Stadtteilkümmerer Ali Amor und Bernd Czerwinski

Stadtteilkümmerer Ali Amor und Bernd Czerwinski (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
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Hattingen- Die Idee entstand im Wahlkampf. Aus einer ziemlich einfachen Frage heraus: Wie kann eine Stadt zeigen, dass sie in ihren Stadtteilen tatsächlich präsent ist? Nicht nur über eine Telefonnummer, ein Amt oder einen Mängelmelder. Sondern sichtbar, ansprechbar und direkt vor Ort. Die Antwort darauf sind in Hattingen die Stadtteilkümmerer.

Mit Bernd Czerwinski und Ali Amor mussten dafür zunächst die richtigen Personen gefunden werden. Denn für diesen Job reicht es nicht, eine Heckenschere bedienen zu können. Man muss Hattingen kennen, die Stadtteile kennen, mit Menschen umgehen können – und auch dann ruhig bleiben, wenn ein Bürger sein Anliegen einmal etwas deutlicher vorträgt.

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Czerwinski und Amor bringen dafür beste Voraussetzungen mit. Beide arbeiten seit rund 35 Jahren für die Stadt Hattingen. Sie kennen ihre Stadt, ihre Arbeit und viele Menschen in den Stadtteilen. Ali Amor kümmert sich um Welper, Blankenstein und Holthausen. Bernd Czerwinski ist in Niederwenigern, Niederbonsfeld, Winz-Baak, Rauendahl und Bredenscheid unterwegs und bei Bedarf auch in Elfringhausen und Oberstüter.

Damit die Idee funktioniert, brauchten die beiden allerdings mehr als Erfahrung. Jeder arbeitet allein in seinem Bereich und benötigt deshalb ein eigenes Fahrzeug sowie Maschinen, Werkzeug und entsprechende Ausstattung. Ein Fahrzeug wurden neu angeschafft, bei Geräten konnte teilweise auf vorhandene Bestände zurückgegriffen werden, anderes musste neu gekauft werden.

Seit März beziehungsweise April sind die beiden unterwegs. Bewusst hatte die Stadt das Projekt zunächst nicht groß angekündigt. Erst einmal sollte ausprobiert werden, ob es funktioniert. Und der Startzeitpunkt war durchaus sportlich gewählt. Wer im Frühjahr mit Grünpflege beginnt, startet genau dann, wenn alles gleichzeitig wächst. Verkehrsinseln, Bürgersteige, Spielplätze, Grünflächen und Wege – kaum war eine Stelle fertig, wartete bereits die nächste.

Bernd Czerwinski, Stadtteilkümmerer • Melanie Witte-Lonsimng, Bürgermeisterin (SPD) • Antje Senger, Fachbereich Stadtbetriebe, Koordination Grünflächen • Ali Amor, Stadtteilkümmerer

Bernd Czerwinski (Stadtteilkümmerer), BM Melanie Witte-Lonsing (SPD), Antje Senger (Stadt Hattingen), Ali Amor (Stadtteilkümmerer) (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Nach den ersten Monaten ist inzwischen Routine eingekehrt. Die Stadtteile wurden noch einmal neu kennengelernt, erste Grundarbeiten erledigt und feste Abläufe entwickelt. Die Stadtteilkümmerer fahren dabei nicht einfach durch die Gegend und schauen, was ihnen auffällt. Es gibt Pflegepläne und klare Prioritäten. Ganz oben stehen die Verkehrssicherung und die Spielbereiche für Kinder. Spielplätze werden regelmäßig kontrolliert. Hinzu kommen Hinweise aus der Bevölkerung und Meldungen über den städtischen Mängelmelder. Montags bis donnerstags sind Amor und Czerwinski in ihren jeweiligen Stadtteilen unterwegs. Der Freitag bleibt flexibel. Dann können zusätzliche Arbeiten erledigt, Maschinen und Fahrzeuge gepflegt oder andere Kolonnen unterstützt werden.

