Kermes in Hattingen: Wo der Duft vom Grill zur Einladung wird

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Hattingen – Es gibt Feste, da weiß man schon nach wenigen Schritten, wo man hin muss. Nicht, weil ein Schild den Weg weist. Sondern weil die Nase schneller ist als der Kopf. Bei der Kermes des Ditib Moscheevereins in Hattingen war es am 24. und 25. Mai 2026 genau so. Die Rauchschwaden vom Grill zogen über das Gelände, der Duft von Adana-Spießen, Lahmacun, Teigfladen und frisch Gebackenem lag in der Luft. Und irgendwo dazwischen stand schnell fest: Hier wird nicht einfach nur gegessen. Hier wird Gemeinde gelebt.

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In diesem Jahr fand die Kermes nicht parallel zum Altstadtfest statt. Das war spürbar gut. Mehr Menschen konnten kommen, die sonst zwischen zwei Veranstaltungen hätten pendeln müssen. Auch in der Gemeinde selbst war die Entscheidung bewusst getroffen worden, wie Metin Kaya im Gespräch erklärte. Das Thema sei sogar im Integrationsrat angesprochen worden. Viele hätten gesagt: Wir würden gerne kommen, aber gleichzeitig ist Altstadtfest. In diesem Jahr wurde die Kermes deshalb vorgezogen.

„Das passt gut“, sagte Metin. Auch wegen des Wetters und wegen des bevorstehenden Opferfestes habe man den Termin in diesem Jahr etwas früher gelegt. Und obwohl die Baustelle auf dem Gelände den Platz deutlich verkleinert, sei man zufrieden. „Trotz unserer Baustelle haben wir es ein bisschen kompakter gemacht. Aber trotzdem läuft alles gut. Alles so wie geplant.“

(Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Tatsächlich merkte man dem Fest die kleinere Fläche kaum an. Der verbliebene Platz wurde optimal genutzt. Vielleicht fehlte die Hüpfburg für die Kinder, aber sonst war alles da, was eine Kermes braucht: Essen, Stimmengewirr, Begegnungen, Kinderlachen, ein kleiner Basar und viele Hände, die mit anpackten.

Besonders beeindruckend war die Foodstraße. Dort wurde nicht einfach vorbereitetes Essen verkauft. Dort wurde gearbeitet. An großen Tischen saßen Frauen, die aus kleinen Hefeteigkugeln dünne Teigfladen machten. Erst half eine Maschine beim Ausrollen, dann kam die eigentliche Handarbeit. Mit einem langen, dünnen Rundholz, dünner als ein Besenstiel, wurde der Teig auf einem bemehlten Tisch immer weiter ausgerollt. So dünn, dass man fast eine Zeitung hindurch lesen konnte.

Die fertigen Fladen kamen auf gewölbte Heizplatten oder wurden belegt und im Pizzaofen gebacken. Aus ihnen wurden Lahmacun, gefüllt mit Adana oder anderen Spießen. Ein paar Meter weiter zeigte der Grill, wo die Action war. Rauch, Hitze, Bewegung, Zurufe. Und wer daran vorbeikam, musste schon ziemlich satt sein, um nicht schwach zu werden. Auch die Fes Burger sahen so aus, als hätten sie ihre eigene Fangemeinde verdient.

Durch den Umbau des angrenzenden Ladens konnte die Gemeinde in diesem Jahr zusätzliche Flächen und Kühlschränke nutzen. Das machte sich besonders am Süßigkeiten- und Kuchentresen bemerkbar. Dort standen Baklava in verschiedenen Variationen, Kuchen, Halka tatlısı, also eine Art türkischer Churro mit Zuckersirup, außerdem herzhafte Börek, Waffeln und verschiedene Kaffeespezialitäten. Im Eingangsbereich fühlte man sich fast wie in einem kleinen Sük: voll, laut, bunt, lebendig. Man wusste gar nicht, wohin man zuerst schauen sollte.

Und trotzdem fühlte man sich nicht fremd. Im Gegenteil. Zwischen Stimmengewirr, Lächeln, kurzen Gesprächen entstand schnell dieses Gefühl, willkommen zu sein. Draußen standen so viele Tische und Bänke, wie der Platz hergab. Jugendliche gingen mit Bauchläden von Tisch zu Tisch und verkauften Wassereis. Eine kleine Geste, aber genau solche Kleinigkeiten machen ein Fest lebendig.

Auch für Kinder gab es Angebote. Neben dem kleinen Basar war eine „Kindermoschee“ aufgebaut, eher ein Kinderland mit Kinderschminken und Glücksrad. Der Basar selbst war überschaubar, aber gut besucht. Immer wieder blieben Besucherinnen und Besucher stehen, schauten, kauften, kamen ins Gespräch.

Der Hintergrund des Festes war dabei mehr als nur Geselligkeit. Die Einnahmen sollen die Baustelle unterstützen. Auf dem Gelände entsteht das neue Gemeindezentrum mit Gebetsraum. „Wir hoffen, dass wir gute Einnahmen haben, damit wir unsere Baustelle unterstützen können. Das fließt ja alles in die Baustelle“, sagte Metin.

Wer genau hinsah, erkannte schnell: Diese Kermes funktioniert wie viele andere Gemeindefeste auch. Egal ob Moscheegemeinde, Kirchengemeinde oder Verein. Viele bauen auf, andere backen, stehen am Grill, kümmern sich um die Kinder, Jugendliche laufen mit Eis durch die Reihen, und am Ende ziehen alle an einem Strang. Nicht für sich allein, sondern für ein gemeinsames Ziel.

Natürlich war das kein typisch deutsches Gemeindefest. Aber gerade das machte den Reiz aus. Nach rund 60 Jahren gemeinsamer Geschichte in Deutschland sollte man sich darauf einlassen können. Es tut nicht weh. Es erweitert nur den Horizont. Mit Pizza, Spaghetti, Ćevapčići, Gyros und Döner hat das ja längst funktioniert. Der Rest ist vielleicht gar nicht so schwer, wenn man einfach hingeht, sich an einen Tisch setzt, etwas probiert und mit den Menschen spricht.

Die Kermes der Ditib Gemeinde war deshalb mehr als ein kulinarisches Fest. Sie war ein offenes Gemeindefest. Kompakt wegen der Baustelle, aber groß in dem, was dahinterstand: Gemeinschaft, Arbeit, Gastfreundschaft und der Wunsch, gemeinsam etwas Neues aufzubauen.

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