SEXUELLER ÜBERGRIFF NICHT ZU BEWEISEN – JUNGE FRAU UNAUFFINDBAR

Das Gebäude des Amtsgerichtes Hattingen. (Foto: Höffken)

Hattingen – Nach fünf Stunden Hauptverhandlung verkündete heute (31. August 2022) der Vorsitzende Richter Kimmeskamp des Hattinger Schöffengerichtes das Urteil. Ein 30-Jähriger, jetzt in Dortmund wohnend, wurde wegen vorsätzlicher und wegen gefährlicher Körperverletzung gegen eine 27-jährige Hattingerin zu einer Gesamt-Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dazu muss er 1.000 Euro in monatlichen Raten an das Frauenzentrum in Dortmund zahlen.

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Nach der umfangreichen Einlassung des Angeklagten, seines Pflichtverteidigers Rechtsanwalt Salewski und nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme, kam auch Staatsanwältin Bandorski in ihrem Plädoyer zu dem Ergebnis, dass nicht alle der 5 angeklagten Taten, darunter u.a. Beleidigungen und ein sexueller Übergriff, mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden konnten.

Junge Frau unauffindbar

Die 27-jährige Hattingerin, obwohl als Zeugin und Geschädigte der angeklagten Taten geladen, ist seit längerer Zeit unauffindbar, sie wird auch vom Familiengericht als Kindesmutter in Kindeswohlangelegenheiten gesucht, bisher vergeblich.

Die Beziehung der jungen Frau mit dem 30-jährigen Angeklagten wurde als „toxisch“ bezeichnet, sie soll von Gewalt gekennzeichnet gewesen sein, dazu kamen regelmäßig Alkohol- und Drogenkonsum.

Im zweiten Halbjahr des Jahres 2019 soll es dann zu den angeklagten Taten gekommen sein, der Angeklagte bestritt energisch die Vorwürfe, auch den der Vergewaltigung und zeigte bei der Befragung mehrmals deutliche Erinnerungslücken, die er auf seinen früheren regelmäßigen Alkohol- und Drogenkonsum zurückführte.

Eine Zeugin sagte aus, die 27-jährige Geschädigte habe ihr berichtet, dass sie die regelmäßigen sexuellen Aktivitäten des Angeklagten teils widerwillig „über sich ergehen ließ“ um zu verhindern, dass sie hinterher vom Angeklagten geschlagen würde. Zahlreiche Hämatome will diese Zeugin von der 27-Jährigen gezeigt bekommen haben.

Die Öffentlichkeit wurde dann ausgeschlossen, als Pflichtverteidiger Rechtsanwalt Salewski dem Gericht „intime Fotos“ seines Mandanten vorlegte um zu beweisen, dass die Art der beschriebenen Vergewaltigung, so wie angeklagt, durch seinen Mandanten nicht stattgefunden haben kann.

Auch nach dem Ende der teilweise turbulenten „On-Off-Beziehung“ zwischen dem Angeklagten und der 27-jährigen Hattingerin kam es noch zu gemeinsamen Treffen in der Hattinger Wohnung der jungen Frau.

Anfang Oktober 2019 trat dann der alkoholisierte Angeklagte der Hattingerin in ihrer Wohnung nach einem gemeinsamen Disco-Besuch mit seinem Fuß gegen ihr Brustbein und verletzte sie erheblich. Diese Tat wurde vom Schöffengericht als gefährliche Körperverletzung bewertet und mit einer Einzelstrafe von 10 Monaten Haft bestraft. Vorher soll der Angeklagte der jungen Frau bei einem Streitgespräch und einem anschließenden Gerangel einen Fingernagel abgebrochen haben. Diese Tat wertete das Gericht als vorsätzliche Körperverletzung mit einer Einzelstrafe von vier Monaten Haft.

Staatsanwältin plädierte auf Haft ohne Bewährung

Am Ende ihres Plädoyers beantragte Staatsanwältin Bandorski, gegen den bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten wegen der beiden Körperverletzungsdelikten eine Gesamtstrafe von einem Jahr Haft ohne Bewährung zu verhängen, da die letzte Tat während einer noch laufenden Bewährung durch den 30-Jährigen erfolgt sei.

Das sah Strafverteidiger Rechtsanwalt Salewski aus Hattingen ganz anders. Er stellte deutlich heraus, dass sich die junge Frau, also die Geschädigte, dem Verfahren entzogen hat und nicht als Zeugin aussagte. Da es keine neutralen Zeugen gebe, seien auch die anderen Tatvorwürfe fraglich, zumal die junge Frau seinem Mandanten auch weit nach dem Ende der gegenseitigen Beziehung sowohl noch „sehr freizügige Bilder von ihr“ aber auch „entsprechende“ Text-Nachrichten geschickt habe.

Unter Berücksichtigung des Atem-Alkoholpegels seines Mandanten am Tage der Tat von 2,26 Promille plädierte er eine verminderte Schuldfähigkeit zu berücksichtigen und beantragte, für eine übriggebliebene einfache Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als drei Monaten zu verhängen und diese zur Bewährung auszusetzen.

Nach längerer Beratung verkündete Richter Kimmeskamp das Urteil des Schöffengerichtes. Wegen vorsätzlicher und wegen gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil der nicht erschienenen 27-jährigen Hattingerin erhielt der 30-Jährige eine Gesamt-Freiheitsstrafe von 12 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Von den restlichen Anklagepunkten wurde er freigesprochen. Verhält er sich in den nächsten vier Jahren straffrei und zahlt pünktlich in monatlichen Raten insgesamt 1.000 Euro an das Frauenzentrum in Dortmund, muss er nicht in`s Gefängnis. Das Urteil erlangte noch im Gerichtssaal Rechtskraft.

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