ICH WÜNSCHE MIR… EINEN PARKPLATZ

Geparkt wird überall, sogar auf der Sperrfläche der Feuerwehr (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Es ist Zeit der Wünsche. Und nicht immer gehen sie in Erfüllung. Zum Beispiel der Wunsch nach einem Parkplatz. Denn: Hattingen hat… nicht genug Parkplätze! Dieser Satz ist Ketzerei in Zeiten, in denen die Politik das Auto am liebsten aus den Innenstädten verbannen würde. Stattdessen sollen die Bürger mit Bus und Bahn, Fahrrädern oder E-Scootern unterwegs sein. Diejenigen, die nicht regelmäßig und vor allem nicht spontan auf ein Fahrzeug angewiesen sind, dürften am Car-Sharing durchaus ihre Freude haben. Für alle, die täglich auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen sind, wird das mit dem Auto zunehmend schwierig und zu Zeiten des Weihnachtsmarktes (fast) unmöglich. 

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Dabei gibt es zwei Gruppen, die es besonders trifft. Zum einen sind dies die Anwohner der Hattinger Innenstadt, insbesondere der Altstadt. Zum anderen sind es die berufstätigen Einpendler, die in Hattingen ihrem Job nachgehen. Für beide gilt: Sie müssen – genau wie Besucher – für ihren Parkplatz natürlich zahlen. Nur ist das schon die falsche Formulierung, denn es gibt nicht „ihren“ Parkplatz – es gibt nur „einen“ Parkplatz – falls einer frei ist. 

Zahlen müssen die Anwohner per Dauerparkticket (55,- Euro an die Kirchengemeinde) für den Kirchplatz und wenn sie dort keinen Parkplatz finden oder  – wie zum Zeitpunkt des Weihnachtsmarktes – gar nicht auf dem Kirchplatz parken können, dann müssen sie eben so lange suchen, bis sie irgendwo fündig werden. Setzt aber voraus das man sich noch einen Anwohnerparkausweis (20,- Euro an die Stadt) kauft. Sollte immer noch keine Parkmöglichkeit gefunden sein, dann ab ins Parkhaus, was ebenfalls wieder kostet …(Kosten: je nach Parkdauer)

Nerven und zwar jede Menge kostet das Parken in Hattingen eigentlich (fast) immer. Mit dem Altstadt-Parkhaus, den Parkplätzen im Bruchfeld, Roonstraße, Rathausplatz, Alter ZOB, August-Bebel-Straße und den beiden privaten Kaufhäusern bei Kaufland und dem Reschop-Carré (die allerdings nicht immer zur Verfügung stehen) bietet Hattingen innenstadtnah etwa 1400 Parkplätze. Mit dem Kirchplatz und einigen zusätzlichen kleinen und versteckten Ecken kommen noch ein paar weitere Parkmöglichkeiten dazu. Und die reichen schon im „normalen“ Alltag selten aus. Jede Veranstaltung beschert zudem den Wegfall von Parkflächen, aber den Anstieg von Menschen in der Innenstadt. Damit wird das vorhandene Dilemma noch größer.

Alternativen

Betrachten wir uns die Alternativen: Berufstätige können früher aufstehen und mit dem Bus nach Hattingen kommen. Wer Jobs hat, die ihn an einem Tag in mehrere Städte führen, kommt dann nicht nur richtig rum, sondern darf auch weniger Termine pro Tag machen – die gute Bus- und Bahntaktung macht es möglich. Der Anwohner kann natürlich sein Auto auch kilometerweit von seinem Zuhause abstellen – immerhin tut etwas Bewegung nach der meist sitzenden Arbeit ja auch gut! Und das Schleppen der Einkäufe spart das Fitness-Studio. Bei beiden Gruppen handelt es sich um Menschen, die (fast) 365 Tage im Jahr in Hattingen wohnen und/oder arbeiten. Menschen, die Steuern zahlen – mindestens aber als Pendler oft genug Einkäufe jeder Art in der Innenstadt tätigen und gastronomische Angebote nutzen. 

Ortsunkundige Besucher – die derzeit in Scharen unterwegs sind – machen die Situation nicht besser. Besondere Kleinigkeiten kommen hinzu: Beispielsweise die viel zu kleinen Parkboxen im Altstadtparkhaus für viel zu breite Fahrzeuge – rechts und links wird eingeparkt, die Mitte bleibt frei und da schafft es noch nicht einmal ein Mini, sich dazwischen zu zwängen. Oder die schön geschwungene Einfahrt in das Parkhaus – wer sich zu weit vom Ticketziehen einreiht und dann auch noch die Fahrertür nicht öffnen kann, weil sie vor den Ticketautomaten schlägt, verursacht einen Rückstau, der andere Fahrzeuge auch nicht mehr aus dem Parkhaus herausfahren lässt. Passiert öfter dieser Tage! Ortsunkundige fahren auch gern weiter in die Augustastraße hinein, stellen dann fest, sie kommen nicht weiter und fabrizieren waghalsige Wendemanöver auf der Straße. Währenddessen ist der Anwohner übrigens immer noch auf der Suche nach seinem Parkplatz… 

Der Vollständigkeit halber schauen wir mal in die anderen kleineren Städte: In Sprockhövel ist das Parken kein Problem. Es kostet auch nix – außer die Parkscheibe ins Autofenster legen. Aber in Sprockhövel ist natürlich auch nicht soooo viel los. In Gevelsberg kostet das Parken auch nix. Ruhr-Park und Centro – Parken kostet nix. Die Innenstädte von Bochum, Essen oder Düsseldorf wollen ja sowieso keine Autos mehr und reißen Parkhäuser einfach ab oder bebauen ebenerdige Parkflächen.  

Die Frage, wie wir von A nach B kommen – in ländlichen Regionen mit sehr eingeschränkter Infrastruktur – bleibt dabei leider unbeantwortet. Wo das Geld für den Ausbau der Infrastruktur herkommen soll, übrigens auch. Lösungen für Anwohner und Einpendler sind bis jetzt auch Fehlanzeige: Kostenloser Shuttle, ein Vier-Wochen-Ticket für Altstadt-Anwohner für eine Parkfläche mit einem festen Stellplatz oder mindestens nur kein Geld zahlen für eine Leistung, die man gar nicht nutzen kann – es lässt sich sicher noch viel mehr Kreatives erfinden. Stattdessen passiert nix. Alle regen sich auf und wissen: in ein paar Wochen ist der Hype vorbei. Das Parkproblem bleibt aber trotzdem. Aber wir wollen ja keine Autos mehr in der Innenstadt…