KOMMENTAR: JA, DER DROPS IST GELUTSCHT!

Der RuhrkanalNEWS-Kommentar (Grafik: RuhrkanalNEWS)

Ein Kommentar von Frank Strohdiek zur Fällung einiger Platanen an der Gesamtschule an der Langen Horst (Hier geht es zum Bericht)

Hattingen- Die Platanen sind gefällt. Eine Entscheidung die zuletzt in Hattingen heftig diskutiert wurde. Zum Schluss, man muss es leider, trotz aller Sympathie für die Idee, so sagen: Von einigen Mitgliedern der Baumretter-Gruppe auf unterstem Niveau. Persönliche Angriffe und Beleidigungen gegen Ratsmitglieder. In einer Form, dass unter vier Augen Angst vor körperlichen Übergriffen geäußert wurde und der Gedanke, das Ehrenamt für die Bürger der Stadt Hattingen niederzulegen.

Dabei muss aber mal ganz klar festgehalten werden, dass die Mitglieder der Initiative ihre Liebe zu den Platanen erst massiv äußerten, als es zu spät war. Oder, wie man im Ruhrgebiet gerne sagt, „als der Drops gelutscht“ war. Auch das eine alltägliche Aussage, die Mitglieder der BI zu einem Skandal aufzubauschen versuchten.

Doch zur Wahrheit gehört auch, die Entscheidung zur Erweiterung der Gesamtschule wurde über Jahre hinweg öffentlich diskutiert. Sie wurde mit Schulvertretern, Fachleuten und Bürgern erörtert, verschiedene Herangehensweisen mehr oder weniger konkret durchgeplant und kalkuliert. In all den Jahren waren die Vertreter beispielsweise der Hattinger FDP-Fraktion nicht als besondere Gegner der jetzt umgesetzten Variante aufgefallen. Erst als sicher war, dass CDU und SPD den Entschluss nicht nochmal aufschnüren würden, wurde in einer pathetischen Rede der angebliche Bürgerwille entdeckt. Und an dieser Stelle möchte ich, genau wie Bürgermeister Dirk Glaser, darauf hinweisen, dass alle Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung auch Bürger Hattingens sind. Sie habe also ein großes Interesse an einer lebenswerten und funktionierenden Kommune.

Ob bei einem Bürgerbegehren tatsächlich eine Mehrheit gegen die Erweiterung, samt Fällung einiger Platanen, stimmen würde, ist mehr als ungewiss. Natürlich, 4.500 Unterschriften sind eine Hausnummer. Aber eben auch nur ein Bruchteil der Wahlberechtigten in Hattingen. Und es ist fraglich, ob deswegen wirklich eine jahrelange Entscheidungsfindung über Bord geworfen werden sollte.

Spielen wir diesen Gedanken trotzdem mal durch. Die Stadtverordnetenversammlung stoppt in letzter Sekunde, nach fünf Jahren politischer Diskussion, die Planungen für den Erweiterungsbau der Gesamtschule. Alles steht wieder auf Anfang. Es werden erneut verschiedene Entwürfe, Planungen und Ansprüche begutachtet, diskutiert und verworfen. Wenn es gut läuft, stehen in fünf Jahren, nachdem die Verwaltung mehrere Projekte durchkalkuliert hat, die dann amtierenden Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung vor der endgültigen Entscheidung darüber, wie der Erweitungsbau aussehen soll, damit erste Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden. Und dann, wie gesagt, wir befinden uns im Jahr 2026, kommt eine bis dahin nicht weiter in Erscheinung getretene Bürgerinitiative und fordert einen sofortigen Stopp der Ausschreibungen, Stillstand auf einer schon fast eingerichteten Baustelle, da die Politik angeblich eine seltene, wertvolle, besonders schöne Spezies überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Sollen dann erneut alle Planungen verworfen und wieder von vorne begonnen werden?

