Partielle Sonnenfinsternis: Sonnen-Show auf der Schulenburg und im englischen Norfolk

Die Partielle Sonnenfinsternis beginnt (Foto: Maik-Thiemo Wolters aus Norfolk)
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Hattingen – Partielle Sonnenfinsternis über dem Ruhrgebiet – und Hattingen ist ganz vorne mit dabei. Oben an der Schulenburg ist der Parkplatz am heutigen Mittwochabend (12. August 2026) voll besetzt, die Bänke und freien Flächen sind belegt. Wer in der ersten Reihe sitzt, ist mit Sicherheit schon länger da. Rund 120 Menschen dürften hier den Blick über die Stadt Richtung Sonne genießen. Die Sicht ist frei, als hätte die Stadt vorher gezielt eine Schneise in den Bewuchs schneiden lassen – oder es war ein glücklicher Zufall.

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Viele kommen schnell mit dem Fahrrad hoch, andere haben Campingstühle, Hocker oder gleich die Picknickdecke im Gepäck. Aus den Lautsprechern läuft Elvis, eine Flasche Sekt steht griffbereit, Snacks gehen reihum. Auf der Schulenburg wird aus der Himmelserscheinung eine kleine gute Party. Kinder sind dabei, ältere Hattinger auch – einer hat ein uraltes Teleskop mitgebracht, ein Stück aus seiner alten Fotogeschichte, die sich über mehr als 60 Jahre erstreckt. Er grinst und sagt: „Hätte ich mal die Brille aufgehoben von 1999. Aber ich hab sie nicht gefunden.“

„Besten Platz in der Gegend gegoogelt“

Ein Pärchen mit VW-Campingbus erzählt, warum sie heute hier sind: Sie wollten „das irgendwie mal erleben, mal sehen“. Die beiden haben vorher gegoogelt, wo man die Sonnenfinsternis im Raum Hattingen am besten sehen kann – und sind auf die Schulenburg gestoßen. „Einmal so gucken, wie es hier so ist, was hier los ist. Genau, ja. Auf den besten Platz hier in der Gegend“, sagen sie. Dann parken sie den Bus, bauen ihre Sitzgelegenheiten auf und genießen die Stimmung mit vielen anderen Schaulustigen.

Stimmung an der Schulenburg (Fotos: Holger Grosz)

Hocker statt Stuhl: Finsternis als Gemeinschaftserlebnis

Auch Clown Zimbo alias Frank Hoffmann hat sich vorbereitet. Er ist mit Hockern, Stühlen und Decke unterwegs, und berichtet, dass der Ort schon voll war, als sie ankamen: „Wir hatten beides dabei und haben uns dann für die Hocker-Variante entschieden. Schlauerweise.“ Was ihn besonders beeindruckt: Die Atmosphäre und die merkliche Veränderung des Wetters. „Es wurde ja deutlich kühler, das haben wir deutlich gemerkt. Und es wird jetzt wieder wärmer“, erzählt er. Zwischendurch kam sogar der Sonnenschirm zum Einsatz, um nicht auszukühlen.

Die Geräuschkulisse ist groß – viele Gespräche, Musik, Gelächter. Ob die Vögel ruhiger geworden sind, bekommt hier oben niemand so richtig mit. Dafür fällt etwas anderes auf: An einer der wenigen Bänke am Schulenburg-Wald, die genau in Richtung Sonne zeigen, ist der Blick freigeschnitten. Hoffmann vermutet, dass die Stadt hier bewusst eine Schneise gelegt hat, damit man über das Ruhrtal Richtung Niederen oder Essen schauen kann. Schon am Vortag hat er mögliche Beobachtungsplätze ausgekundschaftet – von Blankenstein bis hinüber Richtung Höfler Bach. „Aber da ist die Hochspannungsleitung quer davor, das ist dann so doof anzugucken“, sagt er.

Erinnerungen an 1999

Die aktuelle Finsternis weckt Erinnerungen an die große Sonnenfinsternis von 1999. Viele erzählen Geschichten von damals, von improvisierten Beobachtungsaktionen und selbstgebastelten Filtern. Eine Besucherin berichtet, dass ihr Chef damals das Rausgehen zum Beobachten verboten hatte – und sie dennoch kurz nach draußen geschaut hat. „Das muss ich meinen Enkeln mal erklären, dass ich die Einzige war, die das nicht offiziell durfte“, meint sie lachend. Die heutige Finsternis ist weniger spektakulär als die totale von damals, aber das Gemeinschaftserlebnis auf der Hattinger Höhe ist ähnlich intensiv.

Partielle Sonnenfinsternis aus Norfolk (Fotos: Maik-Thiemo Wolters z.Zt. Martham / King’s Lynn)

Hattinger Blick aus Norfolk, England

Während in Hattingen die Schulenburg gut gefüllt ist, schaut ein Hattinger aus der Ferne auf dasselbe Himmelsschauspiel: Maik-Thiemo Wolters ist gerade im Urlaub in Norfolk, England, und hat RuhrkanalNEWS Fotos aus Martham / King’s Lynn zur Verfügung gestellt. Dort lief die Finsternis deutlich unspektakulärer ab. Sein Eindruck: „In Martham hat es zumindest hier in der Straße nicht wirklich jemanden gekümmert. Wir waren alleine draußen.“ Während die Hattinger auf der Schulenburg also mit Elvis-Musik, Campingstühlen und Hockern die Sonne feiern, bleibt die Straße in Martham fast leer. Gleicher Himmel, unterschiedliche Schauplätze.

Ausschnitte der partiellen Sonnenfinsternis vom Livestream des WDR

So zeigt diese partielle Sonnenfinsternis, wie ein astronomisches Ereignis zur lokalen Geschichte wird: oben an der Schulenburg, mit freier Sicht über Hattingen, persönlichen Erinnerungen an 1999 und einem Hattinger, der gleichzeitig aus Norfolk berichtet. Finsternis, Ruhrgebiet und ein bisschen Internationale Perspektive – alles in einem Nachmittag.

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