Hattingen – Drei Tage Live‑Musik, DJs, Kleinkunst und Familienprogramm. Vom 29. bis 31. Mai 2026 wird die Altstadt wieder zur großen Bühne für das Hattinger Altstadtfest. „Wir setzen in diesem Jahr auf weniger große Technik‑Bühnen, dafür auf dichtes Programm, klare Schwerpunkte und kurze Wege in der ganzen Altstadt“, sagt Hattingen Marketing Geschäftsführer Georg Hartmann. Zugleich bedeutet das aber auch: weniger Bühnen als zuvor, die Bunkerbühne fällt komplett weg.
Herzstück bleibt die Sparkassenbühne auf dem Kirchplatz, wo am Freitag Hattinger Bands wie „Exback“ den Auftakt machen, bevor „Silly Souls of Music“ um Aki Löbbecke übernimmt. Am Samstag steuern die „Musikschule Hattingen“ und die Comedy‑Reihe „Nachtschnittchen“ (u. a. mit Helmut Sanftenschneider, Erasmus Stein und René Steinberg) ein abwechslungsreiches Nachmittags‑ und Vorabendprogramm bei, bevor die Westernhagen‑Tribute‑Band „Pfefferminzprinz“ die großen Hits auf die Altstadt überträgt. Laut Marketing-Chef ist man mit einer Cover oder Tribute Band auf dem Altstadtfest immer bestens gefahren. Deshalb sorgt am Sonntag auch die Band „Cool Chocolate“ (mit Lutz Deterra) noch einmal für Festival‑Feeling, bevor das Fest traditionell mit der Abschlussandacht von Pfarrer Federmann und „Pott Acoustics“ vor der St.-Georgs‑Kirche ausklingt. Eine Chormatinee oder Beiträge der „MIHA“ (Musik‑Initiative Hattingen), die früher zum festen Bild des Altstadtfestes gehörten, stehen allerdings nicht mehr im Programm.
Für das jüngere Publikum hat sich die DJ‑Stage im Krämersdorf etabliert, wo am Samstag „DJ Tim Siegmann“ und „DJane Jolina“ House‑ und Dancemusic liefern, am Sonntag übernimmt Kult‑DJ „Quicksilver“ (Orhan Terzi). Dass auf der DJ‑Bühne inzwischen fast ausschließlich Konservenmusik läuft, stößt bei manchen Altstadtfest‑Fans auch auf Kritik – das Altstadtfest war lange ein Kulturfest mit vielen Genres, von Rock und Jazz bis Singer‑Songwriter und Chören, live gespielt statt überwiegend aufgelegt.
Auch das Warm‑up im „Bermuda‑Dreieck“ ist so ein Punkt. Es war über Jahre eine selbstorganisierte Kneipen‑Aktion von Hattingern für Hattinger, unabhängig vom städtischen Veranstalter, taucht nun aber selbstverständlich im offiziellen Programm auf. Die Gastronomen des El Chispón, von Peppe 27 und Napoli holen mediterranes Feierfeeling ins Bermudadreieck: Dort legt der bekannte DJ „Givara“ aus Koblenz täglich von 15 bis 23 Uhr live auf der Bühne auf und sorgt mit seinem Mix aus aktuellen Club-Sounds und internationalen Beats für beste Open-Air-Stimmung.

Pressekonferenz Altstadtfest 2026 (Foto: Holger Grosz)
„Back to the roots“ geht es an der Stadtmauer im Steinhagen, wo unter dem Motto „Markt, Kunst und Kulinarik“ drei Tage lang Kunsthandwerk, Kulinarisches und eine Kleinkunstbühne zusammenkommen. Dort spielen acht Bands an drei Tagen – von regionalen Formationen wie den „The Gominoes“ über Saxophonklänge mit „Jürgen Bebenroth“ bis hin zu internationalen Gästen wie dem mexikanischen Multiinstrumentalisten „Jeff Silvertrust“ –, und viele hoffen, dass sich hier eine neue, ruhige, aber dichte Programmschiene entwickelt. Positiv fällt auch ins Gewicht, dass mit der Kleinen Weilstraße ein weiterer „Erlebnisort“ entsteht, an dem Anwohnerinnen und Betriebe mit eigenen Ideen und einer kleinen Band ein Stück Altstadtfest in Eigenregie gestalten.
Zu den dezent aufgelisteten „Spielorten“ gehört in diesem Jahr auch das „Kleine Café“, das an allen drei Tagen eigene Künstlerinnen und Künstler engagiert und bezahlt – ein Detail, das im offiziellen Programm nur als weiterer Programmpunkt erscheint, hinter dem aber eine komplett private Finanzierung und Organisation steht. „Liverbirds„, „Snowfall in June„, „Marc Dorman & Friends“ und „Jonpriml“ versprechen abwechslungsreiche Nischenkunst, abseits von Mainstream-Unterhaltung.
Insgesamt sind es weniger zentrale Bühnen, stattdessen ergänzen viele kleinere Inseln das Bild der Veranstaltung. Dass Hattingen Marketing den Warm‑up‑Abend der anliegenden Gastronomen nun ebenso mit aufführt wie solche Privat‑Spielorte, zeigt, wie eng mittlerweile offizielle Veranstaltung und eigenständige Altstadt‑Initiativen ineinandergreifen.
Trailer Altstadtfest 2019 (RuhrkanalNEWS)
Das Sparkassen‑Kinderland zieht auf den Untermarkt und wird mit Hüpf‑ und Spielangeboten, Maskottchen‑Besuch und einem Museumsmobil des LWL‑Industriemuseums ausgebaut, während Altstadtwirte, Kleine Weilstraße und ein verkaufsoffener Sonntag am 31. Mai die Innenstadt zusätzlich beleben.
Trotz des schlanker gewordenen Bühnenkonzepts bleibt wirtschaftlich der Druck hoch: Die Kosten für Technik, Sicherheit und Gagen steigen, das Budget kaum. Nach rund 14 Jahren Altstadtfest und Weihnachtsmarkt wird Georg Hartmann in diesem Jahr den letzten Weihnachtsmarkt und im kommenden Jahr ein letztes Mal das Altstadtfest organisieren – danach geht der 65‑Jährige in den Ruhestand und übergibt die Verantwortung für die „Kronjuwelen der Hattinger Innenstadt“ an eine Nachfolge.
Freuen wir uns – auf das Altstadtfest 2026.




































Früher war mehr Lametta.
Mit DJ-Musik kann ich wenig anfangen, Rock am Bunker war immer noch ein kleiner Lichtblick wenn man dem Ü60 Programm entfliehen wollte. Jetzt bleibt ausschließlich Aki am Kirchplatz, der Rest ist dann doch eher uninteressant.
Hoffentlich schafft man es am Steinhagen diesmal den Ton ordentlich einzustellen dass nicht dauerhaft die Schränke der Anwohner vibrieren.