Wenn das das Ziel der BI war und ist, jederzeit, unter dem Deckmantel des Vorwurfs der angeblichen Missachtung der Demokratie, den Stopp langjähriger Planungen durchsetzen zu können, hat unsere Gesellschaft mehrere Probleme. Hier nur die wichtigsten:
1. Es ist kein neues Projekt, egal welcher Stoßrichtung, mehr durchsetzbar.
2. Es ist das Ende unserer repräsentativen Demokratie.
Beides sind legitime Ansichten und Ziele. Aber sie gelten bisher in Deutschland nicht. Die Ausschreibungen und Beauftragungen zum Bau der Gesamtschulerweiterung sind weit fortgeschritten. Sie sind, ohne erhebliche Kosten bei fragwürdigem Nutzen, nicht mehr zu stoppen.

Deshalb der Appell, der im Ruhrgebiet eine gute und lange Tradition hat: „Jetzt ist es auch mal gut. Und beim nächsten Mal meldet ihr euch früher, wenn euch was nicht passt.“

2 Kommentare zu "KOMMENTAR: JA, DER DROPS IST GELUTSCHT!"

  1. Der O-Ton „Der Drops ist gelutscht“ stammt von Herrn Glaser persönlich , und zwar genau vom 11. September, als er uns ein letztes Mal besucht hat.
    In diesem Kommentar von Herrn Strohdiek entspricht allerhand nicht den Tatsachen.
    Ein SPD Ratsmitglied behauptet, zwei, beide Mitte 70 Jahre alte Herren, hätten ihn „während der Ratssitzung am 01.07.2021 auf der Toilette täglich angreifen wollen“. Sorry tatsächlich??
    Der Beschluss ist NICHT 5 Jahre alt, sondern aus 2019 und DA ging erstmalig um Bäume. Zuvor wurde in den Medien lediglich der Plan einer Schulerweiterung kommuniziert, aber KEIN GENAUER Standort. Der Bürger war nicht öffentlich informiert, sondern lediglich durch einen wie o.g. Artikel in der Zeitung ohne Standortangabe.
    Ich selbst habe von diesem Vorhaben erst Anfang April 2021 erfahren, und da wusste es noch niemand außer der direkten Anwohner. Seltsam.
    Selbst Lehrer, Schulkollegium, Elternpflegschaften waren nicht informiert, wie wir in den Kommentaren auf Facebook sehen können und auch vor Ort erzählt bekamen.
    Es waren tatsächlich 4499 Unterschriften, die Herr Glaser in der Tat so verdrehte, wie Herr Strohdiek es anführt. Die 450 Unterschriften am Übergang kleine Weilstraße/Bahnhofstraße wogen da deutlich mehr als unsere paar Unterschriften, so hat es zumindest den Anschein. Oder wurde da gesagt, ach, nur 450 Hattinger Bürger*innen möchten, dass der Fußgängerübergang zügig wieder geöffnet wird? Nein!
    Und ja, eine derart falsche Entscheidung kann sehr wohl jederzeit revidiert werden, wie die Bündnis 90/Grünen, die FDP und Die Fraktion gezeigt haben, vor Allem, wenn so viele Alternativen zur Verfügung stehen wie an dieser Schule. Abriss – Neubau der Seitenflügel, Aufstockung, auch an der Marxstr. möglich, ein Schultausch mit dem Schulzentrum. Ich lasse mir doch auch nicht mein Bein amputieren, weil der erste Arzt das sagte, ein zweiter aber meint, er könne es retten. Da ändere ich meine Entscheidung! Hier sind die Baukosten jetzt bereits doppelt so hoch, von geplanten 4,5 Mio auf 8 Mio gestiegen und kein Ende in Sicht. Und jetzt noch die Zusatzkosten für sechs Tage Security, acht Mann am Tage und acht Mann bei Nacht unter Flutlicht bei laufendem Dieselgenerator. Weil unsere Rentnergang wohlmöglich plant, sich mit ihren Rollatoren auf die Bäume zu bemühen und mit Hörgeräten und Krückstöcken die Baumfäller zu bewerfen? Absurder Gedanke ! Der Platanen-Dom war sowohl vom LANUV als auch in dem Baumgutachten der Stadt Hattingen als „äußerst schützens- und erhaltenswert“ eingestuft worden.
    Gestern erhielten wir eine Anerkennung für unser Tun vom Chef der Baumfälltruppe selbst, Herrn Rene Torres Lacroce. Er findet unseren Einsatz tollhat uns erklärt, dass es unserer Initiative zu verdanken ist, dass anstatt der geplanten 19 Bäume jetzt nur acht fallen (Herr Hendrix behauptete am Donnerstag auf der Ratssitzung übrigens immer noch, es seien SECHS) und hat versprochen, auf die verbleibenden Bäume gut aufzupassen, wenn der Bagger für die Tiefbauarbeiten anrollt. Dafür unseren herzlichsten Dank!

