Altstadtfest

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Nebenbei bemerkt…

… geht mich das Ganze diesmal irgendwie doch etwas an. Denn: Es geht um den Kirchplatz – meinen Kirchplatz, um genau zu sein. Aber nicht nur den.

Ein paarmal im Jahr wird der beschauliche Platz dort, wo unsere Altstadt am schönsten ist, nicht nur zur Pilgerstätte frommer Kirchenbesucher von St. Georg. Er wird auch zum Schauplatz von Veranstaltungen. Kulinarischer Altstadtmarkt und Weihnachtsmarkt seien stellvertretend hier genannt. Und natürlich das Hattinger „Fest der Feste“, der „Leuchtturm“ aller hiesigen Veranstaltungen, Vorbild vieler Nachahmer im Umkreis. Das Altstadtfest eben.

Vor noch gar nicht langer Zeit hätte ich es so formuliert: unser Altstadtfest. Doch nicht nur für mich sind diese Zeiten längst Vergangenheit. 

Damals war ich mittendrin statt nur dabei, habe tagelang aufs Altstadtfest hin gefiebert und als es endlich so weit war, dort praktisch gelebt, mich beim früheren Metzger Buchholz am Untermarkt mit günstigen, aber viel zu warmen Getränken „schwarz“ aus dem Garagenverkauf versorgt, mich vorsichtig an zu der Zeit noch „exotische“ Speisen herangewagt, die unsere türkischen Mitbürger am Obermarkt feilboten. Ansonsten: Bratwurst ging immer, Pizza sowieso.

Kulturell war für jeden Geschmack etwas dabei: Neben dem Grillstand am Obermarkt lockte Hüsnü Isik mit seiner Saz hunderte Hattinger und brachte sie zum spontanen Tanzen mit Menschen, bei denen sie gerade noch Pide und Köfte probiert hatten.

Oder das Theaterzelt später am Johannisplatz hinter dem „Kleinen Café“. Hier traten Stars wie Eisi Gulp auf und sorgten für Spaß, der heute Comedy heißt. Oder als einer der Höhepunkte die Pilspickers am Untermarkt vor dem Alten Rathaus. Wer wartete da nicht jedesmal wieder auf das Schlagzeugsolo des Hattinger Finanzbeamten Jürgen Bergmann oder auf den Klassiker „Ice Cream“, der die super Stimmung dort an der Bühne noch einmal so richtig zum Kochen brachte!? 

Später dann komplettierte die Musiker-Initiativen Hattingen (MIHA) das künstlerische Angebot auf dem Altstadtfest mit „Rock an der Stadtmauer“ von in den ersten Jahren ausschließlich Hattinger Musikern. Das Vereinskonzept, dort zum Abschluss Coverbands auftreten zu lassen, wurde dann dankbar auch auf den anderen Bühnen übernommen – bis heute. Nicht zu vergessen die jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit von Veranstalter Stadt Hattingen mit der legendären Hildegard „Hilde“ Doebner vom Wittener Folkclub im Krämersdorf.

Haben Sie es bemerkt? Diese Erinnerungen haben immer etwas mit„handgemacht“ zu tun. Natürlich hat sich im Laufe der Zeit einiges getan, die Kosten beispielsweise sind explodiert, gerade musikalisch haben sich Geschmäcker gewandelt, was aus beiden genannten Gründen die über 40jährige Zusammenarbeit mit der MIHA – zuletzt bei „Rock am Bunker“ – zum Erliegen brachte. Trotzdem: Ich kann mich nicht damit anfreunden, Musiker abzufeiern, die gar nicht vor mir stehen, sondern nur „als Konserve“ durch Lautsprecherboxen und bunte Lichter repräsentiert werden. Irgendwie pervers, finde ich, oder?

Und dann gibt es noch den scheidenden großen Zampano im Hintergrund und dessen Dogma: „Abgestimmt über die Qualität des Altstadtfestes wird mit den Füßen!“ Unsinn! Unsinn! Unsinn! Für mich und hoffentlich noch viele andere gilt: Abgestimmt wird mit dem Herzen! Und das ist nicht mehr auf und mit dem Altstadtfest. 

Ich werde nicht einmal mehr dort sein, fliehe in die Ferne und hoffe auf kommende und bessere Zeiten, wenn ein neuer Wind ab nächstem Jahr wehen wird, der hoffentlich wieder neben dem Kommerz der Kunst seinen Platz auf mehr Bühnen als diesmal einräumen wird. Und wenn der Preis dafür ein aus Kostengründen nur alle zwei Jahre stattfindendes Altstadtfest sein sollte, dann ist das eben so. 

Die Zeiten ändern sich – eben auch in dieser Hinsicht, findet sicher nicht nur Ihr und euer Schorsch auffem Kirchplatz!

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1 Kommentar zu "Altstadtfest"

  1. Leider wahr. Früher bin ich aus Wat angereist, um lokale Musikschaffende zu sehen. Eben nicht die grossen Namen (heute eh zu teuer), sondern kleine feine Bands aus der Gegend. Hab dann mal ausgeholfen, bin selber ein paar mal auf getreten. Jetzt zieht mich nix mehr, obwohl ich in Hat wohne. Und bewerben tu ich mich bzw. meine Band hier auch nicht mehr. Dieses Jahr findet man uns zeitgleich in der Nachbarstadt.

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