Der Blues kam nach Blankenstein – und blieb nicht auf der Bühne

Bluesfestival in Blankenstein (Foto: Holger Grosz, RuhrkanlNEWS)
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Hattingen – Ein Bluesfestival auf dem Marktplatz funktioniert nicht allein mit guten Musikern. Es braucht eine Bühne, Technik, viele helfende Hände – und vor allem Gäste, die bleiben, zuhören und auch etwas trinken. Denn sämtliche Kosten der Veranstaltung müssen über den Getränkeverkauf gedeckt werden.

Auf die Beine gestellt wurde das Bluesfestival vom CaféZ Rajewitz, unterstützt von #hatkultur. Am 11. Juni 2026 standen zwei Formationen auf der Bühne des Blankensteiner Marktplatzes: Chris Kramer & Beatbox sowie Bonny B. & Ice B.

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Den Auftakt machte Chris Kramer mit einem ungewöhnlich besetzten Trio. Gitarre, Gesang, Mundharmonika und Beatbox trafen aufeinander. Musik entwickelt sich weiter, Stilrichtungen werden miteinander verbunden und Grenzen ausprobiert. Einige Zuschauer waren von dieser Mischung sichtbar begeistert. Trotzdem entstand zeitweise der Eindruck, dass der Funke nicht vollständig auf den gesamten Marktplatz überspringen wollte.

Vielleicht lag es daran, dass Blues und Beatbox für manche Ohren erst einmal zusammenfinden müssen. Vielleicht ist man für diese Kombination aber auch einfach schon zu alt. Das Publikum hörte aufmerksam zu, doch die große gemeinsame Bewegung des Abends sollte erst noch kommen.

Chris Kramer & Beatbox (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Dafür genügten beim Hauptact Bonny B. & Ice B. bereits die ersten Töne des Soundchecks.
Plötzlich war jedem auf dem Marktplatz klar: Jetzt geht es los.
Zunächst wurde noch ein wenig mit dem Klang gehadert und an den Einstellungen gearbeitet. Dann setzte die Musik ein. Wer die Augen schloss, konnte sich für einen Moment in einen engen Blueskeller in Chicago versetzt fühlen. Wer sie wieder öffnete, saß noch immer auf dem Blankensteiner Marktplatz. Dieser Gegensatz war zunächst vielleicht etwas irritierend – spielte aber schon nach kurzer Zeit überhaupt keine Rolle mehr.

Die Musik war einfach zu gut.

Ice B. saß mit seiner Gitarre auf dem Verstärker. Vor ihm lag eine kleine Auswahl an Effektgeräten. Sein Gitarrensound war dreckig, rau und genau richtig dosiert. Er drängte sich nicht ständig in den Vordergrund, sondern gab der Musik Halt, Tiefe und Atmosphäre.

Im Mittelpunkt stand Bonny B.

Um seine Schulter trug er etwas, das auf den ersten Blick wie ein Patronengurt aussah. Doch statt Munition steckten darin Mundharmonikas – Harps in unterschiedlichen Tonarten. Ein Bild, das man bei Blueskonzerten früher häufiger sehen konnte, heute aber nur noch selten erlebt.

Spätestens jetzt war klar, welches Instrument an diesem Abend die erste Geige spielen würde: die Harp.

Vor Bonny B. stand außerdem ein kleiner Tisch mit einem Keyboard, aus dem warme Hammond-B-Klänge kamen. Links und rechts davon befanden sich eine Bassdrum und ein Tom, die er mit den Füßen spielte. Er wurde damit beinahe zu einer vollständigen Band in einer Person.

Der eigentliche Schub, der Drive und die Energie kamen jedoch aus seiner Stimme und seinem Mundharmonikaspiel. Bonny B. spielte die Harp nicht nur. Er ließ sie schreien, flüstern, jammern und antreiben. Seine Stimme setzte sich darüber, rau und kraftvoll, und machte aus dem Konzert nach und nach eine Bluesparty.

Nach mehr als 20 veröffentlichten Alben und Hunderten Konzerten weiß Bonny B. genau, wie man ein Publikum erreicht. Er kennt nicht nur seine Musik, sondern auch seine Bühne – und offenbar ganz genau die Länge seines Mikrofonkabels.

Er verließ den eigentlichen Bühnenbereich, ging mitten unter die Zuschauer und spielte unmittelbar vor ihnen weiter. Auch Tische wurden dabei zur Bühne. Bonny B. gab Vollgas, suchte den direkten Kontakt und brachte damit selbst Gäste in Bewegung, die vorher noch entspannt auf ihren Stühlen gesessen hatten.

Bonny B. & Ice B. (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Aus einem Konzert wurde ein Ereignis. Aus Zuhörern wurde ein Publikum, das mitging, mitklatschte und sich von der Energie anstecken ließ.

Das Bild eines klassischen Bluesmusikers aus Chicago mochte an diesem Abend zunächst naheliegen. Doch die Lebensgeschichte von Bonny B. passt in kein einfaches Klischee. Im Alter von sieben Jahren floh er vor den Roten Khmer aus Kambodscha und kam in die Schweiz. Gemeinsam mit seinem Bruder Ice B. macht er seit vielen Jahren Musik. Die beiden bezeichnen sich selbstbewusst als die einzig wahren Blues Brothers.

Eine besondere Anerkennung erhielt Bonny B. im Jahr 2005. Damals wurde er zum Montreux Jazz Festival eingeladen und stand dort gemeinsam mit B.B. King auf der Bühne.

An diesem Abend brauchte es jedoch weder Chicago noch Montreux. Der Blankensteiner Marktplatz reichte vollkommen aus.

Bonny B. & Ice B. lieferten dort ein Konzert, das nicht nur musikalisch überzeugte, sondern den Platz veränderte. Für einige Zeit war Blankenstein kein ruhiger Stadtteil von Hattingen mehr, sondern ein Bluesclub unter freiem Himmel.

Und spätestens als die ersten Gäste nicht mehr auf ihren Sitzen bleiben konnten, war klar: Der Funke war längst übergesprungen.

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