EIN VERSPRECHEN AUF DEN FRÜHLINGSANFANG UND LAUE SOMMERNÄCHTE

Der RuhrkanalNEWS-Kommentar (Grafik: RuhrkanalNEWS)

Am letzten Märzwochenende werden wieder die Uhren vorgestellt. Wie jedes Mal ist es auch 2024 Grund genug für Diskussionen über den Sinn und Unsinn dieser Maßnahme. „Einfach locker bleiben!“ ist die Haltung von RuhrkanalNEWS-Redakteur Frank Strohdiek.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Ich finde den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit super. Das kann ich ganz am Anfang dieses Kommentars in dieser Eindeutigkeit schreiben. Alle Lesenden wissen also, ob sie sich über den folgenden Text möglicherweise ärgern werden oder ihn mit Zustimmung zur Kenntnis nehmen. Beides wird passieren.

Ich freue mich, dass jetzt die Abende wieder länger hell sind. Morgens um fünf Uhr bin ich selten schon wach und leider in einem Alter, wo ich um diese Zeit auch nicht mehr so oft noch wach bin, weil ich gut gelaunt von einer Party oder aus einem Club nach Hause komme. Abends auf der Terrasse mit meiner Frau zu sitzen, passiert dagegen regelmäßig. Wenn es bei diesen Gelegenheiten länger hell und warm ist, sind wir beide zufrieden. Auch darüber, dass das Grillgut ohne Taschenlampe gut zu erkennen und auf den Gargrad zu prüfen ist.

Zur Wahrheit gehört in diesem Zusammenhang, dass in meiner Familie niemand mit Schlafproblemen zu kämpfen hat. Wir gehen nach der jeweiligen Umstellung einfach mit Blick auf die Uhr schlafen, selbst wenn das mal eine gefühlte Stunde zu früh, mal eine gefühlte Stunde zu spät ist. Nach spätestens zwei Tagen sind unsere inneren Uhren mit der Sommer- oder Winterzeit synchron. Bevor jetzt die ersten Beschwerden kommen, sachlich richtig meine ich selbstverständlich die „Mitteleuropäische Sommerzeit“ (MESZ) und die „Mitteleuropäische Zeit“ (MEZ).

Der Frühling ist da (Symbolbild: RuhrkanalNEWS)

Gerne wird von Gegnern und Gegnerinnen der Zeitumstellungen auf eine nicht-repräsentative Umfrage der Europäischen Union verwiesen. Sie fand 2018 online statt, es beteiligen sich rund 4,6 Millionen Menschen. (Zur Einordnung: Heute, ohne Großbritannien, hat die EU etwa 450 Millionen Einwohnende.) Das war die bis dahin mit Abstand teilnehmerstärkste Online-EU-Umfrage. Im Nachgang wurde Kritik daran laut, dass rund 70 % der Teilnehmenden aus Deutschland kamen. Außerdem hatte sich der Link wohl vor allem in den Kreisen der Umstellungsgegner:innen verbreitet. Bei der Umfrage sprachen sich damals etwa 80 % gegen den Wechsel von Sommer- zu Winterzeit und wieder zurück aus. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte daraufhin, dass die Zeitumstellungen gestoppt werden würden.

Das EU-Parlament hat sich im Nachgang mit dem Thema beschäftigt. Dabei zeigte sich, innerhalb der verschiedenen Länder gibt es ganz unterschiedliche Ansichten zu dieser Frage. Grob und sprachlich fragwürdig lässt sich zusammenfassend sagen: „Je weiter südlich, desto weniger Umstellungsgegner:innen“. Dann kommt hinzu, dass schon innerhalb Deutschlands die Frage „Dauerhafte Sommerzeit oder ständige Winterzeit?“ die Gruppe in zwei Lager trennt, die die halbjährlichen Wechsel stoppen will. Das EU-Parlament möchte nach Möglichkeit vermeiden, dass es zu einem Zeit-Flickenteppich kommt. Eine komplizierte, verfahrene Situation auf mehreren Ebenen. Eine mit der EU-Wahl kombinierte Befragung zum Thema würde Klarheit darüber verschaffen, was die Mehrheit der Bevölkerung in der EU tatsächlich will. Oder natürlich eine gesondert durchgeführte Wahl.

Oft kommt das Argument, die MEZ solle beibehalten werden, da sie die „natürliche Zeit“ sei. Wenn wir dabei zugrunde legen, dass „natürlich“ in diesem Zusammenhang bedeutet, dass um zwölf Uhr mittags die Sonne am höchsten steht, wird es eng. Denn das ist nur auf dem Längengrad in der Mitte einer Zeitzone der Fall. Die beiden äußersten Enden haben entweder eine halbe Stunde zu früh Mittag oder eine halbe Stunde zu spät. Da wirkt es für mich „natürlicher“, wenn ich im Sommer abends länger das Tageslicht genießen kann und im Winter morgens nicht über Gebühr lange im Dunklen bin.

Ich habe jedenfalls für mich beschlossen, dass ich über die Zeitumstellung nicht mehr groß diskutieren werde. Jedes Jahr im Frühling und im Herbst ist es für einige Tage umstrittenes Thema. Kurze Zeit später sind es dann wieder Gendern, E-Mobilität oder Plastikflaschendeckel, die jetzt fest mit dem Gefäß verbunden sind. Für alles fehlt mir das Empörungspotenzial. Ich sitze dann lieber mit meiner Frau auf der Terrasse und genieße den hellen Abend, den uns die Sommerzeit bietet. Jetzt muss es nur noch etwas wärmer werden. Und etwas weniger regnen als im vergangenen Jahr darf es auch.

2 Kommentare zu "EIN VERSPRECHEN AUF DEN FRÜHLINGSANFANG UND LAUE SOMMERNÄCHTE"

  1. Bernd Loewe | 31. März 2024 um 0:10 |

    So ist es, die rechtlich nicht bindende Kommissionsumfrage ist kein repräsentatives Ergebnis aller Interessen Nord-, West-, Ost-, und Südeuropas.

    Es gäbe eine Lösung, Zeitzonen einzurichten, die weitgehend den Interessen der einzelnen Regionen entspräche. Innerhalb der Zeitzonen gäbe es dann keine Zeitumstellung mehr.

    Aber wie es auch sei, es gibt heutzutage wichtigere Probleme. Ich habe mit der Zeitumstellung auch keine Probleme, genieße ebenfalls die Vorteile des längeren Abend.

  2. Susanne Ader-Gundlach | 31. März 2024 um 7:22 |

    BRAVO !

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.