  2. Michael Schindler | 18. Oktober 2021 um 12:28 |

    Hallo Herr Strohdiek, als sachlicher Reporter hätte ich mir auch einen sachlichen Kommentar gewünscht. Ihre Darstellungen sind teilweise nach Hören Sagen und Vermutungen geschuldet. Sie sollten sich einmal mehr um die Tatsachen kümmern. Z.B warum erwähnen Sie nicht, dass die Verwaltung aus dem Schulhof , 5 Tage vor der Fällung eine Festung gemacht hat. Für 5 Tage wurde der gesamte Shcukgof umzäunt mit einem riesigen Bauzaun, es wurde einLichtmast aufgestellt , der die ganze Nacht den Schulhof komplett ausgeleuchtet hat, und es waren ständig 243 Stunden am Tag 9 Sekuriti‘ s vor Ort. Was sollte diese Abschreckung der eigene Bürger. Oder solltedie Bürgerinitiative abgeschreckt werden. Alles besorgte friedliche Menschen zwischen 60 und 85 Jahren. Bestand etwa die Angst daß solche Invaliden die Bäume erklimmen oder sich auf dieErde vor die Bäume legen ( wer hätte sie wieder aufgehoben ??) Fragen Sie doch einmal die Verwaltung welcher Kostenaufwand da entstanden ist. Das wäre mal wichtig zu wissen , und wer dafür verantwortlich ist .. meines Erachtens hat die Aktion einige Zehntausend € gekostet, alles dafür um ein paar Rentner von Randale abzuhalten.. Auch ihre Wiedergabe der Worte des Herrn Bürgermeister, es können keine 48 Fragen beantwortet werden. Dies Aussage des Herrn Bürgermeister zeigt doch nur wiederum welcher Gedanke dahinter steht .. nicht Demokratie und Bürgerrechte , sondern es sollen einfach Tatsachen verheimlicht werden, denn sonst könnten die Bürgervertreter ja die Wahrheit erfahren . Z.B war eine Frage wieso nicht Rechenschaft abgelegt werden muss , für die Kostensteigerung, von ehemals 3,6 Millionen auf nun 8,6 Millionen. wie kommen diese Summen zustande. >Es wäre dann heraus gekommen, dass schon die erste Schätzung von 36 Millionen nur eine Zahl war um die Ratsvertreter hinters Licht zu führen und sie der Erweiterung zustimmen. Denn schon 2018 hätte man im Internet erforschen können welche Kosten Schulbau verursachen und man wäre damals schon auf über 5 Millionen gekommen. Aber dann hätten wahrscheinlich die Ratsvertreter nicht dem Neubau zugestimmt. Verstehen Sie jetzt wieso die Verwaltung Fragen nicht beantworten will …. und so waren die 48 Fragen nur unbequem , und müssen aus den Augen des Herrn Bürgermeister nichtbeantwortet werden. Ich hoffe Sie , Herr Strohdiek recherchieren noch einmal neu und befragen auch einmal die Vertreter der Bürgerinitiative, damit ein neutraler sachlicher Bericht entsteht.

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