Holschentor, Helau und eine kleine Raum-Zeit-Modulation

6. Holschentorsitzung © ruhrkanalNEWS (Foto: Holger Grosz)

Hattingen – Eben noch saß ich beim literarischen Galadinner mit Franz Kafka, Bertolt Brecht, Heinrich Böll, Wolfgang Borchert, Erich Kästner und Ephraim Kishon. Fünf Minuten Fußweg später – von der St. Georgs Kirche Hattingen zum Holschentor Hattingen – war ich, gefühlt durch eine kleine Raum-Zeit-Modulation, im fünften Karnevals-Universum gelandet. Und ja: „Rosa Schlüppiii“ war auch dabei. Alles gut, ist nichts passiert.

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Dort feierten die Karnevalsfreunde Hattingen-Bochum 2015 e.V. am 31. Januar 2026 ihre 6. Holschentorsitzung – mit einem Programm, das nach Handarbeit roch: nicht geschniegelt, nicht Großarena, sondern Verein, Bühne, Publikum – und das, was Karneval im Kern sein kann: Menschen, die anderen Menschen einen guten Abend bauen.

Ein kleiner Verein, der groß organisiert

Der Verein zählt laut eigener Beschreibung über 60 Mitglieder – quer durch alle Altersgruppen, mit starkem Jugendanteil. Und das merkt man nicht nur am Tempo, sondern auch an der Bandbreite: Von Tanz und Gesang über Humoristen bis zur Technik steht da ein ganzes Innenleben auf der Bühne – und hinter ihr. Neben den eigenen Formaten (Holschentorsitzung, Seniorensitzung, Kneipenkarneval im Stammlokal Altes Gasthaus Kampmann) geht’s für die Karnevalsfreunde auch dahin, wo man nicht automatisch „Helau“ erwartet: in Pflegeheime – mit einem verkürzten Programm, damit auch die ältere Generation Karneval nicht nur aus dem Fernsehen kennt.

Und als wäre das nicht genug, stemmen sie außerdem die „Hattinger Musiktage“, die sich zu einem Stadtfest entwickelt haben – plus Jugendarbeit mit Trainings, Proben, Auftritten und Fahrten. Kurz: Das ist nicht „ein Abend Klamauk“, das ist ein Jahreslauf.

22 Programmpunkte, Start 19:11 – und Karneval kennt keine Stoppuhr

19:11 Uhr ging’s los, 0:30 Uhr sollte es laut Plan enden. Wer Karneval kennt, weiß: Pläne sind im Saal ungefähr so stabil wie eine Pappnase im Sturm. Schon bei Programmpunkt fünf war man 15 Minuten drüber – und es lag nicht an Lustlosigkeit, sondern an dem, was solche Abende ausmacht: Dynamik, Spontanität, Überraschungen. Befreundete Vereine können unangemeldet auftauchen – und dann wird aus „Plan“ eben „Karneval“.

Für Raucherinnen und Raucher war das übrigens kein Wellnessprogramm: zwei Raucherpausen – mehr nicht. Der Rest ist Sitzfleisch, Stimmung und Disziplin im Minutentakt.

Der Maßstab sitzt im Saal

Natürlich könnte man jetzt unfair vergleichen: Große Traditionshäuser, große Namen, große Hallen – und dann das Holschentor. Aber solche Vergleiche erzählen selten die Wahrheit. Denn der echte Maßstab saß an diesem Abend im Saal: Menschen, die Eintritt bezahlt haben und hör- und sichtbar Spaß hatten. Applaus ist da kein Pflichtprogramm, sondern Feedback.

Und dann gibt es diese Momente, die einem als Beobachter den Blick schärfen: Wenn eine Gruppe die Bühne verlässt und sinngemäß sagt, man habe noch 40 Minuten bis zum nächsten Auftritt in Wuppertal – dann wird klar, was das auch ist: harte Arbeit. Kostüme, Training, Fahrten, Umbau, Technik, Auftritte. Nicht „ein bisschen lustig“, sondern ein verdammt intensives Hobby – oft neben Job, Schule, Familie.

Hinter „Helau“ steckt Herzblut

Karneval ist nicht automatisch „meins“. Aber wer zwischen Einmarsch und Helau-Rufen einmal hinter die Kulissen schaut, sieht etwas, das man nicht kleinreden kann: Herzblut, Einsatzfreude, Teamarbeit. Da stemmen Leute ein Programm, das andere für ein paar Stunden aus dem Alltag holt – egal ob jemand mit Federboa kommt oder einfach nur mit dem Wunsch, mal wieder zu lachen.

Und vielleicht ist genau das die Pointe dieses Abends: Man muss Karneval nicht lieben, um zu respektieren, was da geleistet wird. Im Holschentor wurde nicht das Kölner Gürzenich nachgebaut. Es wurde etwas Eigenes auf die Beine gestellt – und das muss sich nicht verstecken.

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