WENN KINDER NICHT LERNEN WOLLEN

Veranstaltungsort Altes Rathaus (Foto: Stadt Hattingen)

Hattingen- Eines ist Referentin beim Elterntreff vom Bündnis für Familie, Anna Wohl vom Institut für Diagnostik und Lerntraining (I.D.L.) in Hattingen, wichtig: Die Gültigkeit des Spruches der Pädagogin Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Denn Kinder sollen angelernt werden, eigenverantwortlich und selbstbewusst zu agieren. Das selbständige Erledigen der Aufgaben fördert die Lernmotivation. „Hausaufgaben haben den Sinn, das Gelernte zu vertiefen und sind eine wichtige Rückmeldung für den Lehrer. Sie dürfen Fehler enthalten, denn nur auf dieser Basis bilden sie wirklich das ab, was der Schüler verstanden hat. Das sollten sie auch ihrem Kind erklären, damit es weiß, warum Hausaufgaben wirklich wichtig sind.“

Gerade der Motivation kommt dabei eine große Bedeutung zu. Dabei unterscheiden Experten zwischen der Motivation aus sich selbst heraus (intrinsisch) und einer solchen, die von außen kommt (extrinsisch). Kinder sind wissbegierig und neugierig. Wenn sie Spaß an etwas haben, sind sie aus sich heraus motiviert. Das aber ist selbstverständlich – wie bei uns Erwachsenen auch – nicht immer der Fall. Dann kommt der Motivation von außen eine große Bedeutung zu. Das kann ein festgelegtes Ziel sein, welches es zu erreichen gilt. Es kann aber auch mit der Erfüllung eines Wunsches zusammenhängen. Auch der Wettbewerb, das Vergleichen mit anderen, gehört in den Bereich der Motivation. Damit Kinder die Bereitschaft zeigen, auch arbeitsintensive Aufgaben konsequent in Angriff zu nehmen, müssen ihre wichtigsten Grundbedürfnisse erfüllt werden:

Dazu gehören Essen, Schlaf und Erholung, aber auch soziale Sicherheit und Stabilität. Feste Strukturen sind wichtig – ebenso wie das Gefühl der Anerkennung. So sollten sich Eltern immer fragen, ob diese Bedingungen vorhanden sind. Überforderung, zu wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder auch die gemachte Erfahrung, nur bei den Hausaufgaben die volle Aufmerksamkeit des Elternteils zu haben, können dazu führen, dass die Lernmotivation fehlt oder nur gering ausgeprägt ist.

Schaffen Sie also als Elternteil zunächst einmal die passenden Voraussetzungen! Vermeiden Sie Unterbrechungen oder Ablenkungen und reden Sie nicht so viel mit dem Kind, während es eine Aufgabe erledigen soll. Verlangen Sie nicht zwei Dinge gleichzeitig. Wenn das Kind gerade an einer Rechenaufgabe herumknobelt, dann muss es nicht auch noch gerade sitzen. Schreiben Sie nicht für ihr Kind! Lassen Sie es selbst schreiben und halten sie ihm nicht die Fehler vor. Der Ton macht die Musik und gerade die Formulierungen der Erwachsenen sind maßgeblich für das kindliche Leistungs- und Lernverhalten.

Dabei dürfen die Eltern ruhig auch mal experimentieren. „Wenn ein Kind nach der Schule eine Zeit für sich braucht oder erst spielen möchte und die Hausaufgaben später erledigen will, dann darf man das für einen bestimmten Zeitraum ruhig ausprobieren. Klappt das, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, dann muss man eine andere Struktur finden, kann dem Kind aber sagen, du hast es ja selbst ausprobiert und gesehen, dass es nicht funktioniert. In der Regel wird das auch akzeptiert.“

Regelmäßige Zeiten, Lernatmosphäre, ritualisierte Abläufe, realistische Einschätzung der zu leistenden Arbeit des Kindes und die Tatsache, es selbst zu tun – das ist wichtig. Kinder, denen zu viel abgenommen wird, erhalten das Gefühl, dass Ihnen auch wenig zugetraut wird. Dieses Gefühl überträgt sich auf das Lernen. Beginnen Sie früh damit, Ihrem Kind kleine Aufgaben zu übertragen. Das kann das Aufräumen des Zimmers sein, den Müll herausbringen, die Schultasche selbst packen und Achtsamkeit im Umgang mit Anderen – wenn jemand die schwere Einkaufstasche trägt, halte ich die Tür auf oder wenn jemand telefoniert, rede ich nicht dazwischen und zupfe auch nicht ständig an ihm herum, damit er das Telefonat beendet.

Ganz wichtig ist auch das Lob. Positive Formulierungen und die Freude des Elternteils darüber, wenn die Aufgaben gut erledigt worden sind, motivieren zur weiteren Arbeit. Dabei kommt es nicht nur auf das richtige Ergebnis an, sondern vor allem auf den Versuch, sich mit der Aufgabe auseinanderzusetzen und sie lösen zu wollen. Die geleistete Arbeit zählt!

Und was sind positive Formulierungen??? Hier ein paar Beispiele:

Was sucht Du schon wieder? Besser: Fehlt Dir etwas?

Mach schon! Besser: ich möchte, dass Du jetzt anfängst.

Na ja, wenigstens hast Du Dich angestrengt. Besser: Toll, dass du dir so viel Mühe gegeben hast.

Und noch etwas: Wenn man selbst als Eltern keine Lösung findet, so ist auch ein Gespräch mit dem Lehrer und Experten von der Erziehungsberatung hilfreich.

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