Witten – Das Johanna-Ruß-Haus feierte sein 50-jähriges Bestehen Heute (12. Juli 2026) mit einem großen Sommerfest auf dem historischen Gutshof. Heute leben dort 18 Kinder und Jugendliche mit Assistenzbedarf in drei altersgemischten Gruppen.
1976 zogen Ursula Wedepohl, Reinhard Berger und Hans Jürgen, ein Schüler der Christopherus Schule, in den damals weitgehend leerstehenden Gutshof. Es gab keine Vergütung, keine Betriebserlaubnis und keine Dienstpläne. Was es gab, waren Mut, Idealismus und die Überzeugung, für junge Menschen mit Assistenzbedarf einen echten Lebensort zu schaffen.
Aus diesem ungewöhnlichen Anfang entwickelte sich das Johanna-Ruß-Haus innerhalb des Christopherus Haus e. V. Seit nunmehr 50 Jahren finden Kinder und Jugendliche dort nicht nur Betreuung, sondern ein Zuhause, Gemeinschaft und Raum für ihre persönliche Entwicklung.
Schon früh am Festtag war zu erkennen, wie viel Arbeit und Liebe in den Vorbereitungen steckte. Noch bevor die ersten Gäste kamen, standen die Stände bereit, Getränke warteten auf Abnehmer und eine Manege aus Strohballen war aufgebaut. Alles wirkte, als gehöre es schon immer zu diesem besonderen Ort.
Liebe wird aus Mut gemacht: 50 Jahre Johanna-Ruß-Haus (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
In einem separaten Gebäude stand der Pizzaofen bereit. Rund 15 Kilogramm gespendeter Teig der Pizzeria Salvatore warteten darauf, belegt und gebacken zu werden. Das weitläufige Gelände des alten Gutshofes bot dabei viel Platz für Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Aktionen.
Ein besonderer Höhepunkt des Festes war die Aufführung von „Alice im Wunderland“. Bewohner und Freunde des Hauses standen gemeinsam auf der Bühne und übernahmen die verschiedenen Rollen. Bereits zuvor wurden die Gäste selbst in das Programm einbezogen. Unter Anleitung entstand aus einfachen Tanzschritten schließlich eine lange Schlange aus Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern.
Auch Wittens Bürgermeister Dirk Leistner (SPD) war gekommen. In seiner spontanen Ansprache würdigte er die Arbeit der Mitarbeiter und Unterstützer. Sie hätten jungen Menschen über fünf Jahrzehnte hinweg nicht nur Hilfe gegeben, sondern ein Zuhause geschaffen und Menschlichkeit gelebt.
Bei der Eröffnung des Festes wurde jedoch nicht nur auf die vergangenen 50 Jahre zurückgeblickt. Es ging auch um die Zukunft solcher Einrichtungen. Deutlich wurde vor möglichen Kürzungen im sozialen Bereich gewarnt. Teilhabe von Menschen mit Assistenzbedarf dürfe nicht lediglich als Kostenposition betrachtet werden.
Der Satz „Liebe wird aus Mut gemacht“ passte deshalb nicht nur zur Entstehungsgeschichte des Johanna-Ruß-Hauses. Er stand auch über einem Jubiläumsfest, bei dem Gemeinschaft, Lebensfreude und das Miteinander im Mittelpunkt standen.


































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