Hattingen – DHL verspricht 24/7 – aber die Realität in Hattingen heißt: „Sonntags geschlossen“. Zwei namentlich nicht genannt sein wollende Stadtverordnete standen vor der Paketstation am Kaufland wie Kinder vor dem Süßigkeitenautomaten ohne Kleingeld – nur dass diesmal nicht das Kleingeld fehlte, sondern gleich der ganze Zugang.
Paket rund um die Uhr? Von wegen!
Auf dem gelben Benachrichtigungszettel klingt alles großartig: Abholung in der „Paketstation Kaufland Markt“ von Montag bis Sonntag, 0 bis 24 Uhr – moderner Service, digitale Zukunft, alles super.
Blöd nur, dass der Durchgang zu genau dieser Paketstation am Hattinger Kaufland sonntags einfach abgeschlossen wird. Und nicht nur sonntags, Zugang eben nur zu den öffentlichen Kaufland Zeiten.

Wer sich also brav an die aufgedruckten Zeiten hält, steht am Ende vor einer verschlossenen Glastür und darf sein Paket durch die Scheibe gedanklich streicheln. Das ist Service nach dem Motto: „Sie können Ihr Paket jederzeit abholen – außer dann, wenn Sie Zeit haben.“
Politik vor der Tür, Paket hinter Glas
Ausgerechnet zwei Hattinger Stadtverordnete hat es an diesem Sonntag erwischt. Mit dem Abholschein in der Hand, guten Mutes und dem Versprechen „Mo–So, 0–24 Uhr“ im Kopf, liefen sie in Richtung Paketglück – und landeten (fast wie im Rathaus) im Wartebereich der Realität.
Vor ihnen: eine verschlossene Tür zum Kaufland-Durchgang. Hinter der Tür: die heiß ersehnte DHL-Paketstation. Dazwischen: nichts als ein paar Millimeter Glas und eine Menge Frust. Besonders pikant: Einer der beiden sitzt sogar im Kreistag. Aber selbst ein Mandat auf Kreisebene öffnet in Hattingen offenbar keine Türen, wenn DHL und Kaufland gemeinsam „Kundenfreundlichkeit“ buchstabieren.
Wenn die Logik Feierabend macht
Rein formal stimmt ja alles: Die Paketstation selbst könnte theoretisch sieben Tage die Woche rund um die Uhr genutzt werden. Technik, Software, Automaten – alles bereit für den 24/7-Betrieb. Nur hat offenbar niemand daran gedacht, dass man zu so einer Station auch irgendwie hinkommen muss.
Was nützt die beste 24-Stunden-Abholstation, wenn der einzige Zugang sonntags abgeschlossen wird – so, als würde man eine Feuerwehrwache hinter einem verschlossenen Gartentor betreiben?
Hier prallen zwei Welten aufeinander: die Marketing-Realität auf dem Benachrichtigungsschein und die Beton-Realität vor der verschlossenen Tür. Die einen drucken „täglich“, die anderen schließen „konsequent“.
Vorschläge zur Schadensbegrenzung
Damit künftig nicht noch mehr Hattingerinnen und Hattinger mit Paket-Zettel, aber ohne Paket nach Hause gehen, böten sich unter anderem an:
- Ehrliche Zeiten auf dem Zettel: Statt „Mo–So 0–24 Uhr“ lieber „Mo–Sa Zugang möglich, So nur zum Draufgucken“.
- Ein deutliches Hinweisschild am Eingang: „Sonntags kein Zugang zur DHL-Station – wir bedauern die Unannehmlichkeiten (aber nicht genug, um etwas zu ändern).“
- Oder wirklich mutig: Den Durchgang sonntags tatsächlich öffnen – zumindest so lange, bis die letzten Benachrichtigungskarten mit 24/7-Versprechen aus dem Verkehr sind.
Die beiden Stadtverordneten werden diesen Sonntag jedenfalls nicht so schnell vergessen.
Das Paket ist zwar irgendwann abholbar – aber das Vertrauen in vollmundige Serviceversprechen hat deutlich kürzere Öffnungszeiten.




























Am Ende bleibt die Erkenntnis, in Zeiten von Service Versprechen ist nicht die Verfügbarkeit das Problem, sondern die Definition davon. Und die hat, wie so vieles, am Sonntag einfach geschlossen.