STREIT UM BIMMELBAHNSTART AM KAM-WOCHENENDE

Die neue E-Wegebahhn in Hattingen, so sieht sie aus. (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen– Noch ist die neue Elektrowegebahn keinen Meter in Probebetrieb gefahren und schon droht sie sich zu einem handfesten Ärgernis zu entwickeln. Die Stadtverwaltung hat für das Startwochenende eine Sondergenehmigung erteilt, damit die Bimmelbahn trotz Kulinarischem Altstadtmarkt und Kunst- und Handwerkermarkt fahren darf. Das widerspricht dem Beschluss und der Genehmigung der Bezirksregierung, nach der bei Stadtfesten kein Bimmelbahnbetrieb erlaubt ist. Die Verwaltung hat diese Sondergenehmigung wohl ohne Rücksprache mit dem Stadtrat erteilt. Wer an dieser Stelle die Initiative für die Genehmigung ergriff, ist allerdings momentan nicht ganz klar. Denn auch die erteilte Genehmigung wurde den Ratsmitgliedern auf Nachfrage nicht offengelegt. Bei einer Genehmigungsfahrt, um die Sicherheitsaspekte für das Startwochenende zu überprüfen, konnten zwei zufällig anwesende Ratsmitglieder die Unterlagen einsehen, durften  aber weder Handyfotos der entscheidenden Passagen machen, noch bekamen sie eine Kopie ausgehändigt.

Haltestelle am Treidelbrunnen (Foto: RuhrkanalNEWS)

Genehmigung erinnert an Anfangszeit der Automobilisierung

Da die erteilte Genehmigung (noch) nicht offengelegt wird, ist auch nicht sicher, welches Sicherheitskonzept dahinter steht und welche Person aus der Verwaltung mit ihrer Unterschrift die Verantwortung übernimmt, sollte es zu einem Unfall kommen. Nach den Ereignissen bei der „Love Parade“ in Duisburg ist zwingend vorgeschrieben, dass eine Person persönlich die möglichen juristischen Konsequenzen trägt. Gespräche mit Politikern und Mitgliedern der Verwaltung die RuhrkanalNEWS führen konnte, lassen allerdings darauf schließen, dass Dirk Glaser höchstpersönlich die Ausnahmegenehmigung auf den Weg brachte, ob er sie auch unterschrieben hat, ist nicht klar. Ein wasserdichter Beleg für die Initiative des Bürgermeisters liegt der Redaktion allerdings nicht vor. Am Startwochenende sieht die Ausnahmegenehmigung vor, dass wegen des KAM und des Handwerkermarktes eine Person vor der Bahn gehen und Passanten warnen muss, bzw. darauf achten soll, dass es an Engstellen zu keinen Unfällen kommt. Das wirkt ein wenig so wie eine Vorschrift aus dem 19.-Jahrhundert. Damals musste in Großbritannien ein Mensch mit roter Fahne vor jedem Automobil herlaufen, damit sich niemand erschreckt. Das wurde seinerzeit als Red Flag Act bekannt.

Dass der Betreiber der Bimmelbahn, oder Elektrowegebahn, wie sie offiziell heißt, später eine Sondernutzungsgebühr öffentlicher Flächen entrichten muss, ist eher unwahrscheinlich. Denn die E-Bahn gilt als Linienverkehr, genau so wie die Busse und Bahnen der Bogestra. Das scheint rechtlich in Ordnung zu sein, bleibt aber ein Ärgernis angesichts der Tatsache, dass Geschäftsleute und Wirte für jeden Quadratmeter den sie für Tische, Kleiderständer oder Blumentöpfe nutzen eine saftige Gebühr an die Stadt zu entrichten haben.

Die Vertreter von Stadt, Betreiber und Stadtmarketing, die bei der Probe-Probefahrt dabei waren, äußerten sich nach der Rundfahrt zufrieden mit dem Ergebnis, ein anwesendes Ratsmitglied war nicht ganz so euphorisch, aber offensichtlich auch nicht mehr ganz so ablehnend wie vor der Fahrt. Das zweite Ratsmitglied verließ Bahn und Haltestelle bevor es von RuhrkanalNEWS befragt werden konnte.

Eng, manchmal überraschend, positive Reaktionen

RuhrkanalNEWS durfte bei der kurzfristig angesetzten Probefahrt vor Aufnahme des Probebetriebs mitfahren. Bei dieser Gelegenheit ging allerdings, obwohl KAM und Handwerkermarkt schon begonnen hatten, keine Sicherheitsperson vor der Bimmelbahn. Die Bahn fährt absolut geräuschlos, einige Passanten bemerkten die Bahn erst, als sie schon dicht hinter ihnen war und erschreckten sich dementsprechend. Auch an engen Stellen hatten die RuhrkanalNEWS Redaktionsmitglieder den Eindruck, dass der Fahrer die Situation immer unter Kontrolle hatte. Negative Reaktionen der Fußgänger waren nicht zu bemerken, ganz im Gegenteil, viele Menschen wollten spontan mitfahren und waren enttäuscht, als sie erfuhren, dass das noch nicht möglich war.  Die Bahn wurde häufig fotografiert und bestaunt. Nach gut 20 Minuten war die Rundfahrt durch die Altstadt ohne einen Zwischenfall beendet.

Filmbeitrag inklusive Interviews mit dem Betreiber Stefan Tigges, der 1. Beigeordneten Christine Freynik, Gunnar Hartmann von den Linken Piraten, sowie Georg Hartmann von Hattingen Marketing:

Der Betreiber der Bimmelbahn hätte übrigens gerne eine längere Tour angeboten, um beispielsweise auch die Henrichshütte anfahren zu können. Das ist jedoch nicht genehmigt worden. Obwohl es sich wie erwähnt um eine reguläre Buslinie handelt, darf sie die Bundesstraße nicht kreuzen und benutzen. Damit scheidet die Hütte als Ziel aus. Die Benutzung der Fußgängerzone, also von Straßen auf denen Radfahrer absteigen und schieben müssen, auf denen streng genommen Kinder noch nicht mal mit dem Tretroller unterwegs sein dürfen, ist für die Behörden allerdings kein Problem.

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