ORTSUMGEHUNG L70N WEITERHIN NICHT NUTZBAR

Ortsumgehung Glückauf-Allee: Nur für zwei Tage sah es nach freier Fahrt aus, dann wurden die vergessenen Schilder von Straßen-NRW wieder aufgestellt, die nur eine Durchfahrt bis zum Parkplatz beinhalten. (Foto: Höffken)

Sprockhövel – Die L70n, die Ortsumgehung in Niedersprockhövel, ist zwar straßenmäßig fertiggestellt, darf aber auch weiterhin nicht vollständig befahren werden.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Für viele Bürgerinnen und Bürger ist es einfach nicht zu verstehen. Die Straße ist seit Wochen fertig, die Markierungen sind aufgetragen. Die Verkehrsschilder auf der Haßlinghauser Straße sind auch montiert, eigentlich spricht nichts gegen die sofortige Freigabe der Straße.

Bisher wurde als Argument vom Landesbetrieb StraßenNRW angeführt, dass erst die noch fehlende Brücke montiert werden muss.

Ortsumgehung Glückauf-Allee: Die Brücke über die L70n soll im September/Oktober 2023 aufgebaut werden. (Foto: Höffken)

Liefer- und Produktionsverzögerungen waren dann der Grund, warum die Brückenlager erst in der zweiten Septemberhälfte montiert werden sollen. Danach würde dann, so Pressesprecher Andreas Berg von Straßen NRW, der Stahlüberbau eingehoben und restliche Anpassungsarbeiten am Geländer der Brücke müssten zusätzlich erfolgen.

Mängel am Regenrückhaltebecken

Jetzt gibt es weitere Hindernisse. Wie ruhrkanalNEWS von Straßen-NRW erfuhr, wurden Mängel am Regenrückhaltebecken festgestellt, deren Beseitigung von der ausführenden Firma ab Mitte September (2023) erfolgen soll. Insbesondere müssten Mängel am Leichtflüssigkeitsabscheider behoben werden.

Ortsumgehung Glückauf-Allee: Auch nach dem sehr starken Regen am letzten Freitag (25. August 2023) konnten die Wassermassen der L70n problemlos aufgenommen werden, wie man sieht. (Foto: Höffken)

Somit wäre erst Ende Oktober mit der Fertigstellung der L70n zu rechnen. Und dann könnte es ja noch ein weiteres “Problemchen” geben. Die Straßenschilder mit dem Namen der Straße fehlen auch noch. Glückauf-Allee soll diese heißen. Nach Auskunft der Stadtverwaltung sei dafür der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig, dieser wiederum erklärte unserer Redaktion, für Straßen-NRW hieße die Straße weiterhin L70n und es sei Sache der Stadt Sprockhövel, die Schilder mit dem Straßennamen aufzustellen. Ob dieses die Inbetriebnahme weiterhin verzögert?

Freigabe für die Dauer des Stadtfestes bleibt fraglich

Der Vorsitzende des Ausschusses Stadtentwicklung und Denkmalschutz, Alexander Karsten (Bündnis90/Grüne), engagiert sich seit Monaten u.a. dafür, die zügige Freigabe der L70n zu erreichen. Auf seine Initiative hin wurde Oliver Krischer, NRW-Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr über den Sachverhalt informiert und dieser veranlasste dann seine Fachabteilung, ihn mit dem aktuellen Sachstand vertraut zu machen. Das Ergebnis wird kommende Woche erwartet.

„Gerade vor dem dreitägigen Stadtfest vom 8. bis 10. September wäre es hilfreich und sinnvoll, den gesamten Verkehr, insbesondere den Schwerlastverkehr über die neue Glückauf-Allee umzuleiten“, sagte Alexander Karsten zu ruhrkanalNEWS. Eine Umleitung über die Eickerstraße ist für die Fußgänger und Schulkinder auf dem dortigen schmalen Hochbankett/Bürgersteig nicht ungefährlich, insbesondere wenn dort auch der Schwerlastverkehr herfährt.

Ökologische Kompensationsmaßnahmen noch nicht realisiert – 70 Bäume fehlen auch noch

Die Sprockhöveler SPD-Fraktion hatte die Stadtverwaltung Mitte Juli 2023 gebeten, einen Sachstandsbericht zu den von Straßen-NRW zugesagten und geplanten ökologischen Kompensationsmaßnahmen abzugeben. In der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Verkehr, öffentliche Sicherheit und Ordnung am 06.09.2023 nimmt die Verwaltung nach Rücksprache mit dem Landesbetrieb Straßen-NRW dazu wie folgt Stellung:

“Derzeit steht der Landesbetrieb Straßenbau mit mehreren privaten Grundstückseigentümern in Kaufverhandlungen, um die geplanten Kompensationsmaßnahmen umsetzen zu können. Da aber, anders als bei der Trasse der L70n, die Flächen für die Kompensation durch die Planung nicht abschließend festgesetzt werden können, ist der Landesbetrieb mit der Umsetzung der Maßnahmen von der Verkaufsbereitschaft der Grundstückseigentümer abhängig. Kommt ein Grundstückskauf nicht zustande, muss eine andere Ausgleichsfläche gefunden und mit den zuständigen Umweltbehörden abgestimmt werden. Diese Verhandlungen und Abstimmungen finden derzeit statt, so dass in möglichst absehbarer Zeit die Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen stattfinden kann”.

