5 MINUTEN MIT…STEFANIE HÖGENER

Steffi Högener hat den Krebs besiegt und spricht über den Kampf im 5-Minuten-Talk (Foto: Anja Pielorz)

Hattingen/Sprockhövel- „Es ist eine unglaubliche Geschichte. Als Arzt passiert einem so etwas auch nur einmal in seinem Berufsleben“, sagt der Chirurg Dr. Helfried Waleczek, Evangelisches Krankenhaus Hattingen mit Blick auf Stefanie Högener (43). 2004 operierte er die damals 28jährige Sprockhövelerin und befreite sie von einem 51 Zentimeter großen Tumor, acht Kilogramm schwer. In diesem Jahr traf er die gesunde Frau wieder.

Stefanie Högener trägt das Gewicht ihres Tumors, Chirurg Dr. Helfried Waleczek hatte ihn entfernt (Foto: Anja Pielorz)

Versuchen Sie einmal, sieben oder acht PET-Wasserflaschen hochzuheben. Wenn Sie diese Flaschen alle im Arm halten, bekommen Sie eine Vorstellung von dem Gewicht, welches Stefanie Högener mit sich herumschleppte. Bei ihr war es allerdings ein gigantischer Tumor mit einem Gewicht von acht Kilogramm, der ihr nach dem Leben trachtete. Die Sprockhövelerin erinnert sich: „Ich magerte immer mehr ab. Mein Bauchumfang wuchs. Ich konnte mir das überhaupt nicht erklären. Schwanger war ich nicht und ich wusste einfach nicht mehr, was ich machen sollte. Ich ging zum Hausarzt und der überwies mich zu einer Computertomographie (CT) ins Evangelischen Krankenhaus nach Hattingen.“ Bei der Untersuchung zeigte sich auf dem Bildschirm zum Erstaunen der Ärzte nur eines – eine weiße Fläche, keine inneren Organe. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass Darm, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase und Leber zur rechten Seite in die Ecke gedrückt sind. Sie werden verdrängt von einem 51 Zentimeter großen und fast acht Kilogramm schweren Tumor, einem Liposarkom.

Die Überschrift eines Zeitungsartikels ist als Stefanie Högeners Motto auf den Arm tätowiert (Foto: Anja Pielorz)

„In Ihnen wächst etwas, das trachtet Ihnen nach dem Leben“. Das waren die Worte des Chirurgen Dr. Helfried Waleczek, an die sich Stefanie Högener noch gut erinnert. „Ich begriff, dass ich operiert werden musste und das sehr schnell.“ Auch für den erfahrenen Chirurgen ist dieser Eingriff damals kein Pappenstil. „Wir wussten, es handelt sich um ein sehr schweres Liposarkom. Wir müssen immer versuchen, den Tumor in Gänze zu entfernen, umschlossen von gesundem Gewebe. Was wir aber immer erst während der Operation erkennen können ist, wo der Krebs so mit einem Organ verwachsen ist, dass wir ihn nicht einfach lösen können. Bei der Bauchspeicheldrüse beispielsweise klappte die Abtrennung gut, mit einer Niere war er so verwachsen, dass wir die Niere mitentfernen mussten“, so Helfried Waleczek, Chefarzt der Klinik für Gefäß-, Unfall- und Viszeralchirurgie am EvK Hattingen. Noch heute erinnert er sich daran, dass man im Operationssaal auf der Suche nach einem passenden Gefäß war – der Tumor war zu groß und zu schwer und passte schließlich nur in einen Müllsack. Nach der lebensrettenden Operation, die fünf Stunden dauerte, fiel Steffi Högener auf der Intensivstation psychisch in ein tiefes Loch. „Es hat Momente gegeben, da fehlte mir einfach der Lebenswille – obwohl ich den Eingriff den Umständen entsprechend gut überstanden hatte.“ Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen konnte: waren trotz der gelungenen Operation mikroskopische Zellen bereits im Körper unterwegs, um irgendwo Metastasen zu bilden? Doch die junge Frau überwand die körperlichen Probleme. Ihre Familie stand an ihrer Seite – Eltern und Geschwister sorgten für wachsende seelische Stabilität.

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Die junge Frau heiratete. 2008 und 2015 wurden ihre Töchter geboren. Keine einfachen Schwangerschaften nach der schweren Bauchoperation. Von weiteren Schicksalsschlägen blieb Steffi Högener nicht verschont – aufgrund eines Schilddrüsenkarzinoms musste ihr erst in diesem Jahr die Schilddrüse entfernt werden. Aber alle Nachuntersuchungen des Bauchbereiches haben bis heute ergeben: alles gut! Neben ihrem Engagement für den Tierschutz – zwei Hunde aus dem Tierheim leben immer in ihrer Familie – engagiert sich Steffi Högener auch in der Krebshilfe Sprockhövel/Hattingen. „Ich glaube, ich habe durch meine Krankheit gelernt, Empathie und Stärke zu zeigen und das auch zu vermitteln.“

Übrigens: In einem ersten Interview für das Printprodukt IMAGE im Juli entstand die Überschrift „Das Geschenk heißt Leben 2.0.“ Diese Überschrift ziert jetzt als Tattoo den Arm von Steffi Högener.

Stefanie Högener im 5 Minuten Talk mit RuhrkanalNEWS
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