Hattingen – An der Realschule Grünstraße wird Geschichte in diesen Tagen nicht einfach nur besprochen. Sie hängt an Stellwänden, steckt in Skizzenbüchern, in Fotos, Texten und Zeichnungen. Schüler, die Ende März an einer Gedenkstättenfahrt nach Weimar und zur Gedenkstätte Buchenwald teilgenommen haben, haben ihre Erlebnisse in einer kleinen Ausstellung verarbeitet. Und am Freitag werden sie selbst zu denjenigen, die anderen davon erzählen.
Dann führen sie ihre Klassen durch das, was aus vier intensiven Tagen entstanden ist: eine Diashow über Weimar früher und heute, Fotobände, Zeichnungen, Texte und persönliche Arbeiten, die zeigen, dass diese Fahrt mehr war als ein Ausflug. Es geht um das, was die Jugendlichen gesehen haben. Aber auch um das, was das Gesehene mit ihnen gemacht hat.
Auszug aus der Präsentation von Solomiia Kravchuk und Liu Koch: Das Konzentrationslager von 1937 bis 1945 als Modell dargestellt. Es ist schwer zu glauben, aber seine Fläche entsprach praktisch etwa 400 Feßballfeldern. Seine Größe beeindruckt und versetzt einen in Schrecken.

Die Reise nach Weimar und Buchenwald ist längst vorbei. Die Eindrücke nicht.
19 freiwillige Schüler aus den Jahrgangsstufen 9 und 10 waren mitgefahren. Vorbereitet wurde die Fahrt in einem Blocktag, vor Ort wurde nicht nur geschaut und zugehört, sondern auch immer wieder gefragt, nachgedacht und diskutiert. In Weimar trafen die Jugendlichen auf die Welt von Goethe, Schiller und der Weimarer Republik. In Buchenwald auf den tiefsten Absturz der Menschlichkeit.
Filmbeitrag Weimar und Buchenwald (RuhrkanalNEWS)
Gerade diese Spannung zwischen Kulturstadt und Konzentrationslager, zwischen humanistischem Erbe und nationalsozialistischem Terror, hat Eindruck hinterlassen. Manche Erwartungen wurden bestätigt, andere nicht. Manche Schüler sagten offen, dass sie sich den Ort anders vorgestellt hatten. Vielleicht unmittelbarer, vielleicht noch bedrückender. Aber gerade daraus entstanden Gespräche, Fragen und sehr persönliche Zugänge.
Diabeitrag „Projekt Weimar“ von Teilnehmer Giovanni Manzella
Genau das ist in der Ausstellung zu spüren. Sie wirkt nicht geschniegelt und geschniegelt geschniegelt, sondern ehrlich. Da geht es nicht um perfekte Präsentationen, sondern darum, sich einem Thema zu nähern, das sich nie wirklich „fertig“ erzählen lässt. Die Schüler sollen deshalb am Freitag nicht nur ihre Projekte erklären, sondern auch sagen, warum sie mitgefahren sind, was sie überrascht hat, was sie irritiert hat und ob sie anderen eine solche Fahrt empfehlen würden.
Skizzen Finn Lorenz / Fotos Judith Nockemann




Die Realschule Grünstraße will das nicht bei einem einmaligen Projekt belassen. Die Gedenkstättenfahrt soll künftig fester Bestandteil des Fahrtenkonzepts werden. Erinnerungskultur hat an der Schule ohnehin seit Jahren ihren Platz. Mit dieser Fahrt hat sie nun eine Form gefunden, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern etwas hinterlässt.
Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: Geschichte bleibt nicht in Büchern, wenn junge Menschen anfangen, sie mit ihren eigenen Worten weiterzuerzählen.




























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