Hattingen – Rund 30 Radfahrer, mehr als 200 Kilometer durch das Ruhrgebiet und eine Botschaft, die unterwegs möglichst viele Menschen erreichen soll: Die Reha-Ratour 2026 ist am Mittwoch (2. September 2026) in Hattingen gestartet. Dabei geht es nicht allein um sportliche Kilometer. Die Teilnehmer wollen auf die Bedeutung von Prävention und Rehabilitation aufmerksam machen – und darauf, wie wichtig beide für Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe und die Rückkehr ins Berufsleben sind.
Zum Auftakt trafen sich die Teilnehmer bei einer Hattinger Rehabilitationseinrichtung, die seit mehr als 30 Jahren in der ambulanten Rehabilitation tätig ist. Heute werden dort auf rund 3.000 Quadratmetern täglich etwa 80 Reha-Patienten betreut. Ein Schwerpunkt liegt darauf, Menschen nach Erkrankungen oder Unfällen wieder fit für ihren beruflichen Alltag zu machen. Ergänzt wird die klassische Rehabilitation durch Präventionsangebote.
Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing (SPD) begrüßte die Teilnehmer zum Start der Tour. Sie machte deutlich, dass Rehabilitation weit mehr bedeutet als medizinische Behandlung. Sie könne Menschen dabei helfen, nach einer Erkrankung oder einem Unfall wieder in ihren Alltag und in das Berufsleben zurückzukehren. Damit leiste sie gleichzeitig einen Beitrag zu gesellschaftlicher Teilhabe und zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit.
Die Reha-Ratour verbindet diese Botschaft ganz bewusst mit Bewegung. Auf den kommenden Etappen lernen die Teilnehmer das Ruhrgebiet vom Fahrradsattel aus kennen. Mehr als 200 Kilometer liegen vor ihnen – vorbei an Sehenswürdigkeiten, Industriekultur und durch eine Region, die für die Organisatoren bestens zum Gedanken der Tour passt: Bewegung und Begegnung gehören hier zusammen.
Eine Rikscha, die in Hattingen längst bekannt ist
Bevor die Teilnehmer selbst in die Pedale traten, durfte die Bürgermeisterin zunächst die Perspektive wechseln und in einer der Rikschas Platz nehmen. Ein Fahrzeug, das in Hattingen und Sprockhövel längst kein unbekannter Anblick mehr ist.
Das Rikscha-Projekt des ADFC entstand vor rund vier Jahren und ist Teil von „Radeln ohne Alter“. Begonnen hatte alles mit Fahrten für Bewohner von Senioreneinrichtungen. Inzwischen ist das Angebot deutlich gewachsen. Auch die Lebenshilfe wird unterstützt, hinzu kommen Sonderfahrten für Menschen, die aufgrund eingeschränkter Mobilität nicht mehr selbst mit dem Fahrrad unterwegs sein können.
Mehr als 25 ehrenamtliche Piloten sind mittlerweile in Hattingen und Sprockhövel aktiv. Rund 160 Einsätze kommen zwischen April und Oktober zusammen. Inzwischen stehen sechs Rikschas zur Verfügung, weitere Partner unterstützen das Projekt.
Und die nächste Rikscha ist bereits in Planung. Für die Anschaffung gibt es nach Angaben der Verantwortlichen eine Förderzusage der Deutschen Postcode Lotterie über rund 14.000 Euro.
Was nüchtern nach Zahlen klingt, hat für die Fahrer einen ganz anderen Wert. Sie erleben unmittelbar, wie viel Freude eine solche Fahrt auslösen kann. Menschen, die selbst nicht mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein können, bekommen wieder die Möglichkeit, Fahrtwind zu spüren, ihre Umgebung zu erleben und unterwegs anderen Menschen zu begegnen.
Damit passte die Rikscha fast perfekt zum Start der Reha-Ratour. Denn auch hier geht es letztlich darum, Mobilität und Teilhabe zu ermöglichen.
„Reha ist für alle da“
Bei der Begrüßung wurde aber auch deutlich, dass die Tour einen ernsten Hintergrund hat. Vertreter der Rehabilitation warnten vor Veränderungen der Versorgungsstrukturen und davor, Rehabilitation künftig zu stark zu zentralisieren oder zu pauschalisieren. Gerade die Versorgung vor Ort und individuell auf den einzelnen Menschen zugeschnittene Angebote seien eine Stärke der bestehenden Strukturen.
Die Botschaft der Tour wurde deshalb sehr einfach zusammengefasst: „Reha ist für alle da und Reha ist wichtig.“
Danach wurde es weniger formal. Helme auf, Fahrräder bereitstellen, noch ein paar Hinweise für die gemeinsame Fahrt – und los.
Die Organisatoren erinnerten die Teilnehmer daran, dass die ehemaligen Bahntrassen und Radwege im Ruhrgebiet längst nicht nur Radfahrern gehören. Fußgänger, Hunde und E-Scooter sorgen dafür, dass unterwegs Aufmerksamkeit gefragt ist. Gefahren wird gemeinsam, unabhängig davon, ob jemand ausschließlich mit Muskelkraft oder mit elektrischer Unterstützung unterwegs ist.
Gerade das gehört zum Konzept. Unterschiedliches Alter, unterschiedliche Kondition und unterschiedliche Fahrräder – aber ein gemeinsamer Weg und ein gemeinsames Ziel.
Mit einem herzlichen „Glück auf“ setzte sich die Reha-Ratour 2026 schließlich in Hattingen in Bewegung. Vor den Teilnehmern liegen in den kommenden Tagen mehr als 200 Kilometer Ruhrgebiet.


























Kommentar hinterlassen zu "Reha-Radtour startet in Hattingen: Mit Muskelkraft für Rehabilitation und Teilhabe"