Und inzwischen passiert genau das, was hinter der ursprünglichen Idee steckte: Die Menschen sehen, dass sich jemand kümmert. Die beiden werden erkannt und angesprochen. Bürger weisen auf Scherben hin, auf Brombeeren am Spielplatz, Müll, zugewachsene Wege oder andere Kleinigkeiten, die im Alltag auffallen.

Vieles davon lässt sich sofort erledigen. Das klingt unspektakulär, ist aber ein wichtiger Teil des Konzepts. Nicht jedes Problem braucht einen großen Verwaltungsvorgang. Manchmal müssen die Scherben einfach weg, bevor ein Kind hineintritt. Manchmal muss eine Brombeerranke zurückgeschnitten oder herumliegender Müll eingesammelt werden.

Und manchmal reicht es zunächst, wenn jemand zuhört. Ali Amor erlebt auch Bürger, die aufgebracht auf ihn zukommen. Seine Methode ist einfach: erst einmal anhören, worum es geht. Häufig werde das Gespräch dadurch bereits ruhiger. Der Bürger merkt: Da nimmt jemand mein Problem ernst, erledigt es selbst oder sorgt zumindest dafür, dass es an der richtigen Stelle ankommt.

Stadtteilkümmerer (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Denn die Stadtteilkümmerer sind gleichzeitig eine Schnittstelle zwischen Bürgern und Stadtverwaltung.

Eine wichtige Rolle spielt dabei Antje Senger vom Fachbereich Stadtbetriebe, Koordination Grünflächen. In einer Verwaltung gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten: Spielplätze, Baumschnitt, Grünpflege oder andere Arbeiten werden von verschiedenen Fachleuten mit unterschiedlicher Ausstattung erledigt. Die Stadtteilkümmerer werden zur Klammer zwischen diesen Bereichen. Sie sehen vor Ort, was passiert, können kleinere Dinge selbst erledigen und größere Aufgaben an die richtigen Stellen weitergeben.

Später soll das Konzept noch weiter ausgebaut werden. Dann könnten die Kümmerer beispielsweise auch einen beschädigten Zaun, eine defekte Tür oder lose Gehwegplatten melden. Dafür müssen innerhalb der Verwaltung allerdings die entsprechenden Strukturen geschaffen werden. Ein Hinweis darf schließlich nicht irgendwo versanden, sondern muss anschließend auch abgearbeitet werden können.

Wie gut das bisherige Konzept angenommen wird, zeigt sich nicht nur an erledigten Arbeiten.

Die beiden Stadtteilkümmerer sind bei vielen Bürgern inzwischen ausgesprochen beliebt. Sie werden freundlich begrüßt, angesprochen – und hin und wieder wird sogar schon einmal ein Eis ausgegeben. In Welper wird beispielsweise wahrgenommen, dass Bereiche sauberer geworden sind und weniger Müll herumliegt. Das hat einen zusätzlichen Effekt: Wo es ordentlich aussieht, ist die Hemmschwelle größer, den eigenen Müll einfach dazuzuwerfen. Der sichtbare Stadtteilkümmerer kann damit mehr bewirken als nur die Arbeit, die er gerade selbst erledigt.

Und die Stadt will das Konzept ausbauen.

Ein dritter Stadtteilkümmerer soll möglichst zeitnah hinzukommen. Auch dafür braucht es wieder den passenden Mitarbeiter – denn neue Stellen wurden nicht geschaffen. Das Projekt wird durch Umstrukturierungen mit vorhandenem Personal umgesetzt. Dazu kommen Fahrzeug, Maschinen und weitere Ausstattung.

Eine nächste Baustelle wartet ebenfalls bereits.

Dabei geht es um Hattingens Straßenschilder. Ein eigenes Team soll künftig Schild für Schild überprüfen: Ist es noch aktuell? Wird es noch benötigt? Ist es sauber und lesbar? Muss es freigeschnitten, gereinigt, ersetzt oder vielleicht ganz entfernt werden? Denn über Jahre wachsen nicht nur Hecken und Sträucher. Manchmal wächst auch ein Schilderwald. Aber das ist eine andere Geschichte. Über die werden wir in naher Zukunft noch berichten.

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