Hattingen – Noch bevor das eigentliche Altstadtfest offiziell eröffnet ist, zeigt sich im sogenannten „Bermudadreieck“ bereits, was die kommenden Tage hoffentlich prägen wird: volle Gassen, ausgelassene Stimmung und ein deutlich spürbarer Andrang. Das traditionelle „Warm-up“ lockte schon am frühen Abend zahlreiche Besucher in die Altstadt – und das früher als in den vergangenen Jahren.
Bereits gegen 18:30 Uhr war das Bermudadreieck dicht gefüllt. Besonders rund um das Kleine Café bildeten sich schnell große Menschentrauben – spürbar voller als im Vorjahr. Hier trifft sich, wer das Warm-up kennt: Stammgäste, Gruppen, alte Bekannte. Entsprechend ausgelassen ist die Stimmung. Gespräche, Wiedersehen und erste Getränke bestimmen das Bild. Der Bierverkauf aus dem Fenster bei „Fiete“ hat begonnen. Eine Tradition ist also schon erhalten geblieben.
Auffällig ist in diesem Jahr die optimierte Infrastruktur im Ausschankbereich. Zwar ist die Anzahl der Zapfanlagen vergleichbar mit dem Vorjahr, jedoch wurden die Theken deutlich zugänglicher gestaltet. Besucher kommen schneller an Getränke, Warteschlangen entzerren sich sichtbar – ein Pluspunkt bei der hohen Besucherzahl.
Für Veränderungen sorgt auch das musikalische Konzept. Der DJ ist nicht mehr – wie in den vergangenen Jahren – aus der oberen Etage einer Pizzeria aktiv, sondern hat eine eigene Bühne erhalten. Diese befindet sich an der Stelle, an der traditionell früher auch die Live-Bühnen, Dank Kerkemeier-LKW, aufgebaut waren. Die Musik ist entsprechend präsent – für manche fast zu präsent. Wer das Warm-up als Treffpunkt zum Austausch nutzen möchte, muss teilweise gegen die Lautstärke ankämpfen. Eine klassische Hintergrundbeschallung ist das nicht mehr. Dennoch: Die Fläche vor der Bühne wird gut angenommen, und mit fortschreitendem Abend dürfte sich das Geschehen zunehmend in Richtung Tanz verlagern.
Das Wetter spielt der Veranstaltung dabei voll in die Karten: milde Temperaturen, trockene Bedingungen und beste Voraussetzungen für einen gelungenen Auftakt.
Fotos vom Altstadtfest-Auftakt in Hattingen (Fotos: Holger Grosz)
Blick nach vorne
Auf dem Kirchplatz wird sichtbar nachjustiert – allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. Die große Sparkassenbühne präsentiert sich putziger, fast schon handlich im Vergleich zu den Vorjahren. Noch auffälliger: Der sonst obligatorische, abgeschirmte Backstagebereich mit Zelten ist komplett verschwunden. Statt klarer Trennung herrscht nun Offenheit – Besucher können sich frei hinter der Bühne bewegen und im Zweifel bis auf Tuchfühlung herankommen. Eine charmante Nähe, die jedoch ihren Preis haben könnte. Denn genau dort offenbart sich ein organisatorischer Schwachpunkt: Ein definierter Backstagebereich fehlt bislang völlig. Wohin sich die Musiker der Musikschule vor ihren Auftritten zurückziehen sollen, bleibt ebenso unklar wie die Frage, wo sich die Tanzgruppen von „Let’s Dance“ umziehen können. Die Bühne wirkt damit zwar zugänglicher – hinter den Kulissen aber auch deutlich improvisierter. Aber Organisationstalente vom Stadtmarketing werden das sicherlich auch noch in den Griff bekommen.
Beim Ausschank wurde ebenfalls umgebaut: Der große, runde Stauder-Bierstand, der über Jahre hinweg das Bild des Platzes geprägt hat, ist nicht mehr vorhanden. Stattdessen verteilen sich nun drei einzelne Bierwagen über den Kirchplatz. Ergänzt wird das Angebot durch eine kleine Hütte für die Tontechnik, einen Grillstand sowie zwei Cateringbuden, die viele Besucher bereits aus dem vergangenen Jahr kennen.
In den kommenden drei Tagen zeigt das Altstadtfest, was in der kompakteren Struktur steckt: Vom Auftakt mit Hattinger Bands über Musikschul‑Programm und Comedy bis hin zu Tribute‑Acts und DJs ist die Altstadt nahezu durchgängig bespielt. Während auf dem Kirchplatz von Exback und Silly Souls of Music bis zum Westernhagen‑Tribute Pfefferminzprinz die große Bühne läuft, wachsen in Steinhagen mit „Markt, Kunst und Kulinarik“ und einer Kleinkunstbühne neue, leisere Festivalachsen heran. Parallel etablieren sich Nischen wie das Kleine Café mit eigenem Line‑up sowie das Sparkassen‑Kinderland auf dem Untermarkt, das mit Hüpfangeboten und Museumsmobil klar um Familien buhlt. Wie gut das alles mit der offenen Bühne am Kirchplatz organisatorisch zusammenspielt, wird sich allerdings erst in den kommenden drei Tagen zeigen – wenn Musiker, Tanzgruppen und Publikum die neuen Wege hinter der Bühne tatsächlich nutzen (müssen).
Am frühen Abend befindet sich der Platz noch im Übergang zwischen Aufbau und Beginn. Die ganz großen Menschenmassen fehlen zu diesem Zeitpunkt noch, doch die Strukturen sind bereits klar erkennbar. Gerade in diesen Stunden vor dem offiziellen Start wird deutlich, wie sich das Altstadtfest verändert – teilweise schleichend, teilweise mit klar sichtbaren Anpassungen und ohne Bunkerbühne. Ob das Konzept aufgehen wird bleibt abzuwarten.
Eines bleibt aber unverändert: Das Warm-up im Bermudadreieck ist und bleibt der inoffizielle Startschuss für eines der größten Feste in Hattingen – laut, voll und mit einer Atmosphäre, die jedes Jahr aufs Neue tausende Menschen in die Hattinger Altstadt zieht.
Schaun wir mal….








































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