„Das ist kein Rabatt“, sagt RuhrkanalNEWS-Autor Claus J. Barteczko in seinem Kommentar zum neuen Tankrabatt der Bundesregierung, der seit heute, dem 1. Oktober 2026, gilt.
Da ist er also, der große Tankrabatt. Die Regierung feiert ihn als Entlastung für Pendler, Handwerker und Familien. Wer allerdings in den letzten zwei Tagen getankt hat, fragt sich vor allem eines: Wo genau ist dieser Rabatt eigentlich angekommen? In unserem Portemonnaie jedenfalls nicht.
Die Ölkonzerne lachen, wir zahlen
Was am Mittwoch passiert ist, kann man fast schon bewundern. Punkt 12 Uhr wurden Diesel, Super und E10 an einer Tankstelle in Hattingen jeweils um rund 30 Cent teurer, wie auf Kommando. Das war kein Zufall und keine Marktschwankung, das war Plan. Man hätte die Uhr danach stellen können. Mit der Gelassenheit von Leuten, die wissen, dass ihnen sowieso nichts passiert, hat sich die Mineralölbranche noch schnell ein Polster angelegt, damit der Rabatt bloß nicht wehtut. Ihr natürlich, nicht uns.
Und heute? Heute wird die große Ersparnis von 17 Cent beim Diesel gefeiert. Siebzehn Cent. Das ist lachhaft, wenn der Preis am Tag zuvor fast doppelt so stark nach oben gedreht wurde. Zum Nachrechnen: 30 Cent rauf, 17 Cent runter, macht unterm Strich 13 Cent mehr als vorher. Und es geht weiter. In Hattingen stand der Diesel heute um 12 Uhr bei 2,219 Euro und sprang dann auf 2,369 Euro. Wieder 15 Cent rauf, mitten im Rabatt. Noch Fragen?
Das ist keine Entlastung, das ist ein Taschenspielertrick. Erst den Preis nach oben treiben, dann ein bisschen davon zurückgeben und den Bürgern das als Geschenk verkaufen. Ein Hütchenspieler am Bahnhof arbeitet nach dem gleichen Prinzip, verlangt dafür aber wenigstens keine Mehrwertsteuer.
Absehbar und trotzdem verschlafen
Am meisten ärgert, dass das alles absehbar war. Jeder, der sich ein bisschen mit dem Spritmarkt auskennt, weiß, wie die Konzerne auf Ankündigungen reagieren: Sie preisen alles vorher ein. Das war schon beim Tankrabatt 2022 so, als ein großer Teil der Steuersenkung in den Kassen der Konzerne gelandet ist statt bei den Autofahrern. Die Regierung hat daraus offenbar nichts gelernt und wieder ein Instrument gebaut, das sich mit einem einzigen Mittagsaufschlag aushebeln lässt.
Andere Länder in Europa zeigen seit Langem, dass es auch anders geht, mit festen Obergrenzen, klaren Regeln und echten Konsequenzen, wenn jemand trickst. Auch in Berlin ist man inzwischen draufgekommen: Ab dem 1. Januar 2027 soll eine echte Preisdeckelung kommen. Bis dahin hat die Branche aber drei Monate Zeit, sich bequem darauf einzustellen. Wer die letzten zwei Tage beobachtet hat, ahnt schon, wie das ausgeht. Wenn der Deckel so gebaut wird wie der Rabatt, wird er wirken, als hätte die Lobby beim Formulieren den Kugelschreiber gehalten.
Man kann sich gut vorstellen, wie in den Konzernzentralen die Sektkorken knallen. Die Gewinne sprudeln weiter, und das Imageproblem schiebt man elegant der Politik zu. Die Politik zeigt wiederum auf den Markt. Am Ende steht der Autofahrer an der Zapfsäule in Hattingen, Witten oder Sprockhövel, schaut auf die Anzeige und merkt, dass er wieder der Dumme ist.
Was jetzt passieren muss
Wenn die Bundesregierung es ernst meint, muss sie nachbessern, und zwar sofort und nicht erst im Januar. Dazu gehört eine Kartellaufsicht mit echten Zähnen, die Preissprünge wie die vom Mittwoch sofort unter die Lupe nimmt. Dazu gehören spürbare Strafen für auffällige Preisaufschläge zur Mittagszeit. Und es braucht einen Preisdeckel für 2027, der sich an den Preisen vor dem ganzen Theater orientiert und nicht an denen, die sich die Konzerne gerade selbst zurechtgelegt haben. Alles andere ist Symbolpolitik auf Kosten derer, die jeden Tag zur Arbeit fahren müssen.
Bis dahin bleibt nur ein bitterer Rat: Tanken Sie morgens, beobachten Sie die Preise und glauben Sie keiner Pressemitteilung, in der das Wort „Entlastung“ vorkommt.


























Fun fact oder polemischer Kommentar (je nach Sichtweise):
Das 9-Euro-Ticket war für Bund und Länder etwa genauso teuer (Juni–August 2022 ca. 2,5 Mrd €) wie diese 17 Cent Entlastung (Oktober–Dezember 2026 ca. 2,5 Mrd €). Und für den Nachfolger, das Deutschlandticket, gilt, dass es etwa 4-mal billiger war/ist (Mai 2023–heute ca. 3 Mrd. €/Jahr).
Noch nen populistischer Kommentar:
Der E-Autobonus kostet in den gleichen drei Monaten etwa 250 Mio. €. Man hätte Ihn also für das gleiche Geld auch verzehnfachen können.