Ambulanter Hospizdienst bringt Kitas, Schulen und Interessierte an einen Tisch

Hannah Pfeiffer • Ambulanter Hospizdienst © ruhrkanalNEWS (Foto:Holger Grosz)

Hattingen – Im Krämersdorf riecht es ein bisschen nach Alltag. Nicht nach Klinik. Eher nach „komm rein, setz dich“. Die Räume des ambulanten Hospizdienstes Hattingen-Witten sind keine Bühne für große Worte – und vielleicht ist genau das der richtige Ort, um über ein Thema zu sprechen, das viele lieber wegschieben.

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Ich sitze Hannah Pfeiffer gegenüber. Eine Tasse Tee steht zwischen uns, warm in der Hand, und das Gespräch ist genauso: ruhig, zugewandt, ohne Druck. Pfeiffer ist erst seit wenigen Monaten im Dienst – und doch merkt man schnell, dass sie nicht gekommen ist, um etwas „neu“ zu machen, sondern um etwas weiterzutragen.

„Ich bin die Nachfolgerin von Frau Kaniut“, sagt sie. Silvia Kaniut hatte 2022 in Hattingen die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“ mit auf den Weg gebracht – eine Selbstverpflichtung, die mehr ist als Papier. Damals unterschrieben Vertreter verschiedener Institutionen, auch Hattingens damaliger Bürgermeister Dirk Glaser (parteilos). Und aus dieser Unterschrift wurden Runden. Gespräche. Verbindungen. Heute heißen sie „Charta-Tische“.

Ein runder Tisch gegen das Wegschauen

Charta-Tische – das klingt erstmal nach Verwaltung. Nach Gremien. Nach Protokoll. Aber im Kern ist es etwas sehr Menschliches: Menschen aus Einrichtungen, aus Pflege, aus der Arbeit mit Menschen mit Behinderung – und auch aus der Bürgerschaft – setzen sich zusammen und fragen: Wie schaffen wir es, dass Würde nicht nur ein Wort ist, wenn das Leben leiser wird?

Denn diese Charta, erklärt Pfeiffer, trägt einen Satz in sich, der simpel wirkt und doch riesig ist: Jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes und würdevolles Sterben.

So ein Satz braucht mehr als Zustimmung. Er braucht Strukturen. Mut. Gespräche. Und die Bereitschaft, nicht erst dann zu reden, wenn es zu spät ist.

Zwei Charta-Tische gibt es bereits – einer mit Blick auf Pflege, einer mit Blick auf Handicap. Und während wir reden, wird klar: Diese Tische sind wie kleine Ankerpunkte in der Stadt. Orte, an denen man nicht so tut, als gäbe es Tod und Trauer nicht – sondern lernt, ihnen im Alltag einen Platz zu geben.

Jetzt kommt der dritte Tisch – und der geht dahin, wo viele zögern: zu den Kindern

Ab Februar wird ein dritter Charta-Tisch gegründet. Thema: Pädagogik. Eingeladen sind Kitas – unabhängig vom Träger –, Kindertagespflege, offene Ganztagsschulen. Ein Netz aus Menschen, die täglich mit Kindern arbeiten. Und die oft plötzlich vor Situationen stehen, auf die niemand richtig vorbereitet ist.

Ein totes Haustier. Ein Vogel am Straßenrand. Die Oma, die nicht mehr kommt. Manchmal auch das, wovor jeder Angst hat: ein schwer erkrankter Elternteil.

„Kinder erleben Abschiede ohnehin“, sagt Pfeiffer. Und dann sagt sie etwas, das hängen bleibt: Kinder sind häufig kompetenter, als wir Erwachsenen glauben. Sie spüren sehr genau, wie nah sie an ein Thema heran möchten. Sie fragen – und wenn es genug ist, ziehen sie sich zurück. Kein Drama. Kein „kaputtgehen“. Eher: ein natürlicher Umgang, den viele Erwachsene verlernt haben.

Und damit sind wir bei dem, was dieser Charta-Tisch werden soll: kein Seminar, kein Zeigefinger, keine fertigen Antworten. Sondern ein Ort, an dem man sich austauscht, sich gegenseitig stärkt – und Ideen entstehen lässt. Was brauchen Einrichtungen? Welche Impulse sind hilfreich? Wo gibt es Unsicherheit? Und wie kann man mit Kindern sprechen, ohne sie zu überfordern – und ohne sich selbst wegzuducken?

Erstes Treffen: Kennenlernen statt Konzept

Das erste Treffen ist bewusst simpel gehalten: ankommen, kennenlernen, hören, wer da ist. Alles Weitere – Themen, Abstände, mögliche Fachimpulse – soll sich aus der Gruppe entwickeln. Und ja: Auch Bürgerinnen und Bürger dürfen kommen. Wer Interesse hat, wer sich einbringen möchte, wer das Thema nicht länger an den Rand schieben will.

Mittwoch, 25. Februar2026, 18 Uhr

Ambulanter Hospizdienst im Krämersdorf (Hattingen)

Eine kurze Anmeldung ist gewünscht – einfach, damit man ungefähr weiß, wie viele Stühle gebraucht werden.

Als ich mich verabschiede, ist der Tee längst kalt. Das Gespräch nicht. Es ist eines von denen, die man mitnimmt, weil sie nicht auf Effekt zielen, sondern auf Haltung.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Würde ist nichts, was man „macht“. Würde ist etwas, das entsteht – wenn Menschen sich hinsetzen, zuhören, Fragen zulassen. Und wenn eine Stadt bereit ist, auch über das Schwerste zu sprechen. Nicht erst am Ende. Sondern mitten im Leben.

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