German Open auf dem Kemnader See

Hattinger Segelclub richtet internationale Regatta der Vaurien-Klasse aus (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
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Hattingen – Blauer Himmel, leichte Bewölkung, eine Brise über dem Wasser. Es war einer dieser Samstage, an denen der Kemnader See fast so tut, als sei Segeln ganz einfach. Ein kurzer Anruf vom Steg am Haus Oveney, dann war es schon zu sehen: das blaue Motorboot der Jury. An Bord war unter anderem Annette Diehl, erste Vorsitzende des Hattinger Segelclubs. Am Steuer saß Jörg Friedlein, Inhaber des Wassersportladens aus Hattingen. Wenige Minuten später lag das Boot mitten in der Wettfahrt, auf Höhe der Wendeboje. Die letzten Boote nahmen Kurs Richtung Ziel.

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Vom Donnerstag, 14. Mai, bis Sonntag, 17. Mai 2026, richtete der Hattinger Segelclub auf dem Kemnader See die Internationale German Open 2026 in der Vaurien-Klasse aus. 23 Boote waren gemeldet, darunter drei Teams aus den Niederlanden, ein Team aus Belgien und der Rest aus Deutschland. Ein Boot aus den Niederlanden fiel besonders auf: Es trug auf dem Segel eine Kennung der Niederländischen Antillen.

„Wir richten in diesem Jahr ausnahmsweise die German Open der Vaurien-Klasse aus“, erklärte Annette Diehl auf dem Juryboot. Normalerweise veranstalte der Verein vor allem die Hattinger Segeltage im April. „Die Klassenvereinigung hat uns im vergangenen Jahr gefragt, ob wir das in diesem Jahr übernehmen wollen. Und so ist es dazu gekommen.“

Der Hattinger Segelclub ist nach Angaben der Vorsitzenden mittlerweile einer der größten Vereine am Kemnader See. „Wir haben momentan 225 Mitglieder“, sagte Diehl. Sie selbst ist seit elf Jahren Vorsitzende des Vereins.

Bevor eine Wettfahrt starten kann, ist auf dem Wasser viel Arbeit nötig. Zielbojen werden eingeholt, Startbojen ausgelegt, das Feld wird vorbereitet. Zwischen zwei Bojen entsteht eine imaginäre Startlinie. Für Außenstehende ist sie kaum zu erkennen. Die Juryboote haben die beiden Bojen in der Flucht, die Seglerinnen und Segler müssen einschätzen, wo diese Linie liegt.

Hattinger Segelclub richtet internationale Regatta der Vaurien-Klasse aus (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Genau darin liegt eine der ersten Herausforderungen. Wer beim Startsignal möglichst nah an der Linie ist und schon Fahrt aufgenommen hat, verschafft sich einen wichtigen Vorteil. Wer die Linie allerdings zu früh überquert, riskiert eine Disqualifikation. Es geht also um Sekunden, Gefühl, Erfahrung und ein gutes Auge.

Auf dem Kemnader See kommt noch eine besondere Eigenheit dazu. Von Land aus sieht man Wellen und denkt: Da ist Wind. Ganz so einfach ist es aber nicht. Durch die Hügel rund um den See entstehen immer wieder nur kleine Windfelder. Man erkennt sie an den leicht gekräuselten Flächen auf dem Wasser. Die Kunst besteht darin, möglichst viele dieser Windfelder mitzunehmen, ohne dabei einen zu langen Weg zu segeln.

Und dann gibt es noch eine fast unsichtbare Falle: den Bewuchs im See. In Bereichen, in denen die Wasserpflanzen bereits dicht unter der Oberfläche stehen, können Boote bei wenig Wind hängen bleiben oder deutlich ausgebremst werden. Wer dort ungünstig hineingerät, verliert schnell wertvolle Meter.

Der Auftakt der Regatta zeigte gleich, wie abhängig dieser Sport von den Bedingungen ist. „Am Donnerstag haben wir keine Wettfahrt zustande gebracht, weil der Wind nicht mitspielen wollte“, sagte Annette Diehl. Am Freitag konnten dafür vier Wettfahrten gesegelt werden. Auch am Samstag waren vier Läufe geplant, für Sonntag standen noch zwei weitere Wettfahrten auf dem Programm.

Der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden lag nach Einschätzung der Vorsitzenden zwischen etwa 15 und 60 Jahren. Die Vaurien-Klasse bringt damit ganz unterschiedliche Generationen aufs Wasser. Erfahrung trifft auf Nachwuchs, Routine auf Ehrgeiz.

Für den Hattinger Segelclub bedeutete die German Open ein langes Wochenende mit viel Organisation. Das Startgeld betrug 150 Euro. Darin enthalten waren Übernachtung und Verpflegung für die gesamte Zeit. 23 Teams mussten also nicht nur aufs Wasser gebracht, sondern auch an Land versorgt werden.

Ohne Ehrenamt wäre eine solche Veranstaltung kaum zu stemmen. Mitglieder kümmerten sich um Abläufe, Verpflegung, Boote, Sicherheit und all die kleinen Dinge, die im Hintergrund laufen müssen, damit draußen auf dem Wasser ein fairer Wettbewerb möglich ist. Unterstützt wurde die Veranstaltung unter anderem von der Sparkasse Hattingen, der AVU, dem Stadtsportverband Hattingen, der Firma Wilo aus Dortmund und dem Wassersportladen aus Hattingen. Dessen Inhaber Jörg Friedlein war an diesem Samstag nicht nur als Unterstützer dabei, sondern steuerte auch das blaue Motorboot der Jury über den Kemnader See.

Am Ende zeigte dieses Regattawochenende einmal mehr, dass der Kemnader See mehr ist als ein Naherholungsgebiet. Er ist Trainingsrevier, Wettkampffläche, Vereinsheim ohne Wände und manchmal auch ein ziemlich kniffliger Gegner. Wer hier vorne segeln will, braucht nicht nur ein gutes Boot. Man braucht Geduld, Nerven, ein Gefühl für Wind und Wasser und den richtigen Blick für die kleinen gekräuselten Flächen auf dem See.

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