Eine andere Welt – und genau deshalb sehenswert

5. Hattinger Musiktage (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
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Hattingen – Drei Tage Musik, 28 Gruppen, mehr als 700 Musiker und jede Menge Freundschaften: Die fünften Hattinger Musiktage am Holschentor zeigten am Wochenende, dass hier längst mehr entstanden ist als ein Treffen von Fanfarenzügen und Musikvereinen.

Freitagabend ging es noch vergleichsweise gemütlich los. BBC eröffnete traditionell die Hattinger Musiktage am Holschentor. Was danach am Samstag und Sonntag folgte, hatte mit einem kleinen Musikfest allerdings nicht mehr viel zu tun. Insgesamt 28 Gruppen nahmen an den fünften Hattinger Musiktagen teil, mehr als 700 Musiker waren nach Angaben der Veranstalter dabei. Und wer sich fragt, warum ein solches Treffen diesen Zulauf hat, findet die Antwort nicht nur auf der Bühne.

Viele der Gruppen haben sich bei Veranstaltungen wie den Hattinger Musiktagen kennengelernt. Man besucht sich gegenseitig, tritt gemeinsam auf und aus Bekanntschaften sind über die Jahre Freundschaften entstanden. Das sieht man auch an einer kleinen Tradition: Wer zu Gast ist, kommt nicht unbedingt mit leeren Händen. Präsentkörbe und andere Gastgeschenke wechseln die Besitzer.

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Die Hattinger hatten sich für ihre Gäste in diesem Jahr etwas ganz Eigenes ausgedacht: Ein kleines Fünf-Liter-Fass Bier gab es für die Heimreise mit auf den Weg.

Wobei diese Heimreise organisatorisch durchaus eine Herausforderung ist. Rund 20 der teilnehmenden Gruppen reisten am jeweiligen Veranstaltungstag wieder ab. Da kommen schnell mehrere Pkw, Kleinbusse und Anhänger zusammen. Schließlich lässt sich eine Trommel schlecht zusammenfalten und platzsparend im Handschuhfach verstauen.

Acht Gruppen blieben dagegen über Nacht in Hattingen. Untergebracht wurden die Gäste unter anderem in Räumen der Kirchengemeinde, in der Ideenschmiede und bei Vereinsmitgliedern. Am Morgen traf man sich zum gemeinsamen großen Frühstück, bevor es wieder musikalisch wurde.

Hinter diesem Aufwand steht kein großer professioneller Veranstalter. Organisiert werden die Hattinger Musiktage vom Fanfarencorps der Karnevalsfreunde Hattingen/Bochum. Der Verein zählt rund 60 Mitglieder, davon etwa 30 Aktive – und genau diese stemmen die Veranstaltung.

„Nach der Veranstaltung ist vor der nächsten Veranstaltung“, bringt Präsident und Pressesprecher Dirk Komorowski den Aufwand auf den Punkt. Kaum sind die fünften Musiktage beendet, beginnt bereits die Vorbereitung für Nummer sechs. Einladungen müssen geschrieben, Kontakte gepflegt und andere Vereine besucht werden. Gerade diese gegenseitigen Besuche seien ein Grund dafür, dass die Hattinger Musiktage in den vergangenen Jahren so stark gewachsen sind.

Denn gewachsen ist die Veranstaltung deutlich. Was vor fünf Jahren begann, ist mittlerweile ein großes Treffen der Szene geworden. Dazu gehörte am Sonntag erneut der Flohmarkt, der sich bis in den Hillschen Garten erstreckte. Der Zuspruch dort blieb diesmal allerdings etwas hinter dem vergangenen Jahr zurück – möglicherweise spielte auch das wechselhafte Wetter des Wochenendes eine Rolle.

Man muss diese Musik nicht lieben

Und vielleicht gehört noch etwas zu den Hattinger Musiktagen, das sich schlecht in Besucherzahlen ausdrücken lässt.

Das hier ist keine Mainstreamveranstaltung und keine musikalische Schmuseunterhaltung, bei der automatisch jeder mitschunkelt. Fanfaren, Trommeln und Schlagwerk können gewaltig laut werden. Wer zum ersten Mal unmittelbar vor einem solchen Klangkörper steht, dürfte durchaus überrascht sein, welche Wucht ohne riesige PA-Anlage entstehen kann.

Man kann diese Musik mögen. Man muss es aber nicht.

Auch für den Ruhrkanal ist das musikalisch eine andere Welt. Aber gerade deshalb lohnt es sich, hineinzuschauen. Niemand zwingt uns, über die Hattinger Musiktage zu berichten. Wir tun es, weil dort etwas passiert, das weit über den persönlichen Musikgeschmack hinausgeht.

Drei Tage lang konnte man Menschen beobachten, die mit Begeisterung gemeinsam Musik machten, miteinander feierten und Gäste willkommen hießen. Vom Kindergartenalter bis zum Rentenalter standen Generationen nebeneinander. Vereine aus unterschiedlichen Orten besuchten sich, machten gemeinsam Musik und aus diesen Begegnungen entstanden Freundschaften.

Freundlich, zuvorkommend, tolerant und offen ging es dabei zu.

Vielleicht ist genau das die Geschichte der Hattinger Musiktage: Man muss nicht alles selbst mögen, um anzuerkennen, dass es anderen Menschen etwas bedeutet. Und manchmal lohnt es sich sogar, für ein Wochenende in eine Welt einzutauchen, die mit dem eigenen Alltag überhaupt nichts zu tun hat.

Sie ist anders. Aber deshalb noch lange nicht schlecht.

Auch auf RuhrkanalNEWS:
Hattinger Musiktage starten mit BBC ins Wochenende
Kommentar: Warum die Hattinger Musiktage und ihre Spielmannszüge mehr Applaus als Häme verdienen

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