GyHo macht die Welle

Schulfest GyHo 26 (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
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Hattingen – Auf dem Gelände des Gymnasiums Holthausen (GyHo) wurde am Freitag (3. Juli 2026) Schulfest gefeiert. Der große Schulhof war gegen 17.30 Uhr noch gut gefüllt, am frühen Nachmittag soll es nach Angaben vor Ort noch deutlich voller gewesen sein. Wer über den Hof ging, merkte schnell: Das war kein kleines Beisammensein nebenbei, sondern ein großes Schulfest mit viel Vorbereitung, vielen helfenden Händen und einem deutlich spürbaren Gemeinschaftsgefühl.

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Auf dem Schulhof gab es eine Außenbühne mit Technik, auf der unter anderem Tanzgruppen ihr Können zeigten. Dazu kamen ein großer Tombolastand, Lose verkaufende Schüler, eine Hüpfburg für die kleinen Geschwister, Dosenwerfen, ein Limonadenstand, Kaffee und Kuchen, Eis, ein Grillstand und ein Bierstand für die Eltern. Die Besucher reichten vom Kindergartenalter bis zu den Großeltern. Familien, Schüler, Eltern, Lehrer und Ehemalige kamen zusammen. Die Schule zeigte sich an diesem Nachmittag so vielfältig, wie sie ist: multikulturell, lebendig und getragen von vielen Menschen, die nicht nur dabei sein wollten, sondern mit anpackten.

Schulfest GyHo (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Dass hinter einem solchen Fest erheblicher logistischer Aufwand steckt, war an vielen Stellen zu sehen. Technik musste draußen und in der Aula laufen, Stände mussten betreut, Essen ausgegeben, Lose verkauft, Stühle gerückt und Programmpunkte koordiniert werden. Dabei entstand kein Eindruck von Hektik, sondern eher von eingespieltem Miteinander. Wenn in der Aula umgebaut werden musste, griffen auch Menschen mit an, die offenbar gar nicht dafür eingeteilt waren. Stühle wurden weggetragen, wieder hingestellt, Wege freigemacht. Jeder half jedem. Genau solche Momente erzählen oft mehr über eine Schulgemeinschaft als jede offizielle Rede.

Auch die klassischen Elemente eines Schulfestes funktionierten. Dosenwerfen ist offenbar nicht totzukriegen, und vermutlich soll das auch so bleiben. Tombola, Grillduft, Kuchenbuffet und Bühne gehören zu solchen Festen, aber am GyHo wirkte das alles nicht beliebig. Es war zu spüren, dass hier viele Klassen, Eltern und Lehrkräfte ihren Teil beigetragen hatten. Ob am Grillstand, mit der Blockflöte auf der Bühne oder beim Aufräumen zwischendurch: Der Einsatz war sichtbar.

Theaterstück zum Abschluss

Zum Abschluss wurde es in der Aula noch einmal ernst. Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse brachten „Die Welle“ auf die Bühne. Das Stück basiert auf dem bekannten Experiment „The Third Wave“, das 1967 an einer Highschool in Kalifornien durchgeführt wurde. Ein Lehrer wollte seinen Schülern zeigen, wie schnell Menschen für autoritäre Strukturen, Gruppendruck und Ausgrenzung anfällig werden können. Die Frage dahinter ist bis heute unbequem: Könnte so etwas wieder passieren?

Die Umsetzung am GyHo war bemerkenswert. Die Schülerinnen und Schüler hatten das Stück selbst geschrieben und sich dabei eng am Ursprung des Stoffes orientiert. Sie griffen nicht einfach auf fertige Film- oder Theaterbilder zurück, sondern entwickelten eine eigene Bühnenfassung. Gerade das machte den Abend stark. Mit sehr einfachen Mitteln entstand eine dichte, intensive Aufführung.

Die Welle (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Der Vorhang blieb geschlossen. Gespielt wurde vor dem Vorhang, auf den Treppen, an den Seiten und überall dort, wo noch Platz war. Schon der Beginn überraschte: Während viele im Publikum noch darauf warteten, dass es „richtig“ losgeht, standen nach und nach Schauspieler aus den Zuschauerrängen auf. Damit war die Grenze zwischen Bühne und Publikum von Anfang an verschoben. Die Aula wurde zum Spielraum, und das Publikum rückte näher an das Geschehen heran, als es vielleicht erwartet hatte.

Was mit vergleichsweise harmlosen Übungen begann, steigerte sich von Szene zu Szene. Die einzelnen Entwicklungsstufen wurden klar und überzeugend herausgearbeitet: Gemeinschaft, Disziplin, Zugehörigkeit, Abgrenzung, Druck. Alles, was sich vor dem Vorhang nicht darstellen ließ, war zuvor gefilmt worden und wurde als Einspieler auf die Wände projiziert. Dadurch entstand ein Wechsel zwischen Theater und Film, der gut funktionierte und die knappen Bühnenmittel nicht kaschierte, sondern kreativ nutzte.

Mit jeder Eskalationsstufe wurde das Unbehagen im Raum spürbarer. Natürlich wusste jeder in der Aula, dass es ein Theaterstück war. Trotzdem arbeitete sich das Thema immer näher an die Zuschauer heran. Als ein Streit zwischen zwei ehemaligen Freunden eskalierte und in einer Ohrfeige endete, wurde es still im Raum. Noch stärker wirkte der Moment, als ein Filmclip von Adolf Hitler auf der Leinwand erschien und das Publikum den Sprachrhythmus und die Rhetorik mit dem Verhalten der Lehrerfigur vergleichen konnte. In diesem Moment wurde deutlich, worum es dem Stück geht: nicht um Geschichte als abgeschlossenes Kapitel, sondern um Mechanismen, die Menschen verführen, einordnen und gegeneinander stellen können.

Die Schülerinnen und Schüler spielten das mit großer Ernsthaftigkeit. Sie standen nicht nur auf der Bühne und sagten Text auf. Sie mussten laut werden, schreien, überzeugen, einschüchtern, zweifeln und sich sichtbar gegen eine Dynamik stemmen, die im Stück immer gefährlicher wurde. Das verlangt Mut. Besonders dann, wenn man weiß, dass der Inhalt nicht bequem ist und dass manche Sätze, die man als Figur sagen muss, einem innerlich eigentlich den Magen umdrehen.

Am Ende gab es nicht nur Applaus. Das Publikum erhob sich von den Plätzen und spendete minutenlang stehenden Beifall. Nach einem großen Schulfest mit Tombola, Grillstand, Bühne und vielen Begegnungen setzte diese Aufführung einen starken Schlusspunkt. Das GyHo hatte an diesem Tag nicht nur gefeiert, sondern auch gezeigt, was Schule sein kann: ein Ort, an dem gemeinsam gearbeitet, gestaltet, gespielt, gedacht und Verantwortung übernommen wird.

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