Sommerleseclub: Erst Bücher, dann Schlangen und am Ende eine Schlange vor der Bühne

120 waren zur Abschlussveranstaltung des Sommerleseclub gekommen .(Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
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Hattingen – 233 Teilnehmer, 1.084 gelesene oder gehörte Geschichten und 152 erfolgreiche Abschlüsse: Das sind die Zahlen des Hattinger Sommerleseclubs 2026. Zahlen, die sich sehen lassen können. Noch schöner war allerdings das, was sich bei der Abschlussveranstaltung am Donnerstag (10. September 2026) im Reschop Carré nicht in Zahlen ausdrücken ließ: neugierige und strahlende Kinderaugen und jede Menge Begeisterung.

Seit 22 Jahren gehört der Sommerleseclub in Hattingen inzwischen zu den Sommerferien. Vom 9. Juli bis zum 4. September 2026 wurde gelesen, gehört, gebastelt und ausprobiert. Mindestens drei Stempel waren nötig, um den Sommerleseclub erfolgreich abzuschließen. 152 Teilnehmer schafften das, 120 Kinder und Jugendliche waren zur Abschlussfeier gekommen.

Und wer beim Thema Lesen noch das alte Klischee vom stillen Bücherwurm mit dicker Hornbrille im Kopf hat, hätte an diesem Nachmittag vermutlich sein Bild korrigieren müssen. Die Kinder waren mit Feuer und Flamme dabei, neugierig auf alles, was noch kommen würde.

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Das zeigte sich spätestens beim Überraschungsgast. Martin Maschka von der Wildnisschule Ruhrgebiet war gekommen – und einige Kinder kannten ihn bereits. Damit war auch schnell klar, was sich wohl unter den Decken in den mitgebrachten Boxen verbarg.

Schlangen. Was sonst?

Und obwohl viele der jungen Besucher Schlangen nicht zum ersten Mal aus nächster Nähe sahen, scheint diese Begegnung nichts von ihrer Faszination zu verlieren. Anschauen, vorsichtig berühren, Fragen stellen – plötzlich waren die Bücher für einen Moment Nebensache.

Dabei hatten die Kinder in den vergangenen Wochen reichlich gelesen. Insgesamt kamen 1.084 Geschichten in Form von Büchern und Hörbüchern zusammen. Einige Teilnehmer schafften mehr als 20 Bücher, ein Kind sogar 35. Dazu kamen elf Bastel- und Spielaktionen. Es wurden unter anderem Armbänder und Lesezeichen gebastelt, Zauberwürfel gelöst und mit Pixelsteinen eigene Welten gebaut.

Abschlussveranstltung Sommerleseclub. (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Eine wichtige Rolle spielten auch die Logbücher. Darin hielten die Teilnehmer fest, was sie während des Sommerleseclubs gelesen und erlebt hatten. Es wurde geschrieben, gemalt, geklebt und gestaltet. Das Team der Stadtbibliothek schaute sich jedes einzelne Logbuch an und zeichnete besondere Arbeiten aus. Preise gab es unter anderem für das schönste Logbuch, den kreativsten Teamnamen sowie Kreativleistungen von Einzelteilnehmern und Teams.

Dass Lesen längst nicht mehr nur allein stattfindet, zeigen auch die Zahlen: 48 Teams mit insgesamt 75 Teilnehmern gingen gemeinsam an den Start.

Der 1. Stellvertretende Bürgermeister Rainer Sommer erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Lesen weit über Geschichten und Abenteuer hinausgeht. Wer lesen könne, könne sich informieren, unterschiedliche Quellen nutzen und besser unterscheiden, was richtig ist und wo möglicherweise Unsinn erzählt wird. Vor allem aber könnten Bücher einen überallhin mitnehmen.

Anschließend gehörte die Bühne wieder den Kindern. Alle erfolgreichen Teilnehmer erhielten ihre Urkunden – und irgendwie gelang es schließlich sogar, die große Gruppe für ein gemeinsames Foto zusammenzubekommen.

Ungewöhnlich war in diesem Jahr auch der Ort der Abschlussfeier. Statt eines klassischen Veranstaltungsraumes nutzte die Stadtbibliothek eine leer stehende Ladenfläche im Erdgeschoss des Reschop Carré. Was zunächst nach einer pragmatischen Lösung klingt, erwies sich als ziemlich passende Kulisse: viel Platz, eine Bühne und mittendrin eine Veranstaltung, bei der es ständig etwas zu entdecken gab.

Nur ein Problem hatte die Organisation am Ende: Man war zu früh fertig.

Bis die Eltern ihre Kinder abholen würden, blieb noch ungefähr eine halbe Stunde. Also entstand spontan ein neuer Programmpunkt. Die Frage an die Kinder lautete sinngemäß: Wer kann etwas Besonderes und traut sich, es hier auf der Bühne zu zeigen?

Zunächst wurde ein Witz erzählt. Dann schlug ein Kind ein Rad. Und damit war das Eis gebrochen.

Plötzlich wollten immer mehr Kinder auf die Bühne. Es bildete sich tatsächlich eine Schlange von kleinen Künstlern, die zeigen wollten, was sie können.

Vielleicht war genau das der schönste Abschluss eines Sommerleseclubs. Erst standen Bücher und Geschichten im Mittelpunkt, dann echte Schlangen – und am Ende standen die Kinder selbst Schlange, weil sie unbedingt noch etwas Neues ausprobieren wollten.

Unterstützt wurde der Sommerleseclub von der Volksbank Sprockhövel, dem Duden Institut, Immobilien Stalter und dem Förderverein der Musikschule Hattingen. Das Centermanagement des Reschop Carré stellte die Räumlichkeiten für die Abschlussveranstaltung zur Verfügung. Verantwortlich für den Sommerleseclub ist Daniel Kentsch von der Stadtbibliothek Hattingen, die von Anke Link geleitet wird.

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