Hattingen – Eigentlich sollte es damals nur eine Lösung für eine ziemlich ungewöhnliche Zeit sein. Die Kirchen waren während der Corona-Pandemie geschlossen, Begegnungen nur eingeschränkt möglich. Also ging man nach draußen. Mit Abstand, Maske und einer Schirmlänge Platz zwischen den Teilnehmern wurde gemeinsam gegangen, geredet und nachgedacht.
Aus dieser Idee wurde die Pilger-Kirche Holthausen. Am Sonntag (13. September) machte sie sich zum 50. Mal auf den Weg.
Die Idee dazu hatte Frank Bottenberg. Gemeinsam mit Gaby Haarmann entwickelte er während der Corona-Zeit ein Format, das Bewegung, Begegnung und Kirche miteinander verband. Raus aus der eigenen Wohnung, hinein in die Natur – und vor allem wieder unter Menschen. Nicht über soziale Netzwerke und Kommentare auf dem Bildschirm, sondern ganz real, beim gemeinsamen Gehen und im persönlichen Gespräch.
Ein Markenzeichen war dabei von Anfang an das „Pilgern vor der Haustür“. Es musste nicht der Jakobsweg sein und schon gar nicht Richtung Pyrenäen gehen. Die Wege lagen direkt vor der eigenen Haustür rund um Holthausen und Hattingen.
Und trotzdem gab es etwas zu entdecken. Manchmal verlief ein kleiner Weg oder Pfad gerade einmal 20 oder 30 Meter neben einer Straße oder Strecke, die man seit Jahren aus dem Auto kannte. Ein paar Schritte weiter sah die vertraute Umgebung plötzlich ganz anders aus. Orte, an denen man unzählige Male vorbeigefahren war, wurden neu entdeckt. Für einige Stunden entstand so das Gefühl, wirklich einmal weg zu sein – obwohl man eigentlich ganz in der Nähe geblieben war.
Was während Corona aus der Not geboren wurde, ist längst zu etwas Eigenständigem geworden. Auch fünf Jahre später kommen Menschen zusammen, um sich zu bewegen, miteinander zu reden, Neues vor der eigenen Haustür zu entdecken und zwischendurch Gedanken mitzunehmen, die über den Spaziergang hinausreichen.
Fotos: Bernd Jeucken
Seit Bottenberg in den Ruhestand gegangen ist, hat Gaby Haarmann die Leitung der Pilger-Kirche übernommen. Für die einzelnen Wanderungen sucht sie sich passende Mitstreiter für die Impulse unterwegs. Beim Jubiläum war auch Bottenberg wieder dabei. Zudem gehörte die 50. Pilger-Kirche erneut zur Hattinger Wanderwoche. Bernd Jeucken und weitere Teilnehmer der Wanderwoche schlossen sich deshalb der Gruppe an.
Ganz nach Plan verlief die Jubiläumstour allerdings nicht. Eigentlich sollte noch einmal die gleiche Strecke gegangen werden wie bei der allerersten Pilger-Kirche. Doch der Regen und einige Passagen, die bei Nässe eine erhöhte Rutschgefahr mit sich gebracht hätten, sorgten für eine kleine Planänderung. Haarmann verkürzte und entschärfte die Strecke. Nach 50 Pilgerwanderungen muss schließlich niemand mehr beweisen, dass er stur an einem Plan festhalten kann.
Der Regen war unangenehm, aber für die Gruppe kein wirkliches Problem. Unterwegs wurde gesprochen, gemeinsam gegangen und immer wieder angehalten. Denn zur Pilger-Kirche gehören seit Beginn auch kleine spirituelle und nachdenkliche Impulse.
Diesmal stand das „Tragen und Getragenwerden“ im Mittelpunkt. Biblischer Anker war der Satz aus dem Galaterbrief: „Einer trage des andern Last.“ Ein Gedanke als Gegenentwurf zu einer Haltung, bei der jeder vor allem den eigenen Vorteil, den eigenen Beifall und die eigenen Ansprüche im Blick hat.
Gaby Haarmann und Frank Bottenberg erinnerten dabei auch an den Song „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“ von The Hollies und die Geschichte dahinter. Gleichzeitig ging es um die andere Seite des Tragens: darum, dass Menschen – manchmal bereits Kinder – Lasten tragen müssen, die eigentlich zu schwer für sie sind.





























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