SEBEL-INTERVIEW: EIN LIED GEHT UM DIE WELT – WENIGSTENS EIN BISSCHEN

Sebastian Niehoff, alias Sebel, im Gespräch mit RuhrkanalNEWS (Foto: RuhrkanalNEWS)

Recklinghausen/Hattingen- Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da hat Sebastian Niehoff, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Sebel, die Idee ein Lied zu schreiben, das notleidende Musiker unterstützen soll. „Zusammenstehen“ lautet der Titel des Werks an dem möglichst viele MusikerInnen mitwirken sollen. Im Gespräch mit dem Künstler in seiner Wohnung, die auch sein Studio und sein Proberaum ist, wird deutlich, wie weit entfernt dieses Lied inzwischen emotional von ihm ist und wieviel es ihm trotzdem noch bedeutet. „Es hat unglaublich viel Kraft gekostet die Produktion zu vollenden und es hat unglaublich viel Kraft gegeben“, erinnert sich Sebel. Er hatte leichtsinnigerweise, in seinem Aufruf sich am Song „Zusammenstehen“ zu beteiligen, versprochen, dass jede Einsendung verwendet wird.

Am Ende kommen aus mindestens zehn Ländern Beiträge, einige Menschen machen sich die Mühe, den Text in ihre Heimatsprache zu übersetzen und zu singen. Über mehrere Wochen ist die Produktion des Videos ein Fulltime-Job, mit zwölf Stunden Arbeitszeit pro Tag. Alle Erlöse spendet Sebel an die Deutsche Orchester Stiftung, die sich als erstes Gedanken darum macht, wie MusikerInnen durch die Corona-Krise kommen können, ohne am Ende finanziell ruiniert zu sein. „Ich habe das Glück, dass ich schon immer mehr Talente hatte, als Musik zu machen. Ich habe in den vergangenen Monaten Fotos und Filme erstellen können“, beschreibt der Künstler seine Situation und macht deutlich, warum er die Einnahmen aus dem Hit spenden konnte. „Viele Kunden haben sich plötzlich, teilweise nach Jahren, gemeldet und mir Aufträge gegeben“. So kommt der Musiker zwar nicht dazu auf Tournee zu gehen oder Live auf der Bühne zu stehen, aber er muss sich auch keine finanziellen Sorgen machen. Außerdem findet er Zeit an einem neuen Album zu arbeiten, das demnächst erscheinen wird und den Titel „Mir reicht´s“ trägt.

Lea Neumann, Frank Strohdiek und Sebastian Niehoff (Sebel) im Interview (Foto: RuhrkanalNEWS)

„Aber natürlich fehlt es mir vor Publikum zu spielen, durch Deutschland zu fahren, zu spät zum Soundcheck zum kommen und nach dem Gig noch mit Leuten um die Häuser zu ziehen“, macht er aus seiner Sehnsucht kein Geheimnis. „Ich habe in den letzten Monaten tagsüber gearbeitet, Musik gemacht, Videos geschnitten und bin abends vor dem Fernseher eingeschlafen“, beschreibt Sebel seine Corona-Beschäftigung. Mit seiner Freundin Inga verbrachte er sehr viel Zeit in der gemeinsamen Wohnung. „Es war etwas ungewohnt, dass wir so oft zusammen waren, aber ich denke, wir sind in Bezug auf unsere Beziehung Corona-Gewinner“, sagt Sebel lächelnd. „Natürlich ist es ein Vorteil, dass die Wohnung sehr groß ist, sodass wir uns auch mal aus dem Weg gehen können und dass wir beide unser Ding machen können.“ Inga besitzt ein Theater in Dortmund, ist Sängerin und Moderatorin. Die beiden haben also beruflich vieles gemeinsam und trotzdem auch genug, was sie unterscheidet.

„Ich bin mir sicher, dass viele Künstler auch nach der Corona-Pandemie wieder auftreten werden. Ich kann nur dazu raten, immer weiter an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten und zu versuchen, sich jeden Tag zu verbessern“, sagt Sebastian Niehoff. „Auch die Figur Sebel war nicht von Anfang an da, wo sie heute ist. Man muss sein Ding einfach durchziehen und sich immer wieder mal fragen, warum möglicherweise nicht so viele Menschen zu den eigenen Auftritten kommen und gegebenenfalls was ändern.“

Sebel spricht im RuhrkanalNEWS-Interview darüber, wie es für ihn während der Corona-Pandemie läuft
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