Hattingen – Manchmal kann das Wetter sogar zu gut sein. Als der Portugiesische Verein „O Lar“ e.V. am Samstag (27. Juni 2026) um 13 Uhr sein Sommerfest eröffnete, lag die Hitze noch schwer über der Stadt. Für deutsche Verhältnisse war die Uhrzeit völlig in Ordnung, in diesem Jahr erinnerte die Sonne aber eher daran, warum man im Süden Europas die langen Mittagspausen erfunden hat.
So begann das Fest zunächst langsam. Doch als gegen Abend die brennende Sonne hinter den Häusern verschwand, füllte sich der Platz vor dem Vereinsheim. Die Bäume spendeten Schatten, die aufgestellten Zelte taten ihr Übriges. Es war gut besucht, aber nicht überlaufen. Genau diese Mischung machte den besonderen Reiz aus.
Wer ankam, hatte schnell das Gefühl, nicht einfach Gast auf einem Vereinsfest zu sein, sondern in ein kleines Dorf irgendwo im mediterranen Raum geraten zu sein. Jeder kannte jeden. Und wenn nicht, wurde das sofort nachgeholt. Ein portugiesisches Bier stand schnell auf dem Tisch, Empfehlungen aus der Speisekarte wurden ausgesprochen, Gespräche begannen ohne große Anlaufzeit. Ob Stammgast, Vereinsmitglied oder zufällig vorbeigekommen: Bei „O Lar“ dauerte es nicht lange, bis man sich willkommen fühlte.
Den Verein gibt es seit 1971. Damit ist „O Lar“ inzwischen 55 Jahre alt und gehört längst fest zur Hattinger Vereinslandschaft. Rund 100 Mitglieder zählt der Verein. Geöffnet ist normalerweise freitags und samstags ab 17 Uhr. Dann gibt es portugiesische Küche, portugiesische Getränke und vor allem viel Begegnung.
Die Spezialität des Hauses ist Bacalhau, der Stockfisch, der in der portugiesischen Küche eine große Rolle spielt. Beim Sommerfest wurde aber nicht nur portugiesisch aufgetischt. Auch deutsche Spezialitäten gehörten dazu. Gegessen, getrunken, geredet und gelacht wurde quer über alle Tische hinweg.
Auch die Musik passte zum Fest. Portugiesische Klänge sorgten für Stimmung, ohne dass es zu laut oder aufdringlich wurde. Es war eher dieses Grundrauschen eines Sommerabends, bei dem Essen, Musik und Gespräche zusammengehören.
Zum Sommerfest gehört bei „O Lar“ auch eine Tombola. Der Erlös wird gespendet. In diesem Jahr kamen 300 Euro zusammen, der Verein legte weitere 100 Euro dazu. Insgesamt gehen somit 400 Euro an ein Kinderhospiz. Auch das ist Teil des Selbstverständnisses des Vereins: feiern, zusammenkommen und dabei an andere denken.
Neben dem Sommerfest gibt es bei „O Lar“ auch weitere Veranstaltungen im Jahreslauf, darunter ein Oktoberfest und ein Kastanienfest. Doch das Sommerfest bleibt einer der festen Höhepunkte. Es zeigt, was diesen Verein ausmacht: portugiesische Wurzeln, Hattinger Boden und ein offenes Miteinander.
Dass dieses Miteinander funktioniert, sieht man an den Tischen. Dort sitzen Portugiesen, Deutsche, Polen, Italiener und viele andere zusammen. Manche Familien sind schon in der zweiten oder dritten Generation mit dem Verein verbunden. Aus Herkunft wird hier kein Abstand, sondern Gesprächsstoff.
Gerade deshalb war dieser Abend mehr als ein Sommerfest. Er war ein Beispiel dafür, wie unkompliziert Zusammenleben sein kann, wenn Menschen ihre Türen öffnen. Bei „O Lar“ muss man dafür nicht weit reisen. Ein paar Schritte reichen, und für einen Moment fühlt sich Hattingen ziemlich portugiesisch an.


























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