Hattingen – Zwei Drittel der Sporthalle an der Talstraße gehörten an diesem Sonntag den Boxern, Ringrichtern, Trainern und Betreuern. Ein Drittel blieb für die Zuschauer, dazu die komplette Tribüne. Schon diese Aufteilung zeigte: Bei der „Boxing Night“ des Boxrings Hattingen stand nicht die große Show im Mittelpunkt, sondern der Sport.
Pünktlich zogen die Boxerinnen und Boxer ein und versammelten sich gemeinsam im Ring. Deutschland gegen Australien hieß es an diesem Abend – doch bevor überhaupt der erste Gong ertönte, gab es einen Moment, der viel über die Atmosphäre in der Halle erzählte. Als die Nationalhymnen gespielt wurden, stand die gesamte Halle. Ganz gleich, ob gerade die deutsche oder die australische Hymne erklang.
Dann wurde es sportlich.
Den Auftakt machten die Boxerinnen der U19 bis 54 Kilogramm. Sienna Murray aus Alberta traf auf Ciman Khalf aus Mülheim. Drei Runden zu jeweils zwei Minuten standen auf dem Programm. Murray setzte sich nach der vollen Distanz nach Punkten durch.
Schon im zweiten Kampf wurde es deutlich rustikaler. In der weiblichen U17 bis 66 Kilogramm traf Joline Herzog aus Kassel auf Rosa Lee Hickey aus Australien. Herzog machte mächtig Druck und ließ ihrer Gegnerin mit einem regelrechten Trommelfeuer kaum Gelegenheit, selbst in den Kampf zu finden. In der zweiten Runde wurde die Begegnung zugunsten der Kasselerin abgebrochen.
Deutschland gegen Australien hieß es an diesem Abend (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
Dass Boxen nicht immer einen eindeutigen Sieger hervorbringen muss, zeigte anschließend die männliche U17 zwischen 54 und 57 Kilogramm. Karter George und Rocky Fischer lieferten sich drei volle Runden. Mal hatte der eine die besseren Momente, mal der andere. Nach dem letzten Gong warteten beide auf die Entscheidung – und wirkten gleichermaßen überrascht, als die Ringrichterin schließlich beide Arme nach oben hielt: Unentschieden.
Es waren nur die ersten Begegnungen eines langen Boxabends mit zahlreichen weiteren Kämpfen. Voll besetzt waren Tribüne und Zuschauerbereich nicht. Leise war es deshalb allerdings noch lange nicht.
Die Anfeuerungsrufe waren in der ganzen Halle zu hören. Mancher Zuschauer stand zumindest gedanklich selbst mit im Ring. Da wurden Schläge mit dem Oberkörper nachvollzogen, die Hände zu Fäusten geballt und jede gelungene Aktion lautstark begleitet. Boxen mag in Hattingen kein Massensport sein – wer an diesem Abend gekommen war, war dafür mit voller Aufmerksamkeit dabei.
Das galt auch für den VIP-Tisch unmittelbar am Ring, der komplett besetzt war. In der Eingangshalle versorgten freundliche und engagierte Helfer die Gäste mit Snacks. Überhaupt wirkte vieles weniger wie eine große Sportveranstaltung mit anonymer Zuschauermenge, sondern eher wie ein Treffen einer Szene, in der viele einander kennen.

























































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