Hattingen – Montagabend (2. März 2026), kurz nach 20.30 Uhr, an einer Tankstelle auf der Marxstraße: Hupen, Rufe, genervte Autofahrer – und dazwischen aber auch freundliche Gesten, wenn jemand einem anderen Fahrer den Vortritt lässt. Doch die Szene, die sich hier abspielt, ist alles andere als alltäglich. Der Andrang an den Zapfsäulen ist enorm, schließlich zeigt die Anzeige z.B. einen „günstigen“ Dieselpreis. In zweiter Reihe stehen Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange, der Verkehr staut sich zurück bis auf die Fahrbahn. Grund für das ungewöhnliche Gedränge: Ausgerechnet jetzt ist an der Tankstelle der Kraftstoff ausgegangen.
Von 30.000 auf 500 Liter
„Wir haben für jede Spritsorte einen 30.000-Liter-Tank, die heute Morgen alle randvoll waren. Jetzt sind nur noch rund 500 Liter drin, da können die Pumpen nicht mehr fördern“, erklärt der sichtlich gestresste Tankwart zwischen zwei Telefonaten. Mit der freien Hand versucht er, die immer größer werdende Zahl von Kunden zu dirigieren. Doch viele übersehen das hastig angebrachte Schild mit der Aufschrift „Diesel und E10 leer“.
Trotz des günstigen Dieselpreises von 1,68 Euro – oder vielleicht gerade deswegen – wollen viele Autofahrer noch schnell volltanken. Einige warten geduldig, andere verlieren zunehmend die Nerven. Immer wieder ertönt ein vielstimmiges Hupkonzert, das selbst den Tankwart übertönt.
Chaos an den Zapfsäulen auf der Marxstraße © Fotos RuhrkanalNEWS





Michael Heise, Vorsitzender des Stadtsportbundes Hattingen, steht bereits länger an einer Zapfsäule. Mit einem sarkastischen Lächeln sagt er: „Alles leer – kommt einfach nix mehr.“ Während er spricht, steigt der Dieselpreis auf der Anzeigetafel auf 1,72 Euro. Heise schüttelt den Kopf. „Ich will eigentlich in den Winterurlaub fahren. Mal sehen, wo ich noch Sprit bekomme.“ Aus seiner Zapfpistole tropfen nur noch die letzten Reste.
Vor der Tankstelle wächst die Autoschlange weiter. Einige Fahrer versuchen, sich an wartenden Fahrzeugen vorbeizuschlängeln, andere blockieren notgedrungen den fließenden Verkehr. Während der Dieselpreis auf 3 Cent nach oben springt wird ein weiteres Schild nach draußen gestellt: „Super leer.“
So bleibt der Tankwart an diesem Abend nicht nur ohne Kraftstoff, sondern auch ohne Ruhe. Wann die nächste Lieferung kommt, war am Abend noch unklar. Sicher ist nur: Die Geduld vieler Hattinger Autofahrer ist längst aufgebraucht.


























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