Hattingen – Tag der offenen Tür beim Hattinger Ruderverein zeigte Sport, Gemeinschaft und ein Bootshaus mit Leben. Manchmal braucht es nur ein paar Schritte bis zum Wasser, um eine Sportart nicht mehr nur von außen zu betrachten. Beim Tag der offenen Tür des Hattinger Ruderverein e.V. 1923 war genau das möglich. Pünktlich ab 11 Uhr füllte sich das Gelände am Bootshaus. Anlaufschwierigkeiten gab es keine. Die ersten Kinder saßen bereits an ihren kleinen Bastelstationen und knüpften mit Knotentechnik Schlüsselanhänger, während draußen vor dem Clubhaus der Ruderergometer schon besetzt war. Auch im Bootshaus wurde getestet, gezogen, ausprobiert.
Dazu kam dieser Duft, der bei Vereinsveranstaltungen fast schon eine eigene Disziplin ist. Frische Waffeln lagen in der Luft. Am Steg wurde derweil bereits das erste Boot zu Wasser gelassen. Nicht als Vorführung aus der Distanz, sondern zum direkten Kennenlernen. Wer wollte, konnte einsteigen, fühlen, wie schmal so ein Boot auf dem Wasser liegt, wie sich Rudern anfühlt und warum dieser Sport so viele Menschen über Jahrzehnte begleitet.
Genau darum ging es an diesem Tag. Der Hattinger Ruderverein wollte zeigen, was Rudern ist. Nicht theoretisch, nicht nur über Bilder und Erklärungen, sondern ganz praktisch. Einmal anfassen, einmal ausprobieren, einmal spüren, ob dieser Sport etwas für einen sein könnte.
„Rudern ist ein Bewegungssport, den man bis ins hohe Alter machen kann“, erklärte ein Vereinsmitglied im Gespräch. Früher habe man gerne gesagt, Rudern sei etwas von zehn bis achtzig Jahren. Heute müsse man diese Grenze eigentlich nach oben korrigieren. Einige Aktive seien längst älter als achtzig. Entscheidend sei nicht der Leistungsgedanke, sondern die Bewegung an der frischen Luft, das Herz-Kreislauf-Training und die Gemeinschaft.
Und genau diese Gemeinschaft ist ein wichtiger Punkt beim Hattinger Ruderverein. Rund 70 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Wie viele andere Vereine musste auch der Ruderverein in den vergangenen Jahren erleben, dass Mitgliederzahlen nicht von allein stabil bleiben. Menschen werden älter, Lebenssituationen ändern sich, Nachwuchs muss gewonnen werden. Doch die Tendenz, so war zu hören, zeige wieder etwas nach oben. Besonders erfreulich sei, dass inzwischen auch wieder junge Mitglieder aktiv dabei sind.
Tag der offenen Tür. (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
Der Verein versteht sich dabei nicht als anonyme Sportadresse, bei der jeder für sich trainiert und danach wieder verschwindet. Hier kennt man sich. Hier wird nicht nur gerudert, sondern auch zusammengesessen. Es gibt Spieleabende, gemütliche Treffen, Stammtische und gemeinsame Wanderfahrten. Erst an diesem Wochenende macht sich wieder eine Gruppe von zehn bis zwölf Mitgliedern auf den Weg nach Berlin, um dort vier Tage auf dem Wasser unterwegs zu sein.
Gerudert wird beim Hattinger Ruderverein fast das ganze Jahr über. Im Prinzip vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, sofern Wetter und Wasserstand mitspielen. Hochwasser geht natürlich nicht. Ansonsten ist das Bootshaus regelmäßig ein Treffpunkt für Einzelboote und Mannschaftsboote, für erfahrene Ruderinnen und Ruderer, aber auch für Menschen, die erst einmal vorsichtig antesten möchten.
Genau dafür gibt es die Schnupperkurse. Wer beim Tag der offenen Tür gemerkt hat, dass Rudern mehr sein könnte als nur ein kurzer Versuch am Steg, kann anschließend in mehreren Einheiten weiter ausprobieren. Erst einmal ein Kurs mit fünf Einheiten, danach bei Interesse ein weiterer. Und irgendwann, so formulierte es das Vereinsmitglied mit einem Schmunzeln, gehöre man dann vielleicht schon fast zum Inventar.
Natürlich braucht ein Verein wie dieser nicht nur Menschen, sondern auch Material. Boote müssen gepflegt, repariert und irgendwann ersetzt werden. Ein neuer Vierer kostet heute schnell rund 20.000 Euro. Das ist eine Summe, die man nicht mal eben aus der Vereinskasse schüttelt. Umso wichtiger sind Mitglieder, Unterstützung und Menschen, die Lust haben, Teil dieser Gemeinschaft zu werden.
Der Tag der offenen Tür machte deutlich, dass der Hattinger Ruderverein weit mehr ist als ein Bootshaus an der Ruhr. Er ist Sportstätte, Treffpunkt, Werkstatt, Ausflugsbasis und Gemeinschaftsort. Ein Verein mit Geschichte, gegründet 1923, nach dem Krieg neu aufgebaut und seit den späten 1970er-Jahren am heutigen Standort zuhause. Doch der Blick ging an diesem Tag vor allem nach vorn.
Zwischen Waffelduft, Kinderbastelei, Ergometer und den ersten Ruderschlägen auf dem Wasser wurde sichtbar, was den Verein trägt. Die Freude an Bewegung. Die Nähe zur Ruhr. Und ein Vereinsleben, das nicht auf Hochglanz poliert werden muss, weil es echt ist.
Weitere Informationen zum Verein, zu aktuellen Schnupperkursen und zu den Angeboten gibt es auf der Internetseite des Hattinger Rudervereins.














































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