Hattingen – hwg eröffnet ersten Piko-Park in Hattingen-Rauendahl. Es gibt Orte, an denen man vorbeigeht, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Flächen zwischen Häusern. Ein paar Bänke, viel Stein, wenig Einladung. Man könnte dort sitzen, aber man tut es nicht. Zu ungemütlich, zu grau, zu sehr „Bahnhofsvorplatz“. So ein Ort war der ehemalige Schmuckplatz im Herzen von Rauendahl. Der Name klang deutlich freundlicher als das, was dort über viele Jahre zu sehen war.
Jetzt hat dieser Platz eine zweite Chance bekommen. Die hwg hat ihn gemeinsam mit Fachleuten zu einem sogenannten Piko-Park umgestaltet. Pico heißt klein. Und genau darum geht es. Hier ist kein Westfalenpark entstanden, keine große Grünanlage mit weiten Flächen und Promenaden. Es ist ein kleiner Park mitten im Quartier. Aber einer, bei dem man sehr schnell merkt: Hier wurde nicht einfach ein bisschen Grün zwischen die Häuser gesetzt. Hier wurde nachgedacht.
Der alte, komplett versiegelte Boden mit seinen Waschbetonplatten ist verschwunden. Stattdessen kann Regenwasser wieder versickern. Wo sich früher die Platten im Sommer aufheizten, sollen künftig Stauden, Kräuter, heimische Pflanzen und kleine schattige Bereiche für ein anderes Klima sorgen. Noch ist alles frisch. Noch braucht man ein wenig Fantasie. Aber man kann schon jetzt ahnen, wie dieser Ort im nächsten Jahr aussehen wird. Und diese Ahnung ist ziemlich gut.
„Das ist Ihr Park, den Sie mit Leben füllen sollen.“ (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Die hwg eröffnete den Piko-Park am Samstag gemeinsam mit Mieterinnen und Mietern, Kindern, Mitarbeitenden, Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing und den beteiligten Fachleuten. Es gab Eis, Kaffee, Getränke, ein kleines Programm für Kinder und Rundgänge über die neue Fläche. Schon bei der Eröffnung war zu spüren, dass dieser Park mehr sein soll als ein hübsch angelegtes Beet.
„Wir wollten hier im Rauendahl, mitten im Quartier, einen Ort schaffen für Sie“, sagte HWG-Vorstand Dr. Wilde bei der Begrüßung. „Das ist Ihr Park, den Sie mit Leben füllen sollen.“
Der ehemalige Schmuckplatz war vielen Anwohnerinnen und Anwohnern bekannt. Genutzt wurde er allerdings kaum. Die Bänke standen zwar da, aber Aufenthaltsqualität entstand dadurch nicht. „Der sah überhaupt nicht schmuck aus“, sagte Dr. Wilde mit Blick auf die frühere Gestaltung. Waschbeton, versiegelte Fläche, wenig Natur. Genau das wollte die hwg ändern.
Zwei Gedanken standen dabei im Mittelpunkt: Klimaschutz und Nachbarschaft. Der Klimawandel werde oft abstrakt diskutiert, so Wilde. Mit dem Piko-Park habe man nun an einer konkreten Stelle im Quartier etwas verändert. Die Fläche ist entsiegelt, Regenwasser kann besser in den Boden, Pflanzen können wachsen, Insekten finden Nahrung und Lebensraum. Aus einem grauen Platz soll eine kleine kühlende Oase werden.
Der zweite Gedanke ist mindestens genauso wichtig: Menschen sollen wieder einen Grund haben, vor die Tür zu gehen. Sich hinsetzen. Klönen. Nachbarn treffen, die man vielleicht bisher nur vom Sehen kannte. Die hwg will dafür noch weitere Bänke aufstellen. Einige hätten Lieferzeit, hieß es bei der Eröffnung. Fertig ist der Park also noch nicht. Er soll wachsen. Und zwar nicht nur botanisch.
„Das ist Ihr Park, den Sie mit Leben füllen sollen.“ (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Denn ein Teil des Piko-Parks darf von den Mieterinnen und Mietern mitgestaltet werden. Geplant sind Projektbeete, die gemeinsam bepflanzt und gepflegt werden können. Zur Eröffnung wurde bereits ein Kräuterbeet angelegt. Minze, Basilikum, Rosmarin, Petersilie und weitere Kräuter standen bereit. Wer künftig mitmachen möchte, konnte sich direkt in eine Liste eintragen.
