Hattingen – Ein Thema, das selbst wohlmeinende Beobachter irgendwann ratlos zurücklässt, ist das Parken in der Altstadt. Denn so sehr man sich bemüht, die geltenden Regelungen nachzuvollziehen – sie entziehen sich mitunter jeder logischen Erklärung.
Ein besonders anschauliches Beispiel liefert der Johannis-Parkplatz. Die Beschilderung ist eindeutig: Anwohnerparken. Wer es dennoch nicht glauben mag, wird spätestens durch das Fehlen von Parkscheinautomaten eines Besseren belehrt. Oder besser gesagt: belehrt werden könnte. Denn in der Praxis scheint all das kaum jemanden zu interessieren. Weder die klaren Hinweise auf dem Parkplatz selbst noch die Verbotsschilder bereits an der Zufahrt über die Augustastraße entfalten die gewünschte Wirkung.
Doch während unerlaubt parkende Auswärtige auf dem Johannis-Parkplatz zumindest „nur“ gegen Regeln verstoßen, ohne unmittelbar jemanden zu behindern, nimmt die Situation auf den umliegenden Straßen deutlich problematischere Züge an. Besonders entlang der Straße Horst wird munter auf Randstreifen geparkt – mit dem unschönen Nebeneffekt, dass wichtige Feuerwehrzufahrten gleich mit blockiert werden.
Und hier beginnt die eigentliche Absurdität: Wer auf dem Johannis-Parkplatz falsch steht, wird in der Regel zügig abgeschleppt. Wer hingegen Zufahrtswege wie Horst-, Johannis- oder Emschestraße zustellt und damit im Zweifel Rettungswege beeinträchtigt, darf häufig mit einer Verwarnung rechnen und bleibt stehen. Ein bemerkenswerter Unterschied in der Prioritätensetzung des Ordnungsamtes.

Parken in der Feuerwehrzufahrt an der Tagesordnung (Foto: RuhrkanalNEWS)
Auch die Situation rund um den Kirchplatz in der Emschestraße fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Dauerparker in ausgewiesenen Feuerwehrzufahrten werden verwarnt. Nicht mehr, nicht weniger. Gleichzeitig wächst das kreative Flächenmanagement der angrenzenden Gastronomie stetig weiter. Theken, Biertischgarnituren, Sonnenschirme und Blumenkübel erweitern den Außenbereich und verengen ganz nebenbei die ohnehin sensiblen Zufahrtsbereiche. Ein Zick-Zack-Parcours wie beim ADAC Fahrsicherheitstraining, dass vorausschauendes Fahren und präzises Lenken erfordert.
Die Feuerwehr wird es schon richten. Schließlich sind es „nur“ historische Fachwerkhäuser am Kirchplatz, die im Brandfall bekanntlich ausreichend Zeit lassen, bevor es kritisch wird. Und falls doch einmal Eile geboten ist, können Einsatzkräfte ja zunächst Tische verrücken, Hindernisse umstellen und vielleicht sogar den falschparkenden Fahrzeughalter ausfindig machen. Möglicherweise sitzt er ja direkt nebenan beim gemütlichen Getränk.

Warum da ein „Feuerwehrzufahrt-Schild“ steht weiß auch der Skoda-Fahrer nicht (Foto: RuhrkanalNEWS)
Bleibt die Frage, welches Signal hier eigentlich gesendet wird. Regeln scheinen weniger entscheidend zu sein als ihre Auslegung. Und die wiederum wirkt, gelinde gesagt, inkonsequent. Für Anwohner, Einsatzkräfte und alle, die auf klare Verhältnisse angewiesen sind, ist das mehr als nur schwer nachvollziehbar.




























Da gibt es noch viele weitere Beispiele:
Das Krämersdorf ist an vielen Wochenenden ein einziger großer Parkplatz.
Durch die Augustastraße wird täglich so oft gefahren, würde dort regelmäßig kontrolliert, die Stadtkasse könnte wahrscheinlich an einem einzigen Mittwochvormittag saniert werden.
Der Pottacker als frischgebackene Fahrradstraße hat nun leuchtende und gut sichtbare neue Parkbegrenzungen, geparkt wird trotzdem weiterhin jederzeit, von jedem und überall.
All das lässt sich darauf zurückführen, dass das Ordnungsamt unterbesetzt, zu wenig präsent und zu inkonsequent ist. Und dass das bei den üblichen Parkverdächtigen bestens bekannt ist.
Man könnte einwenden, dass man nicht tausende Touristen in die Stadt holen kann ohne genügend Parkraum anzubieten. Aber wann ist das Altstadtparkhaus schon mal voll besetzt? Und da kommt fast jeder Falschparker vorbei bevor er in die Altstadt fährt.
Besonders ärgerlich für Anwohner mit Elektrofahrzeug ist auch dass die wenigen Ladesäule in der Altstadt immer wieder von Verbrennern zugeparkt werden. Für die meisten Anwohner der Altstadt sind das nämlich die einzigen Lademöglichkeiten.
Als Anwohner wünscht man sich ein konsequenteres Durchgreifen des Ordnungsamtes.
Augustastraße? Emschestraße? Johannisstr? Steinhagen? Flachsmarkt? Große und kleine Weilstraße?
Etwas mehr Kontrolle würde evtl. abschrecken, darüber würden sich auch diejenigen freuen die regelmäßig für ihre Anwohner-Parkausweise zahlen.