PCB-BLUTUNTERSUCHUNG: FIRMA BIW IST NICHT GESUNDHEITSGEFÄHRDEND

Firma biw in Ennepetal (Foto: Strohdiek)

Ennepetal- „Nach heutigem Kenntnisstand ist unter Bezug auf die für die untersuchte Kohorte maßgeblichen HBM-Werte bei keiner Teilnehmerin und bei keinem Teilnehmer von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen“ – dieser Satz auf Seite 14 des Abschlussberichtes der Uniklinik der RWTH Aachen zu den Blutuntersuchungen auf PCB bei Ennepetaler Bürgerinnen und Bürger dürfte für viele der wichtigste sein.

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Zur Erinnerung: Nach dem Fund von PCB im Umfeld eines Ennepetaler Unternehmens hatten Bewohner der Stadtteile Oelkinghausen und Büttenberg das Angebot erhalten, ihr Blut auf Polychlorierte Biphenyle untersuchen zu lassen. Konkret angesprochen waren Frauen im gebärfähigen Alter bis 49 Jahren und mit Kinderwunsch sowie Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 17 Jahren.

Im Fokus standen vor allem die PCB Kongenere (Varianten) 47, 51 und 68. Diese entstehen bei der Silikonerzeugung und spielen deshalb in Ennepetal eine besondere Rolle. Die Firma BIW kann allerdings nach eigenen Angaben nachweisen, dass zwei der drei Kongenere nicht in der Firma entstehen. Rein technisch sei nur die Entstehung von PCB 47 bei BIW möglich.

Bewertet wurden die Ergebnisse aber auch im Hinblick auf die Gesamtbelastung mit PCB, also unter Einbeziehung von PCB Kongeneren, die aus anderen Quellen stammen. Hierzu wurden die in solchen Fällen üblichen PCB Arten 28, 52, 101, 138, 153 und 180 als Indikatoren genutzt. Von allen untersuchten Kongeneren ist die bei BIW entstehende Variante die am wenigsten gesundheitsschädliche, da sie die geringste Ähnlichkeit zu Dioxinen aufweist.

166 von insgesamt 1.520 Berechtigten hatten ihr Interesse angemeldet, zu erfahren, ob sie mit PCB belastet sind. 149 füllten den notwendigen Fragebogen aus, 111 vereinbarten im Herbst letzten Jahres schließlich einen Termin zur Blutabnahme im Schwelmer Helios Klinikum, 38 von ihnen waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Nach dem Auswerten aller Proben lautet das Ergebnis zum Hauptziel der Untersuchungen, also der Frage, ob die in der Vergangenheit im Rahmen der Silikonproduktion freigesetzten PCB-Mengen zu Belastungen geführt haben: Bei allen Untersuchten konnten die PCB Kongenere 51 und 68 nicht nachgewiesen werden, bei 110 Personen gilt dies auch für PCB 47. Bei einer Person wurde PCB 47 in geringen Mengen im Blut gefunden.

Da der Wohnort in diesem Fall seit langem in unmittelbarer Nähe zum Emittenten und auch in Hauptwindrichtung liegt sowie andere Belastungsursachen ausgeschlossen werden können, legt der Abschlussbericht hier eine klare Verbindung zur Silikonproduktion als Quelle für die Belastung nahe. Ebenso wird aber betont: Sowohl die Menge an PCB 47 als auch die PCB Gesamtbelastung liegen auch in diesem Fall unterhalb eines Wertes, bei dem mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen gerechnet werden muss.

Mit anderen Worten: Die mit der Silikonproduktion verbundene bisherige PCB Freisetzung in Ennepetal hat für die Bürgerinnen und Bürger keine gesundheitlichen Folgen. Dieses Ergebnis gilt nicht nur für die 111 Studienteilnehmer. Es lässt sich auch auf jene weniger sensiblen Gruppen in den beiden Stadtteilen übertragen, denen kein Untersuchungsangebot gemacht wurde.

Für Verunsicherung bei den Untersuchten, die in den letzten Tagen ihre Ergebnisse erhalten haben, könnte der Nachweis von PCB Kongeneren in ihrem Blut führen, die nicht im Zusammenhang mit der Silikonproduktion stehen.

In diesem Zusammenhang gilt es Folgendes zu berücksichtigen: PCB wurden bis in die 1980er Jahre in Transformatoren und Hydraulikanlagen sowie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen und Kunststoffen verwendet. Sie haben sich in der Folge in der Umwelt verteilt, sind langlebig und bauen sich nur langsam ab. Aus diesem Grund sind sie auch in die Nahrungskette gelangt, werden auf diesem Weg von jedem Menschen aufgenommen und sind folglich nachweisbar.

Für die untersuchten Ennepetaler gilt aber ohne Ausnahme: Ihre Messergebnisse lagen alle unterhalb des altersspezifischen Vergleichswertes in der Allgemeinbevölkerung, kein Teilnehmer erreichte den von Experten festgelegten Wert (HBM-I-Wert), ab dem man sich Sorgen um die Gesundheit machen muss.

Die Bedeutung der HBM-Werte

Die HBM-Werte für Polychlorierte Biphenyle im (Blut)-Serum von Säuglingen, Kleinkindern und Frauen im gebärfähigen Alter wurden von der Kommission Human-Biomonitoring festgelegt. Der HBM-I-Wert lautet 3.5 Mikrogramm Gesamt-PCB pro Liter Serum, der HBM-II-Wert liegt bei 7 Mikrogramm Gesamt-PCB pro Liter Serum.

Wird der HBM-I-Wert unterschritten, ist nach dem aktuellen Stand der Bewertung durch die Kommission nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen.

Die Blutuntersuchungen

Die Analysen wurden vom Ennepe-Ruhr-Kreis in Kooperation mit der Uniklinik der RWTH Aachen als Forschungsprojekt durchgeführt. Die Klinik verfügt über Erfahrungen mit den besonders im Fokus stehenden PCB Arten 47, 51 und 68. Die fachliche Betreuung des Projektes lag beim Ennepe-Ruhr-Kreis in den Händen von Amtsärztin Dr. Sabine Klinke-Rehbein.

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