Ruhrgebiet/Bochum – Die gesamtwirtschaftliche Lage macht auch vor dem Ausbildungsmarkt nicht halt. Die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet verzeichnet zum Start des Ausbildungsjahres gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 10,8 Prozent an unterschriebenen Ausbildungsverträgen. Viele Unternehmen bilden weniger aus, gleichzeitig ist das Interesse an einer Ausbildung größer geworden. Die IHK appelliert an die Betriebe, das Thema Ausbildung nicht zu vernachlässigen.
„Wir stellen gerade fest, dass sich die Situation aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage verändert“, sagt Andrea Koch, Teamleiterin Bildungspolitik, Ausbildungsberatung und Fachkräftesicherung bei der IHK Mittleres Ruhrgebiet. „Aus dem Bewerbermarkt wird wieder ein Arbeitgebermarkt.“ Die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt, während das Interesse der Bewerber:innen gleichzeitig zunimmt. Die IHK fordert Unternehmen auf, das Thema Ausbildung nicht zu vernachlässigen: „Es lohnt sich gerade jetzt, in Ausbildung zu investieren“, so Andrea Koch. Ausbildung sei eine wichtige Säule, dem Fachkräftemangel der Zukunft zu begegnen. „Das wird von vielen Betrieben leider noch nicht so wahrgenommen“, so Koch. Wer jetzt ausbilde und junge Menschen an den eigenen Betrieb binde, müsse später nicht aufwendig nach Fachkräften suchen. „Wir helfen den Betrieben gern dabei, Ausbildungsbetrieb zu werden oder die eigene Ausbildungsberechtigung wiederzuerlangen“, so Koch.
Koch empfiehlt den Betrieben auch, sich bei Vor-Ort-Terminen wie Speed-Datings und Ausbildungsmessen stärker zu präsentieren. „Wir veranstalten zahlreiche Events mit unseren Kooperationspartnern.” Vor allem für kleine Unternehmen ohne großen Bekanntheitsgrad seien solche Formate eine gute Gelegenheit, direkt Kontakte zu jungen Menschen zu knüpfen und Werbung für das eigene Unternehmen zu machen.
Auch die Rückkehr von G8 zu G9 (Abitur nach 12 Jahren zum Abitur nach 13 Jahren) hat Einfluss auf die Entwicklung des Ausbildungsmarktes. „Weil weniger Abiturienten zur Verfügung stehen als im Vorjahr, haben auch andere Bewerbergruppen Chancen auf Ausbildungsplätze, die bislang gern mit Abiturienten besetzt wurden“, erläutert Andrea Koch.
Mit Start des Ausbildungsjahres 2026/27 am 1. August verzeichnete die IHK Mittleres Ruhrgebiet 1.323 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in den Städten Bochum, Herne, Witten und Hattingen, das sind 160 Verträge weniger als 2025 zum gleichen Stichtag. Unter die aktuelle Vertragszahl fallen auch die Ausbildungsverhältnisse, die vor August gestartet sind oder nach August beginnen.
Unternehmen bemängeln Qualität der Bewerber:innen
Auch die Ergebnisse der IHK-Umfrage zur Aus- und Weiterbildung 2026 sprechen eine klare Sprache: Ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen aus dem mittleren Ruhrgebiet gab an, weniger Ausbildungsstellen als bislang anzubieten. Gerade einmal zehn Prozent der Betriebe haben ihre Ausbildungsstellen aufgestockt. Fast 60 Prozent der Betriebe berichten von einem gleichbleibenden Ausbildungsangebot. Die Unternehmen, die weniger Ausbildungsplätze anbieten, begründeten das unter anderem mit der wirtschaftlichen Lage, aber auch mit der mangelnden Qualität der Bewerber:innen. Woran es konkret mangelt, listet die IHK nicht auf.
„Die Zahlen zeigen, dass Ausbildung gerade jetzt besondere Aufmerksamkeit braucht“, so Robert Schweizog, Mitglied der IHK-Hauptgeschäftsführung und Sprecher berufliche Bildung. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen bleibe die Ausbildung im eigenen Betrieb der wirksamste Weg, den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Schweizog: „Unternehmen, die heute ausbilden, investieren nicht nur in junge Menschen, sondern auch in die eigene Zukunft.“
Junge Menschen die noch einen Ausbildungsplatz suchen, finden noch freie Plätze in der Ausbildungsbörse.


























Kommentar hinterlassen zu "Weniger Ausbildungsplätze – IHK übt Kritik"