Hattingen – Wenn in Hattingen über die Henrichshütte gesprochen wird, geht es um mehr als Industriegeschichte. Es geht um Arbeit, Würde und Zusammenhalt – Werte, die die Stadt bis heute prägen. Dieses Gefühl war am Freitagabend (13. März 2026) im Obergeschoss der Stadtbibliothek deutlich zu spüren. Zur Eröffnung des MuseumMobil der Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen kamen Politiker, Zeitzeugen, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie viele Hattingerinnen und Hattinger zusammen, die den „Kampf um die Hütte“ nicht vergessen haben.
Im Mittelpunkt des Abends stand eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Hattingen 1987 – Der Kampf um die Henrichshütte“. Schnell wurde deutlich: Die Ereignisse von damals sind fest im Selbstverständnis der Stadt verankert. Es ging um Arbeitergeschichten, kommunalpolitische Weichenstellungen – und um Menschen, die Entscheidungen „von oben“ nicht einfach hinnehmen wollten.
Landrat Jan-Christoph Schaberick (SPD) würdigte Hattingen als ersten Standort des MuseumMobil und hob die Bedeutung industrieller Erinnerungsorte für die Gesellschaft hervor. Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing (SPD) schlug den Bogen in die Gegenwart – der Geist des Hüttenkampfs, so sagte sie sinngemäß, lebe in Hattingen fort.
MuseumMobil bringt den Hüttenkampf zurück in die Stadt © ruhrkanalNEWS (Fotos: Holger Grosz)




Hattingen erinnerte sich
Auch die Gäste auf dem Podium blickten mit Haltung und spürbarer Emotion zurück. Der Widerstand von damals trug viele: Beschäftigte, Familien, Fraueninitiativen, Gewerkschaften und weite Teile der Stadtgesellschaft. Der Kampf um die Hütte war mehr als ein Arbeitskampf – es ging um Heimat, Perspektive und Selbstachtung.
Unter den Gästen waren unter anderem Prof. Dr. Rainer Bovermann (SPD), Mitinitiator des MuseumMobil, und Robert Laube, Leiter des LWL-Museums Henrichshütte. Laube hatte Originalmaterial aus dem Werk dabei – rostiges Eisen, das nach Vergangenheit roch. Greifbare Geschichte, schwer wie die Erinnerung selbst.
Für einen heiteren Moment sorgte eine plötzliche Tonstörung gegen Ende der Diskussion. „Das kam von oben!“, rief jemand aus dem Publikum – und sofort lachte der ganze Saal. Ein typisch Hattinger Augenblick: direkt, solidarisch, mit bewährtem Sinn für Humor.
Das MuseumMobil bringt also weit mehr als nur Exponate mit. Es schafft Raum für Austausch und für die Frage, was vom Geist der neunziger Jahre geblieben ist. Die Antwort dieses Abends fiel eindeutig aus: Der Zusammenhalt ist in Hattingen noch immer lebendig.
Das MuseumMobil des Haus der Geschichte NRW ist noch bis Sonntag, 22. März 2026, auf dem Untermarkt zu sehen. Anschließend geht die mobile Ausstellung auf Tour durch mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen. Stationen sind im Laufe des Jahres unter anderem Jülich, Siegburg, Bergisch Gladbach, Rheine und Recklinghausen. Das MuseumMobil mit dem Motto „Wir suchen Ihre NRW-Geschichte“ ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.




























Kommentar hinterlassen zu "MuseumMobil bringt den Hüttenkampf zurück in die Stadt"