Hattingen – In der 4. Klasse gehört sie für viele Kinder dazu: die Fahrradprüfung mit der Polizei. Doch in den vergangenen Jahren zeigte sich immer häufiger ein Problem: Viele Räder der Kinder sind nicht verkehrssicher. Mal fehlen Reflektoren, mal müssen Bremsen eingestellt werden, mal funktioniert das Licht nicht richtig – oder gar nicht.
In Hattingen wurde dafür eine praktische Lösung gefunden. In Kooperation zwischen den Familiengrundschulzentrum der Stadt Hattingen und der ADFC-Ortsgruppe Hattingen-Sprockhövel mit ihrem Projektteam RadReparaturCafé gibt es an den Grundschulen Oberwinzerfeld und Heggerfeld eine besondere Aktion: Kinder können ihre Fahrräder gemeinsam mit Fachleuten prüfen und instand setzen lassen – kostenlos und direkt vor Ort.
Zum Auftakt an der Grundschule Oberwinzerfeld wurde pünktlich um 15 Uhr die mobile Werkstatt aus dem Anhänger gerollt und aufgebaut. Lange dauerte es nicht, bis die ersten Kinder mit ihren Rädern eintrafen. Die bekannten Mängel ließen nicht lange auf sich warten: fehlende Reflektoren, Bremsen, die nachgestellt werden mussten, defekte Beleuchtung oder Lampen, an denen nur noch Teile vorhanden waren. Während die Warteschlange immer länger wurde, arbeitete das Team zügig Rad für Rad ab.
Fahrräder fit für die Prüfung © ruhrkanalNEWS (Fotos: Holger Grosz)


Besonders wichtig ist dabei der Ansatz, nicht einfach nur zu reparieren, sondern Kinder und Eltern einzubinden. Die Kinder schauen nicht nur zu, sondern greifen selbst zum Werkzeug. Sie erleben, dass sich viele kleine Defekte mit etwas Hilfe selbst beheben lassen. Genau darin liegt der pädagogische Wert der Aktion: Sicherheit schaffen und gleichzeitig Selbstständigkeit fördern. Auch Eltern werden ermutigt, kleine Reparaturen künftig selbst anzugehen.
Trotz aller Schrauberei herrschte dabei keine hektische Werkstattstimmung. Für die Wartenden gab es Wasser, Kaffee und kleine Snacks. So wurde aus dem Reparaturtermin zugleich ein offenes, familienfreundliches Angebot mit viel praktischer Hilfe und persönlichem Austausch.
Der Hintergrund ist ernst. Die Bezirkspolizei hatte darauf hingewiesen, dass Kinder mit nicht verkehrstüchtigen Fahrrädern eigentlich nicht an der Fahrradprüfung teilnehmen können. Dabei ist die Vorbereitung wichtig: Ab einem Alter von zehn Jahren müssen Kinder im Straßenverkehr andere Regeln beachten und sollen sich sicher mit ihrem Rad bewegen können. Ziel der Aktion ist deshalb, die Fahrräder optimal auf die polizeiliche Fahrradprüfung im Mai vorzubereiten und den Kindern einen sicheren und unabhängigen Schulweg zu ermöglichen.
Getragen wird das Projekt von mehreren lokalen Partnern. Die Stadt Hattingen koordiniert das Angebot über ihr Familiengrundschulzentrum, die ADFC-Ortsgruppe Hattingen-Sprockhövel bringt fachliche Erfahrung und Werkstatt-Support ein – und das komplett ehrenamtlich. Ein weiterer wichtiger Partner ist die hwg, die gebrauchte Fahrräder für Kinder bereitstellt.
Gerade dieser Baustein macht das Projekt besonders wertvoll. Denn nicht jedes Kind hat überhaupt ein eigenes Fahrrad. In Hattingen werden deshalb gebrauchte Räder zur Verfügung gestellt, vom RadReparaturCafé verkehrssicher gemacht und anschließend an Kinder übergeben. Unterstützt wird das durch die hwg, einen genossenschaftlichen Vermieter mit starkem sozialem Engagement, der damit ganz konkret dazu beiträgt, Mobilität und Teilhabe für Kinder zu ermöglichen.
Nach Angaben der Organisatoren läuft die Aktion an den Grundschulen Oberwinzerfeld und Heggerfeld. Insgesamt nehmen sechs vierte Klassen teil, für die jeweils zwei Termine angeboten werden. Rund 70 Fahrräder dürften so fit gemacht werden.
Am Ende geht es um weit mehr als um Schrauben, Bremszüge und Katzenaugen. Es geht darum, dass Kinder sicher unterwegs sind, an ihrer Fahrradprüfung teilnehmen können und nicht daran scheitern, dass zu Hause Geld, Material oder technisches Wissen fehlen. Genau das macht diese Hattinger Fahrrad-Aktion zu einem starken Gemeinschaftsprojekt für Kinder.




























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