25 JAHRE THERESIA-ALBERS-STIFTUNG

Meinolf Roth, Vorstand der Theresia Albers Stiftung im RuhrkanalNEWS Interview (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Als vor 25 Jahren die Theresia-Albers-Stiftung (TAS) gegründet wird, ist nicht absehbar, welche Dimensionen die Arbeit einnehmen wird. Inzwischen gibt es 860 Beschäftigte, die in sechs Altenpflegeeinrichtungen und einer Einrichtung für Menschen mit geistig-psychischen Behinderungen arbeiten. Die Stiftung geht auf das Leben und Werk der Ordensgründerin Theresia Albers zurück. Sie wird 1872 im Sauerländischen Kirchrarbach geboren, das heute zu Schmallenberg gehört. Ihr Eltern haben sieben eigene Kinder und nehmen zusätzlich noch vier (Halb-)Waisenkinder auf.

Schon als Kind gilt Theresia Albers als besonders gläubig, sie lässt nie den Sonntagsgottesdienst aus und achtet darauf, dass keins ihrer Geschwister sich vor dem Kirchbesuch drückt. Bereits in jungen Jahren fällt sie durch ihre Hilfsbereitschaft auf und ihre Abneigung gegen Lügen und alle Taten die anderen Menschen ernsthaft schaden. Auf der anderen Seite hat sie den Ruf ihren Mitmenschen gerne mal einen Streich zu spielen.

Eigentlich möchte Theresia ins Kloster, als Ordensschwester leben, das lehnt der Vater ab. Sie soll Lehrerin werden, die Ausbildung bekommt sie in Thüringen, anschließend arbeitet sie erst als Erzieherin und Privatlehrerin, bevor sie in ein Waisenhaus wechselt. Dort wird eine weitere Gabe sichtbar: Theresia Albers kann Spenden sammeln. Ein Talent, das ihr auch in Dortmund in einem Heim für „schwachbegabte“ Mädchen zugute kommt. Sie gründete den Verein der Schwestern vom göttlichen Kinderfreund, um der das Wohnheim betreibt.

Zu Zeiten des Dritten Reichs können Theresia Albers und ihre Mitstreiterinnen nicht verhindern, dass die Bewohnerinnen des Heims zwangssterilisiert werden. Inzwischen wohnen 40 Mädchen in dem von ihr gegründetet Antoniusheim. Keins von ihnen wird von den Nazis aus dem Heim verschleppt und im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ ermordet. Dies wird allgemein auf das geschickte Handeln von Theresia Albers zurückgeführt.

1962 wandelte der frühere Weihbischof von Paderborn, ab 1. Januar 1958 Bischof des neu errichteten Ruhrbistums Essen, Franz Hengsbach, den Verein der Schwestern vom göttlichen Kinderfreund in eine Kongregation bischöflichen Rechts mit eigenen Gelübden um. Doch im Laufe der Zeit nimmt die Zahl der Ordensschwestern mehr und mehr ab. Sie können die selbstgestellten Aufgaben in den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr erfüllen. Das Altenheim St. Josef und das Haus Theresia in Bredenscheid werden daraufhin in eine Stiftung überführt.

Schwere Aufgaben in Corona-Zeiten

Die Theresia-Albers-Stiftung ist2020 in den Medien sehr präsent. Allerdings anders, als es kurz vor dem 25 jährigen Jubiläum erwartet wird. Im Altenheim St. Josef erkranken viele Bewohnerinnen und Bewohner sowie einige Mitarbeitenden an Corona. Plötzlich gilt das Haus mit etwas mehr als 100 Bewohnenden als Hotspot. Die Situation ist für alle Beteiligten sehr belastend. „Plötzlich durften Angehörige nicht mehr zu Besuch kommen, mehrere Bewohner starben an der neuen, heimtückischen Krankheit“, berichtet Meinolf Roth, Vorstand der TAS. „Aber wir sagen auch ganz deutlich, niemand ist vereinsamt und niemand ist alleine gestorben. Wir haben immer Wege gefunden, die es ermöglichte, dass in den letzten Stunden Angehörige am Sterbebett sein konnten.“

Meinolf Roth, Vorstand der Theresia-Albers-Stifung im RuhrkanalNEWS-Interview

Inzwischen sind alle Bewohner des Altenheims geimpft, lediglich Menschen die neu eingezogen sind, warten möglicherweise noch auf den zweiten Termin. Es ist so etwas wie Normalität zurückgekehrt, auch wenn bis heute Besucher getestet werden und ihre Kontaktdaten hinterlassen müssen. „Die meisten haben Verständnis dafür, dass die Mitarbeitenden so handeln und vorgehen müssen“, sagt Meinolf Roth. „Aber es gab auch Angehörige, die haben beschimpft und bedroht. Auch das war eine enorme Belastung für die Beschäftigten der TAS.“ Und im Anschluss rechnet Meinolf Roth vor, dass im Extremfall bis zu 400 Tests am Tag hätten durchgeführt werden müssen.

Die Belastung ist so groß, dass die TAS zu Spitzenzeiten externe Pflegedienste und andere Unterstützung verpflichtet, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. „Trotzdem schieben einige Mitarbeitende Überstunden vor sich her, mit denen können sie wahrscheinlich ab November bis zum Jahresende zuhause bleiben.“ Die größte Hoffnung liegt auch einer hoffentlich bald erfolgenden Bestätigung, nach der Geimpfte nicht mehr ansteckend sind. Dann könnte die Arbeit in den verschiedenen Häusern der TAS wieder deutlich „normaler“ werden.

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