Nebenbei bemerkt…
… geht mich das Ganze ja irgendwie nichts an. Aber trotzdem bin ich diesmal neugierig: Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal beim Friseur? Bei mir ist das noch nicht so lange her – also das letzte Mal. Denn das davor, das ist gefühlt schon Äonen her.
Vielleicht deswegen hatte ich vor Aufregung zuvor eine eher unruhige Nacht. Dabei ist mir der Ort des Geschehens vertraut, war ich doch bereits beim Vater Stammkunde, der seinen Salon inzwischen seiner Tochter vererbt hat.
Vor Ort ging es gleich ans Eingemachte. „Da war aber einer lange nicht mehr hier“, hieß es im Hinblick auf meine wilde und vor allem lange Haarpracht, die bald einem frischen Schnitt aus meisterlicher Hand zum Opfer fallen sollte. „Und“, wurde ich als nächstes von der Chefin gefragt, „wie soll’s denn werden?“ Am besten gut, schnell und preiswert hätte ich am liebsten gesagt. Aber ob der Freundlichkeit und Herzlichkeit ihres professionellen Blickes antwortete ich artig: „Auf jeden Fall kurz, die Ohren frei.“
Damit, so dachte ich, sei alles gesagt. Mitnichten. „Und hinten mit Kontur?“, hieß es sodann – und schon war ich überfordert. Kontur habe ich schon, und zwar üppig, wenn ich mich so im Spiegel betrachte oder meinen Schattenwurf in der Sonne. Die Meisterin jedoch erkannte meine Ratlosigkeit spornstreichs, drehte sich um und deutete auf ihren ausrasierten Hinterkopf. Nein, das wollte ich so auf gar keinen Fall.
Gleich verständnisvoll machte sie sich emsig ans Werk. Am Rande erfuhr ich, dass beim Altstadtfest mit dem Wegfall der Bunker-Bühne die Jugendlichen alle ins Krämersdorf gepilgert waren. Da gab es bekanntlich Musik aus der Konserve von DJs. Ich konnte nichts dazu sagen, weil ich weder da war noch jung genug bin, um solche Art der Beschallung wirklich zu goutieren. Jedenfalls sei es so voll gewesen, dass in der Kneipe nebenan das Bier am Samstag schon um 21.30 Uhr alle gewesen sei, kommentierte die Fachfrau leicht empört mit kopfschüttelndem Unverständnis ob so viel fehlenden unternehmerischen Weitblicks.
Anschließend wechselte sie schnipp-schnapp zum Kulinarischen Altstadtmarkt. Da taten ihr die Wirte jetzt schon leid, „weil es da ja so warm werden wird. Da will doch niemand was essen“, orakelte sie und schnippelte dabei weiter an mir herum. Zwischendurch erkundigte sie sich verschwörerisch: „Na, ist der Kopf schon leichter geworden“, zwinkerte sie mir zu angesichts der üppigen Lage abgeschnittenen Haupthaares rund um den Frisiersessel.
Dann war es geschafft, selbst das verhasste Föhnen des Resthaares überstanden. Nach dem Bezahlen und der ernst gemeinten Ankündigung, bei Bedarf wieder zu kommen, ergriff mich draußen eine Windbö. Und zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten war da nichts mehr, das mir die Sicht verwehte und dabei die Nase kitzelnd auch noch den Weg in meinen Mund suchte. Ich gebe es als Ex-Langhaariger gerne zu: Das hatte irgendwie schon was, verrät Ihr und euer Schorsch auffem Kirchplatz!














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