Sprockhövel – Es sind oft die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen. Der Fahrtwind im Gesicht. Eine bekannte Straße, die man seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Ein Radweg, den man früher selbst gefahren ist. Für viele Menschen ist das heute nicht mehr selbstverständlich. Genau deshalb wurde am Freitag (7. August 2026) an der Tagespflege am Turm in Sprockhövel eine neue Inklusions-Rikscha offiziell in Dienst gestellt.
Mit Unterstützung der LEADER-Region Ennepe.Zukunft.Ruhr konnte der ADFC Hattingen/Sprockhövel eine weitere Rikscha für das Projekt „Radeln ohne Alter“ anschaffen.
Schon bei der Begrüßung wurde deutlich, worum es bei diesem Projekt eigentlich geht. Die Tagespflege freut sich jedes Jahr darauf, wenn die Rikscha-Saison beginnt. Dann wird morgens beim Frühstück zuerst aus dem Fenster geschaut: Wie wird das Wetter? Reicht eine Wolldecke für die Beine oder wird es ein Sommertag? Denn gefahren wird nur dann, wenn sich die Gäste wohlfühlen können.
Die Touren führen je nach Wunsch Richtung Bredenscheid oder Hasslinghausen. Viele der Mitfahrenden entdecken dabei ihre Heimat noch einmal neu. Straßen, Radwege und Landschaften haben sich verändert. Orte, die sie allein nicht mehr erreichen könnten, werden plötzlich wieder erlebbar.
Projektleiter Bernd Lauenroth erinnerte daran, dass die Idee für Fahrten mit der Tagespflege schon vor Jahren entstand. Damals sprach ihn eine Mitarbeiterin auf einer Seniorenmesse an und fragte, ob man so etwas nicht auch für ihre Einrichtung anbieten könne. Aus dieser Anregung entwickelte sich Schritt für Schritt eines der erfolgreichsten Projekte des ADFC Hattingen/Sprockhövel.
Dass heute bereits die sechste Rikscha zum Einsatz kommt, sei vielen Unterstützern zu verdanken. Die LEADER-Förderung übernahm den größten Teil der Kosten, den Eigenanteil finanzierten unter anderem der Lions Club. Gleichzeitig wächst bereits das nächste Projekt: Für die neue Wohneinrichtung der Lebenshilfe in Sprockhövel sind künftig ebenfalls regelmäßige Rikschafahrten geplant.
Inklusions-Rikscha offiziell in Dienst gestellt (Foto: Holger Grosz, Ruhrkanalnews)

Bürgermeisterin Sabine Noll bedankte sich bei allen Beteiligten und bezeichnete die Rikscha als weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit immer häufiger zum Thema werde, ermögliche sie Begegnungen und Teilhabe. Menschen, die selbst nicht mehr Rad fahren können, erleben wieder das Gefühl von Bewegung, den Fahrtwind und ihre vertraute Umgebung.
Wie viel diese Fahrten bedeuten, schilderten die Gäste eindrucksvoll selbst.
Eine Seniorin erzählte, wie überrascht sie gewesen sei, wie schön die Fahrt gewesen sei. Unterwegs habe sie Wege und Plätze entdeckt, die sie allein gar nicht mehr erreichen könne. Besonders angenehm sei gewesen, dass selbst an kühleren Tagen mit einer Decke für warme Beine gesorgt werde. “Das war eine wunderschöne Fahrt”, sagte sie sichtlich bewegt.
Auch für die ehrenamtlichen Fahrer bleiben diese Ausflüge nicht ohne Wirkung. Johannes, der die Fahrten in Sprockhövel koordiniert, berichtete von einer Tour an einem heißen Sommertag. Unter den Bäumen sei ein ganz anderes Klima entstanden, und zu erleben, wie sehr sich die Gäste über die Landschaft freuten, sei jedes Mal auch für die Fahrer ein besonderes Erlebnis. Marcel von der Tagespflege ergänzte: “Wir geben nicht nur etwas – wir bekommen auch ganz viel zurück.”
Sabine Schmitt von der Lebenshilfe sieht in den Rikschafahrten ein echtes Inklusionsprojekt. Menschen mit Behinderung seien unterwegs mitten im Leben, kämen mit Passanten ins Gespräch und würden überall freundlich begrüßt. Besonders bewegend sei für sie eine gemeinsame Fahrt mit ihrem Sohn gewesen, dessen Begeisterung noch lange nachwirkte. Die neue Wohneinrichtung der Lebenshilfe mitten in Sprockhövel werde diese Begegnungen künftig noch stärker fördern.
Am Ende des Pressetermins richteten die Beteiligten noch einen Wunsch an die Öffentlichkeit. Mit der neuen Rikscha stehen in Sprockhövel jetzt zwei Fahrzeuge für das Projekt „Radeln ohne Alter“ zur Verfügung. Damit künftig noch mehr Fahrten möglich sind, werden jedoch dringend weitere ehrenamtliche Rikschafahrer gesucht.
Wer Freude am Radfahren hat und älteren oder mobilitätseingeschränkten Menschen ein paar unvergessliche Stunden schenken möchte, kann sich bei Projektleiter Bernd Lauenroth melden. Informationen gibt es telefonisch unter 0170 / 3333 453.


























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