Volles Haus für Milan Peschel: Blankenstein erlebt eine Vernissage mit Wucht

Milan Peschel in der "Kleinen Affäre" © ruhrkanalNEWS (Foto: Holger Grosz)

Hattingen –  So voll muss man eine Vernissage in Blankenstein erst einmal bekommen. Als am Samstagabend, 7. März 2026, um 19 Uhr die Ausstellung in der „Kleinen Affäre“ eröffnet wurde, standen die ersten Besucher schon lange vorher vor der Tür. Bereits gegen 18.15 Uhr warteten die ersten darauf, hineinzukommen. Und drinnen wurde schnell klar: Das war kein leiser Kunstabend für einen kleinen Kreis, sondern ein Ereignis, das Blankenstein für ein paar Stunden spürbar enger, lebendiger und ein bisschen größer machte.

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Zeitweise ging kaum noch etwas. Wer sich durch die Galerie bewegen wollte, brauchte Geduld. Und wenn es so wirkte, als würde es endlich etwas leerer, standen die nächsten schon draußen. Für einen Ort wie Blankenstein ist das alles andere als selbstverständlich. Man spricht hier nicht über eine hippe Galerie in Köln oder Düsseldorf, sondern über einen Kunstort mitten in Hattingen-Blankenstein – und genau das machte den Abend so besonders.

Im Mittelpunkt stand Milan Peschel. Viele kennen ihn als Schauspieler, Regisseur oder aus Film und Fernsehen. Dass er auch malt, dürfte für manche neu gewesen sein. Wer ihm an diesem Abend begegnete, erlebte keinen, der sich in den Vordergrund drängt. Kein lauter Starauftritt, keine große Pose. Eher zurückhaltend, fast still. Die Lautstärke, das Schrille, das Unübersehbare stecken bei ihm nicht im Auftreten – sondern in den Bildern.

Denn die Werke, die in der „Kleinen Affäre“ zu sehen sind, kommen mit Kraft. Sie sind bunt, roh, direkt, expressiv. Keine gefällige Dekoration, kein geschniegelt komponierter Kunstbetrieb. Diese Bilder wollen nicht geschniegelt gefallen. Sie sind da. Präsenz statt Zurückhaltung. Und genau darin liegt ihre Wirkung.

Milan Peschel in der „Kleinen Affäre“ © ruhrkanalNEWS (Foto: Holger Grosz)

In der Einführung wurde diese besondere Mischung treffend beschrieben: Bei Fotos von Milan Peschel sehe man eine „intellektuelle Schrägheit“. Ein Ausdruck, der auch gut zu seinen Bildern passe. Tatsächlich wirken seine Arbeiten wie aus einem inneren Druck heraus entstanden – nicht geschniegelt, nicht auf Perfektion ausgerichtet, sondern auf Ausdruck. Auf Erfahrung. Auf das Tun.

Peschel selbst formulierte es an diesem Abend sehr klar. Auf die Frage, warum er malt, gab es keine kunsttheoretische Abhandlung, sondern einen Satz, der hängen bleibt: Er male, weil er es müsse. Weil es aus ihm heraus müsse. Viel mehr Erklärung braucht es vielleicht tatsächlich nicht.

Auffällig ist, dass in seinen Arbeiten immer wieder Gesichter auftauchen – oder wie er selbst sagt: Köpfe. Menschen male er eigentlich nicht, eher Köpfe. Das passe, erklärte er mit einem trockenen, fast beiläufigen Humor, denn hinter einem Kopf verberge sich schließlich ein Gehirn – und im besten Fall darin interessante Gedanken und Perspektiven auf das Leben. Seine Motive wirken deshalb nicht wie Porträts im klassischen Sinn. Sie sind eher Annäherungen an Ausdruck, Haltung, Innenleben.

Und auch auf die Frage, ob das denn Berliner Köpfe seien, fand Peschel eine Antwort, die bestens nach Blankenstein passte: Das seien jetzt Blankensteiner Köpfe. Ein Satz, der im Raum sofort funktionierte – charmant, witzig und mit genau dem richtigen Gespür für den Ort und das Publikum.

Spannend war auch der Blick auf seine Arbeitsweise. Viele der gezeigten Werke entstehen auf dem iPad. Für Peschel ist das praktisch: Das Atelier ist immer dabei, ein zusätzlicher Raum wird nicht gebraucht, und sauber bleibt es auch. Der digitale Weg nimmt den Bildern nichts von ihrer Unmittelbarkeit. Im Gegenteil: Vielleicht passt genau diese direkte, flexible Arbeitsweise zu einer Kunst, die nicht lange geschniegelt geplant wirken will, sondern unmittelbar entstehen darf.

Dass Peschel ursprünglich nicht aus der klassischen Malerei kommt, sondern auch als Bühnentechniker und Kulissenschieber gearbeitet hat, schimmerte im Gespräch immer wieder durch. Das Ausprobieren, das Arbeiten mit Flächen, das Improvisieren mit Material – all das scheint bis heute eine Rolle zu spielen. Er erzählte, dass er früher sogar Möbel bemalt habe, einfach weil ihm weiße Flächen irgendwann zu langweilig wurden. Vorsichtig sei er im Leben eher, sagte er. In der Kunst aber nicht. Und genau das sieht man.

Die Ausstellungseröffnung war deshalb mehr als eine Vernissage. Sie war ein Abend mit echtem Zug. Einer, an dem Kunst Menschen zusammengebracht hat, an dem diskutiert, geschaut, gelacht und gedrängt wurde. Einer, an dem Blankenstein gezeigt hat, dass kulturelle Dichte nicht von der Größe einer Stadt abhängt.

Und vielleicht blieb noch ein zweiter Satz des Abends besonders hängen. Milan Peschel sagte mit Blick auf Hattingen und Blankenstein, sein nächster Film solle in Hattingen gedreht werden. Ganz scherzhaft klang das nicht. Eher wie ein Gedanke, der beim Herumlaufen durch den Stadtteil gewachsen ist. Sechs Wochen hier, so stellte er in den Raum, das könne er sich durchaus vorstellen.

Blankenstein hätte an diesem Abend wohl wenig dagegen gehabt.

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