Ohne Talsperren wäre die Ruhr trockengefallen

Die Ruhr bei Hattingen (Archivfoto: RuhrkanalNEWS)
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Hattingen/Nordrhein-Westfalen- Nur 22 Millimeter Niederschlag, 77 Prozent weniger als üblich, gab es nach den vorläufigen Auswertungen des Ruhrverbands im Juli 2026 im Einzugsgebiet der Ruhr. Damit steht schon vor der endgültigen Datenvalidierung fest: Es war einer der zwei trockensten, vermutlich sogar der trockenste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen vor 100 Jahren. Ein zusätzlicher Blick auf die Vormonate zeigt, wie herausfordernd die wasserwirtschaftliche Situation im Jahr 2026 insgesamt ist: Seit November 2025, dem Beginn des aktuellen Abflussjahres, waren mit Ausnahme des (durchschnittlichen) Monats Februar und des (sehr nassen) Monats Mai alle Monate trockener als im Durchschnitt – der November, der Dezember und der März um mehr als die Hälfte, der Juli (siehe oben) voraussichtlich um mehr als drei Viertel.

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Insgesamt hat es in den ersten neun Monaten des Abflussjahres 2026 rund 30 Prozent weniger Niederschlag gegeben als üblicherweise in diesem Zeitraum. Um einen annähernd durchschnittlichen Jahresniederschlag zu erreichen, müssten die verbleibenden Monaten bis Ende Oktober sehr nass ausfallen – was sich nach derzeitigen Prognosen für die kommenden Wochen allerdings nicht abzeichnet.

Für das Talsperrensystem des Ruhrverbands bedeutet die gegenwärtige Situation vor allem eines: Schwerarbeit. An allen 31 Tagen im Juli bestand Zuschusspflicht, um die gesetzliche Mindestwasserführung am Pegel Villigst bei Schwerte aufrechtzuerhalten. An 18 Tagen wäre die Ruhr an diesem Pegel sogar vollständig trockengefallen, weil die Entnahmemengen höher waren, als es der Durchfluss ohne das Zuschusswasser aus den Talsperren gewesen wäre.

„Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, dass die Bedeutung der Talsperren für die sichere Trinkwasserversorgung unserer Region gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“, unterstreicht Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands. „Aufgrund des Klimawandels werden Trockenphasen, wie wir sie im Moment erleben, ebenso wie Starkregen, Stürme und Hochwasser zu einem Teil unserer neuen Lebensrealität. Im Zusammenwirken mit renaturierten Gewässern, entsiegelten Flächen, Schwammstädten und -wäldern sind unsere Talsperren wichtige Multifunktionsspeicher – heute schon und in Zukunft noch mehr. Das Wasser dort zu halten, wo es gebraucht wird, und die natürlichen und künstlichen Speicherkapazitäten gezielt weiterzuentwickeln, wird daher unsere Aufgabe in der Wasserwirtschaft sein.“

Mit Blick auf die kommenden Monate kann Christoph Donner Beruhigendes verkünden: „Der Füllstand unseres Talsperrensystems liegt aktuell bei rund 80 Prozent vom Vollstau, das entspricht einer Gesamtmenge von etwa 380 Millionen Kubikmetern. Damit können wir die Wasserversorgung sicherstellen, auch wenn es in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin trocken bleiben sollte.“ Allerdings, so der Vorstandsvorsitzende weiter, habe der Ruhrverband allein im Juli seine Talsperren um 31 Millionen Kubikmeter Wasser abstauen müssen, um die Mindestwasserführung der Ruhr aufrechtzuerhalten. „Wasser ist keine Selbstverständlichkeit“, lautet daher Christoph Donners eindringlicher Appell. „Es ist ein kostbares Gut, mit dem wir achtsam umgehen müssen. Deshalb unterstützen wir als Ruhrverband das von der Bezirksregierung Arnsberg ausgesprochene Verbot der Wasserentnahme aus Ruhr und Lenne. Damit kann jeder und jede einzelne von uns dazu beitragen, unsere Wasserreserven zu schonen.“ 

Hintergrund: Abflussjahre (auch hydrologische Jahre oder Wasserwirtschaftsjahre genannt) weichen von den Kalenderjahren ab, damit in der Jahresbilanz auch Niederschläge in Form von Schnee und Eis, die bereits im Frühwinter fallen, erfasst werden können. Sie werden nämlich erst im folgenden Kalenderjahr als Schmelzwasser abflusswirksam. In Deutschland legt eine DIN-Norm das Abflussjahr jeweils vom 1. November bis zum 31. Oktober fest, weil die Wasserreserven Ende Oktober erfahrungsgemäß am geringsten sind.

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