Für den Ausschuss-Vorsitzenden Alexander Karsten (Bündnis90/Grüne) ist diese Antwort von Straßen NRW nicht zufriedenstellend, zumal die Planung jetzt schon 5 Jahre andauert und Zusagen vom Baubeginn nicht zeitgemäß eingehalten wurden. Insbesondere bedauerlich, falls die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen gar nicht in Sprockhövel, sonders irgendwo anders realisiert werden sollten.

Ortsumgehung Glückauf-Allee: Am 19. Dezember 2018 erfolgte der symbolisch erste Spatenstich für die Ortsumgehung L70n, mit dem damaligen NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, der heute NRW-Ministerpräsident ist. (Archiv-Foto: Höffken)

Zur Erinnerung:

Am 19.12.2018 erfolgte im Beisein des damaligen NRW-Verkehrsministers Hendrik Wüst der symbolisch erste Spatenstich für die Ortsumgehung L70n, mit deren Bau dann Anfang 2019 durch Errichtung des neuen Kreisverkehrs begonnen wurde. Ziel war es, den Ortskern von Niedersprockhövel von täglich rund 13.500 Autos zu entlasten.

Damals hieß es, dass das Land NRW knapp 4,3 Millionen Euro in die Hand nimmt, um die rund 1.100 Meter lange Ortsumgehung in gut zwei Jahren zu errichten.

Aus den geplanten zwei Jahren sind inzwischen vier Jahre geworden, aus den geplanten 4,3 Millionen werden nach bisherigen Informationen rund 16 Millionen, die für 1.100 Meter lange Straße aus Steuergeldern aufgewendet werden.

8 Kommentare zu "ORTSUMGEHUNG L70N WEITERHIN NICHT NUTZBAR"

  1. Wolfgang Weiss | 27. August 2023 um 20:05 |

    Es wird mit unserem bürokratischen Verhalten unserer Verwaltungen immer schlimmer. Oder ist es schon Unfähigkeit.

  2. Petra Ricciato | 27. August 2023 um 20:11 |

    Diese Ortsumgehung ist von Anfang an ziemlicher Blödsinn gewesen. Kostet einen Haufen Steuergelder und ist völlig überflüssig. Eine Verschandelung der Natur und des Stadtbildes. Man braucht sich nur die ungepflegten Seiten anzusehen.

  3. Helma Stenzel | 27. August 2023 um 21:15 |

    Da sollten die Verantwortlichen auch für den Schaden aufkommen.Die Planung hatte 50Jahre gedauert. Die Eröffnung dauert wahrscheinlich genau so lange. Für das Statfest brauchen ja nur die Absperrungen entfernt werden.Aber einfach können manche Bürokraten ja nicht.

  4. Volker Hagen | 27. August 2023 um 22:15 |

    Dies zeigt mal wieder das unsere Verwaltung mit sich selbst beschäftigt und nicht an Lösungen interessiert ist. Solange man die Verantwortung auf andere schieben kann ist scheinbar alles in Ordnung. Das ist ja mittlerweile Program in Deutschland.

  5. Thomas Kaiser | 28. August 2023 um 6:00 |

    Ist schon wieder normal für Deutschland 2023.

  6. Fleischer | 28. August 2023 um 22:14 |

    Jetzt ist es doch eh zu spät. Die Straße ist Fertig. Warum noch warten,ob noch irgendwelche Genehmigung fehlen ober noch Bäume gepflanzt werden müssen. Seit ich denken kann,ist die Umgehungsstraße ein Thema. Und jetzt ist sie fertig und bleibt gesperrt. Finde den Fehler.

  7. 16 Millionen für 1,1km Straße…
    Die sinnlose Fahrradweg-Brücke wird wahrscheinlich mehr als die Hälfte davon ausmachen.

    Mit dem Geld hätte man eine, nein zwei Schulen bauen können.
    Aber Grüne+SPD haben eben andere Prioritäten…

  8. Ralf Sondermann | 24. September 2023 um 19:17 |

    Wie wäre es eimal mit ein paar Alleebäumen entlang der Glückauf-Allee anstelle des meterhoch wuchernden Wildwuchses? Das wäre doch sicher eine vernünftige Ausgleichsmaßnahme und würde dem Straßennamen zudem einen Sinn geben.

Kommentare sind deaktiviert.