Auch für die Natur wurde einiges vorbereitet. Heimische Stauden sollen Insekten Nahrung bieten. Ein Insektenhotel wurde angelegt. Dazu kommt ein sogenanntes Sandarium mit speziellem Bienensand, in dem Wildbienen ihre Erdlöcher bauen können. Kinder konnten beim Programm mithelfen, Löcher für Wildbienen vorzubereiten. Für die Kleineren gab es einen Sinnes- und Barfußpfad, der gemeinsam gefüllt und anschließend ausprobiert werden konnte.
Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing lobte das Projekt ausdrücklich. Es brauche keinen riesigen Park, um Aufenthaltsqualität zu schaffen. Der neue Piko-Park zeige, wie Nachhaltigkeit, Ökologie, Klimaschutz und soziales Miteinander zusammengehen können. Wenn es gelinge, dass dieser Ort wirklich zu einem Gemeinschaftsprojekt werde, erreiche man gleich mehrere Ziele.
Dabei sprach sie auch offen eine Sorge an, die bei solchen Projekten immer mitschwingt. Bleibt das alles so schön? Wird es angenommen? Wird es gepflegt? Bleibt es von Vandalismus verschont? Genau das wird sich zeigen. Aber die Chance ist da. Und sie ist größer, wenn die Menschen im Quartier den Park nicht als fremde Anlage betrachten, sondern als ihren Ort.
Fotostrecke (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
Rauendahl ist dafür ein besonderer Stadtteil. Die Siedlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der hwg aufgebaut. Sie entstand für viele Menschen, die aus dem Osten kamen und hier ein neues Zuhause fanden. Teilweise halfen die damaligen Bewohnerinnen und Bewohner selbst beim Aufbau mit. Selbst Straßennamen wie Breslauer Straße oder Königsberger Straße erzählen bis heute von dieser Geschichte und von dem Versuch, in einer neuen Umgebung ein Stück Heimatgefühl zu schaffen.
Heute steht Rauendahl wieder vor anderen Fragen. Wie bleibt ein Quartier lebendig? Wie entstehen Begegnungen? Wie kann man ältere Wohnsiedlungen an Klimawandel, soziale Bedürfnisse und neue Anforderungen anpassen, ohne ihren Charakter zu verlieren? Der Piko-Park gibt darauf keine große Rede, sondern eine kleine praktische Antwort. Er zeigt: Manchmal reicht es nicht, Flächen zu verwalten. Man muss sie den Menschen zurückgeben.
Geplant und umgesetzt wurde der Piko-Park gemeinsam mit der Firma Beber aus Hattingen. Jan Beber bedankte sich bei der hwg für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit. Er hoffe, dass dieser erste Piko-Park in Hattingen ein Grundstein für weitere Projekte sein könne.
Auch innerhalb der hwg war das Projekt Teamarbeit. Christian Schmelzing, Projektleiter und Nachhaltigkeitsbeauftragter der hwg, begleitete den Piko-Park von der ersten Idee bis zur Eröffnung. Unterstützt wurde er von Kolleginnen und Kollegen der hwg und der hwg Services sowie von den eigenen Gärtnern. Naturschutzberater Martin Maschka von der Wildnisschule war ebenfalls dabei und erklärte bei Rundgängen, welche Ideen hinter der Bepflanzung und den kleinen Naturbausteinen stecken.
Die Idee zu einem Piko-Park hat die hwg übrigens nicht neu erfunden. Andere Wohnungsunternehmen haben ähnliche Projekte bereits umgesetzt. Die hwg hat hingeschaut, die Idee für Hattingen aufgenommen und für die Fläche im Rauendahl passend gemacht. Finanziert wurde das Projekt zur Hälfte über eine Förderung der KfW-Bank, die andere Hälfte übernahm die hwg selbst.
Was dabei entstanden ist, wirkt auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär. Ein kleiner Park eben. Aber genau das ist seine Stärke. Kein großes Versprechen, sondern ein konkreter Ort. Kein Prestigeprojekt, sondern ein Platz, an dem Kinder barfuß über verschiedene Materialien laufen können, Wildbienen ein Zuhause finden, Kräuter wachsen und Nachbarn miteinander ins Gespräch kommen.










































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