während die einen brav ihre Bänke abschrauben und Blumenkübel verschwinden lassen, bleiben sie andernorts einfach stehen. Oder es wird gleich noch nachgelegt: Außengastronomie? Gerne etwas mehr. Hindernisse? Ach was. Gleichzeitig liegen Kabel und Schläuche dekorativ im Randbereich – Stolpergefahr inklusive. Kabelbrücken? Offensichtlich nicht Teil des Sicherheitskonzepts. Vermutlich, weil man im Ernstfall einfach elegant darüber hinwegschwebt.
Sicherheitskonzept trifft Deichsel – und verliert
Der eigentliche Höhepunkt ist allerdings kaum zu überbieten: Kaum ist der Bereich vor den Häusern 10 bis 14 „vorschriftsmäßig“ freigeräumt, wird genau dort ein Bierwagen platziert – mit Deichsel mitten im Fluchtweg. Man könnte es Satire nennen, wenn es nicht Realität wäre.
Die Deichsel steht. Die Logik eher nicht (Foto: Kirchplatzanwohner)

Was bleibt, ist ein Sicherheitskonzept mit bemerkenswerter Flexibilität: Es gilt, wenn es passt – und wird ignoriert, wenn es stört. Konsequenz? Fehlanzeige. Logik? Optional.
Die Botschaft an engagierte Anwohner ist dabei klar formuliert, wenn auch unausgesprochen: Was ihr das ganze Jahr zur Verschönerung beitragt, wird im Zweifel zum Sicherheitsrisiko erklärt – zumindest dann, wenn es gerade ins Bild passt. Andere dürfen derweil weiter zustellen, erweitern oder gleich komplett blockieren.
Kabelbrücken? Offenbar im wohlverdienten Kurzurlaub (Fotos: Kirchplatzanwohner)


Man fragt sich unweigerlich: Geht es hier tatsächlich um Sicherheit – oder einfach nur um Aktionismus mit sehr selektiver Durchsetzung?
Sollte es tatsächlich einmal zu einer kritischen Situation kommen, bleibt zu hoffen, dass die Besucher nicht nur schnell, sondern auch sportlich sind. Denn wer über Deichseln, Kabel und situativ interpretierte Vorschriften flüchten muss, hat zumindest eines sicher nicht: klare Verhältnisse.
Fazit
Die einen räumen, die anderen stellen hin. Und irgendwo dazwischen verliert sich ein „Sicherheitskonzept“, das seinen Namen nicht verdient.


























Immerhin herrscht Gleichbehandlung: Kabelchaos, fehlende Kabelbrücken und in Wege hineinragende Deichseln gibt es nicht nur hier, sondern auch am Steinhagen. Für die Altstadt offenbar ein verbindendes Merkmal – traurig, aber wahr.
Ein holpriger Start mit der Chance, das eine oder andere nachzubessern. Andererseits stellt sich die Frage, wie viel Eigenverantwortung gefordert ist?