Hattingen – Auf der Henrichshütte roch es am Sonntag (17. Mai 2026) nach Waffeln, Bratwurst und ein bisschen nach Abenteuer. Genau die richtige Mischung für den Internationalen Museumstag, an dem das LWL-Museum Henrichshütte bei freiem Eintritt seine Türen öffnete. Gleichzeitig wurde der Spielplatz „Rackerwerk“ aus dem Winterschlaf geholt und das Gelände wurde für ein paar Stunden auch noch zur Rennstrecke: Beim 5. ADFC CargoBike-Race Hattingen jagten Lastenräder über den abgesteckten Rundkurs.
Das LWL-Museum hatte für den Tag verschiedene Mitmach- und Kreativangebote vorbereitet. Die Museumspädagogik hatte sich einiges einfallen lassen, um den kleinen Gästen nicht nur einen schönen Tag, sondern vielleicht auch ein paar besondere Augenblicke zu schenken. Es gab Stelzen, Aktivspielzeug und ein Glücksrad, bei dem nicht einfach gedreht, gewonnen und weitergelaufen wurde. Wer am Rad sein Glück versuchte, bekam eine Frage mit Bezug zur Henrichshütte gestellt. Erst die richtige Antwort führte zum Preis.
Gegen Mittag rollte dann auch die Fahrrad-Demo „Kidical Mass“ auf das Hüttengelände. Familien, Kinder, Fahrräder, Bewegung und Museumsgelände – eine Kombination, die sehr gut nach Hattingen passt.
5. ADFC CargoBike-Race (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
Lastenräder im Rennmodus
Parallel dazu hatte der ADFC Ennepe-Ruhr, Ortsgruppe Hattingen, zum 5. CargoBike-Race eingeladen. Start, Ziel und Fahrerlager lagen auf dem Museumsgelände. Dort wurde gefachsimpelt, geguckt, ausprobiert und natürlich gefahren. Wer kein eigenes Lastenrad hatte, konnte sich eins ausleihen und am Rennen teilnehmen.
Die Idee hinter der Veranstaltung entstand vor fünf Jahren. Der ADFC wollte jüngere Menschen ansprechen, Lust aufs Fahrradfahren machen und zeigen, dass Lastenräder mehr sind als nur Transportmittel. „Der ADFC lebt bisher vor allem vom Engagement älterer Menschen – gleichzeitig wollen wir künftig auch jüngere Menschen stärker einbeziehen und für eine Mitarbeit begeistern,“ so ein Sprecher des ADFC und fügt weiter an: „Ein Lastenradrennen auf dem Gelände der Henrichshütte schien uns dafür genau der richtige Ansatz zu sein.“
Gefahren wurde nicht im direkten Duell Rad gegen Rad, sondern aus Sicherheitsgründen als Einzelzeitfahren über vier Runden auf einem rund 200 Meter langen Kurs. Die erste Runde wurde leer gefahren, danach kam die Ladezone: Dort wurde das CargoBike unter anderem mit einem Wasserbehälter, einem Sandsack, mehreren Fahrradreifen und einem Rohr beladen. Mit dieser Ladung ging es zwei Runden über den Kurs, anschließend musste alles wieder abgeladen werden, bevor die vierte und letzte Runde ohne Ladung ins Ziel führte. Wer unterwegs etwas verlor, riskierte Zeitstrafen – gefragt waren also nicht nur Tempo, sondern auch Geschick, Ruhe und sauberes Fahren. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer fuhren gleich ein zweites Mal, um ihre Zeit zu verbessern.
Ein besonderer Moment am Rand: Ein achtjähriges Mädchen mit nagelneuem Fahrrad und Anhänger fuhr die Strecke ebenfalls – kein großes Drama, aber ein Bild, das bleibt, weil es zeigt, wie viel Spaß Mobilität Kindern machen kann.
Schulen stärker einbinden
Der ADFC würde künftig gern wieder mehr Schulen einbinden. Beim ersten Rennen waren Schülerinnen und Schüler der Realschule Grünstraße dabei. Der Kontakt lief damals über einen Trainer, besteht inzwischen aber nicht mehr. „Ziel wäre es, zukünftig mehr Schulen mit einzubinden“, hieß es beim ADFC. Das passt zu der Grundidee der Veranstaltung: junge Menschen aufs Rad bringen, ihnen etwas anbieten und gleichzeitig zeigen, wie vielseitig Fahrräder heute sein können.
Das Gelände der Henrichshütte bietet dafür eine besondere Kulisse. Zwischen Hochofen, Werkstattatmosphäre und altem Industrieboden entsteht schnell ein eigener Reiz. Ein Lastenradrennen dort wirkt nicht wie eine künstlich eingekaufte Attraktion, sondern wie eine Veranstaltung, die sich diesen Ort zu eigen macht.
Anmerkung der Redaktion „Luft nach oben“
Eigentlich waren es zwei Veranstaltungen, die zwar gut zueinander passten, in der Praxis aber eher nebeneinanderherliefen: das Museumsfest mit Spielplatz, Familienprogramm und Kreativangeboten auf der einen Seite, das CargoBike-Race des ADFC auf der anderen. Genau das ist schade, denn das Potenzial liegt auf der Hand.
Natürlich wurde an die Sicherheit gedacht: Durchsagen erinnerten die Besucherinnen und Besucher daran, die Strecke nicht zu kreuzen oder nur an übersichtlichen Stellen zu wechseln. Trotzdem zeigte sich das Problem dort, wo Alltag und Veranstaltung aufeinandertrafen. Der Spielplatz liegt am Ende des Geländes, der Weg dorthin ist lang – und wer den Duft von Waffeln, Kuchen und Bratwurst in der Nase hat, will nun einmal genau da hin. Wenn das Kind eine Waffel möchte, die Mutter ein Stück Kuchen und der Vater eine Bratwurst – Klischees inklusive – führt der Weg zwangsläufig über die Rennstrecke.
Genau hier könnte man weiterdenken. Warum nicht aus zwei parallelen Programmen ein gemeinsames Fest machen? Ein Geschicklichkeitsparcours für Lastenräder, ein Zeitfahren auf der Geraden unter dem Hochofen, Probefahrten für Gäste oder Mitfahraktionen für Kinder im CargoBike – so ließe sich eine echte Verbindung zwischen Museumsfest und ADFC-Aktion schaffen. Beide Seiten würden neue Zielgruppen erreichen und mehr Aufmerksamkeit bekommen, und die Besucher hätten das Gefühl, Teil eines gemeinsamen Festes zu sein statt zwischen zwei Angeboten hin- und herzupendeln.
Dass auf dem Gelände mehr möglich ist, zeigte schon die ursprünglich angekündigte „Rollkultur“ mit Skaterparcours. Bewegung, Industriekultur, Familienprogramm, Fahrradkultur, Spielplatz und Mitmachangebote könnten zusammen ein wirklich starkes Format ergeben.
Der Tag auf der Henrichshütte war gut besucht, freundlich, lebendig und reich an schönen Momenten. Aber er hat auch gezeigt: Hier schlummert noch viel Potenzial – beim nächsten Mal müsste man es nur besser miteinander verbinden.



















































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