Hattingen – Es gibt Veranstaltungen, bei denen man schon vor dem offiziellen Start merkt: Das wird heute nicht nur ein Termin, das wird ein Treffpunkt. Beim Blumen- und Kräutermarkt der hwg, am 29. April 2026, war genau das der Fall. Die ersten Besucherinnen und Besucher standen bereits am Stand, als der eigentliche Startschuss noch gar nicht gefallen war. Die Johanniskirche hatte den Grill da längst vorgeheizt, zahlreiche Kaffeekannen waren gefüllt, und mehrere Bleche Quark-Schmandkuchen warteten geduldig auf hungrige Gäste. Geduldig mussten sie allerdings nicht lange warten.
Alles war vorbereitet, alles war aufgebaut, alles griff ineinander. Pflanzen, Kräuter, Säcke mit torffreier Blumenerde, Kaffee, Kuchen, Bratwurst – und dazwischen ein Team, das genau wusste, was zu tun war. Die hwg organisiert den Blumen- und Kräutermarkt jedes Jahr für ihre Mieterinnen und Mieter in Holthausen, Rauendahl und in der Südstadt. Zur Pflanzzeit sollen Balkone, Terrassen und Vorgärten wieder Farbe bekommen. Dafür sponsert die hwg einen Teil der Aktion, damit die Pflanzen und die Erde günstig abgegeben werden können.
Blumen- und Kräutermarkt der hwg (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)


Und dieses Angebot wurde angenommen. Nicht ein bisschen. Sondern richtig.
Rund 2400 Pflanzen und etwa 400 Säcke torffreie Blumenerde waren in diesem Jahr bestellt worden. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Menge der vorbestellten Blumen und Blumenerde damit fast verdoppelt. 2025 waren es noch rund 1400 Pflanzen und fast 200 Säcke Erde. Das bedeutet nicht nur mehr Farbe für Hattingens Balkone, sondern auch ein deutlich höheres Spendenaufkommen. Denn der Erlös der Verkaufsaktion geht wieder an gemeinnützige Organisationen.
Aber wer glaubt, es sei an diesem Tag nur um Pflanzen gegangen, hat den eigentlichen Sinn dieser kleinen Tradition nicht verstanden.
Die Sitzbänke waren schnell belegt. Wer sich setzte, blieb selten lange allein. Es wurde Kaffee getrunken, Kuchen gegessen, geklönt, gequatscht und gelacht. Die neuesten Nachrichten machten die Runde. Nicht als Push-Mitteilung, nicht mit Emoji, nicht als Sprachnachricht, die man zwischen zwei Terminen abhört. Sondern ganz altmodisch und deshalb plötzlich wieder ziemlich modern: von Angesicht zu Angesicht.
Dieser Blumenmarkt war für ein paar Stunden so etwas wie eine WhatsApp-Gruppe ohne Smartphone. Eine, die nur funktioniert, wenn man sich gegenübersitzt. Mit echter Stimme, echter Mimik, echter Körpersprache. Mit kleinen Pausen, mit Lachen an der richtigen Stelle und mit dem schönen Nebeneffekt, dass man danach nicht nur weiß, welche Geranien gut für den Balkon sind, sondern auch, was in der Nachbarschaft gerade los ist.
Zwischen den Pflanzentischen schoben einige Besucherinnen und Besucher ihre Einkaufskörbe entlang. Andere hatten kleine Karren dabei, die hinterhergezogen wurden. Geholfen wurde überall. Die Säcke mit Blumenerde wurden nicht einfach nur verkauft, sondern bei Bedarf auch ins Auto geladen. Hände packten an, Wege wurden freigemacht, Fragen beantwortet. Das perfekt eingespielte Team sorgte für einen reibungslosen Ablauf, ohne dass es dabei hektisch wurde. Es wirkte eher so, als hätte jeder Handgriff schon vorher gewusst, wohin er gehört.
Blumen- und Kräutermarkt der hwg (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)


Auch kulinarisch passte alles zusammen. In Rauendahl gab es Waffeln, an der Johanniskirche Bratwürstchen vom Grill, dazu Kaffee und Kuchen. Es war diese Mischung, die den Blumen- und Kräutermarkt ausmacht: ein praktisches Angebot für Mieterinnen und Mieter, ein Beitrag zu mehr Grün in den Stadtteilen und gleichzeitig ein kleines Nachbarschaftsfest.
So wurden an diesem Tag nicht nur Pflanzen und Erde gekauft. Es wurde geredet, gegessen, geholfen und gelacht. Balkone werden in den kommenden Tagen bepflanzt, Kräuter finden ihren Platz in Töpfen und Kästen, vielleicht landet bald die erste frische Minze im Tee oder der Basilikum auf den Tomaten.
Und irgendwo zwischen Geranien, Blumenerde, Bratwurstduft und Quark-Schmandkuchen wurde wieder einmal deutlich: Manchmal braucht es gar nicht viel, damit ein Stadtteil aufblüht. Ein paar Pflanzen reichen. Ein paar Bänke. Ein heißer Kaffee. Und Menschen, die sich begegnen.




























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