Hattingen – Draußen vor der Halle brutzelt der Grill, betrieben vom Jugendparlament. Drinnen klackern Rollen über Holz, Boards schlagen auf Rampen, irgendwo zischt eine Dose mit einem alkoholfreien Getränk auf. Auf den ersten Blick ist am Samstag den 21. März 2026 alles wie gewohnt – und genau das ist das Schöne daran. „Hattingen sucht die Rampensau“ ging jetzt in die dritte Runde und zeigte einmal mehr, dass es im Skatehouse um weit mehr geht als um Punkte und Platzierungen.
Der Contest fand in Kooperation mit der Abteilung Jugendförderung und Jugendkultur der Stadt Hattingen, dem Jugendparlament, Rollkultur Hattingen und dem Skatehouse Hattingen statt. Unterstützung kam vom Stadtsportverband, der Sparkasse Hattingen sowie von Skateshops aus Bochum und Münster. Dazu gab es Hilfe aus der Nachbarschaft und von engagierten Mitgliedern, Eltern und Sponsoren, die mit anpackten, aufräumten, putzten, organisierten und versorgten.
Hattingen sucht die Rampensau – dritte Auflage im Skatehouse © ruhrkanalNEWS (Fotos: Holger Grosz)



In der Halle selbst hat sich seit dem vergangenen Jahr noch einmal etwas getan. Einige Kinositze bieten der Jury inzwischen fast schon einen Logenplatz mit guter Übersicht. Dazu kommt der neue hintere Durchgang zur kleineren Halle – und der ist nicht einfach nur ein Durchgang. Er ist zugleich eine Rampe, von der aus es aus rund 2,3 Metern Höhe erst einmal beinahe senkrecht nach unten geht. Wer dort hineinfährt, fällt nicht, er fliegt fast – bevor das Board die Rundung nimmt und quer durch die Halle schießt. Und wenn dann ein scheinbar zierliches Mädchen diese Line mit einer Selbstverständlichkeit fährt, dass man in 30 Zentimetern Abstand zur Kamera fast die Luft anhält, bleibt nur ehrfürchtiges Staunen.
Einen Plan gab es auch. Irgendwo auf Papier. Aber in der Halle galten am Ende andere Gesetze. Es begann, wenn es eben begann. Es lief, wenn es lief. Niemand fragte nervös, wann endlich gestartet werde. Niemand tippte ungeduldig auf die Uhr. Alle waren da, um zu fahren, zuzuschauen, anzufeuern und Spaß zu haben. Genau das war vom ersten bis zum letzten Run unübersehbar.
Dabei war eines besonders spürbar: Fairness steht hier nicht bloß auf irgendeinem Plakat, sie wird gelebt. Wenn ein Skater auf der Bahn ist, dann gehört sie in diesem Moment ihm oder ihr allein. Erst wenn der Run vorbei ist, geht der Nächste rein. Kein blindes Hineinballern, kein Ellenbogen-Sport. Und wenn doch einmal etwas schiefgeht, wenn Board und Fahrer plötzlich getrennte Wege gehen, kommt fast reflexartig ein ehrliches „Sorry“. Dieser Respekt voreinander ist in der Halle überall zu sehen.
Gerade bei den Jüngeren wird deutlich, wie besonders diese Atmosphäre ist. Auch im U14-Contest bekam jeder Teilnehmende die volle Aufmerksamkeit des Publikums – völlig unabhängig davon, ob da schon ein sicherer Trick stand oder noch die ersten zaghaften Versuche zu sehen waren. Jeder auf dem Brett wurde wahrgenommen. Jeder wurde angefeuert. Jeder wurde ernst genommen. Denn in dieser Szene weiß man: Jeder stand irgendwann einmal zum ersten Mal auf einem Board.
Filmbeitrag © RuhrkanalNEWS
Und genau darin liegt vielleicht die eigentliche Stärke dieses Contest-Tages. Natürlich geht es um Platzierungen, um Runs, um Titel wie Stadtmeister oder Stadtmeisterin. Aber mindestens genauso wichtig ist das Gefühl, Teil von etwas zu sein. Die Hattinger Skate-Szene wirkt lebendig, offen und erstaunlich stark aufgestellt. Während aus anderen Städten oft zu hören ist, dass der Nachwuchs fehle, scheint in Hattingen eher das Gegenteil der Fall zu sein. Das liegt auch an den vielen Angeboten: draußen im Skatepark, drinnen im Skatehouse, bei Ferienaktionen und regelmäßigen Formaten über das ganze Jahr hinweg. Wer einmal anfängt, kann hier dranbleiben – im Sommer wie im Winter.
Dass hinter so einem Contest mehr steckt als ein paar Läufe und eine Musikanlage, wurde ebenfalls deutlich. Zwei bis drei Monate Vorlauf braucht es, bis so ein Tag steht. Termine müssen abgestimmt, Preise organisiert, Getränke besorgt, Brötchen gesponsert, die Halle gereinigt und vorbereitet werden. Vieles läuft nur, weil viele mitziehen. Genau das macht solche Veranstaltungen am Ende aus: Sie sind nicht einfach da, sie werden gemeinsam möglich gemacht.
So blieb am Ende vor allem der Eindruck eines Tages, der genau das war, was er sein sollte: laut, lässig, fair und voller Energie. „Hattingen sucht die Rampensau“ ist längst mehr als nur ein Contest. Es ist ein Stück gelebte Jugendkultur auf Rollen – und ein ziemlich starkes Zeichen dafür, wie lebendig Skateboarding in Hattingen ist.
Die Gewinnerinnen und Gewinner
Kids U14
- Finn Halbe (Stadtmeister)
- Torben Klein (Vize-Stadtmeister)
- Felix Musall
- Paul Wittoesch
Girls
- Frida Müller
- Linn Ruda (Stadtmeisterin)
- Ronja Lederer
Youth U18
- Theo Rau (Stadtmeister)
- Friedrch Kruse (Vize-Stadtmeister)
- Paul Eisermann
Men
- Mike Nguyen
- Marijn Kreitz
- Andi Wolf (Stadtmeister)
- Luca Steiner
- Thomas Neidenmüller
- Lukas „Scholle“ Götzkes (Vize-Stadtmeister)
- Justin Breer
- Christian Feißel
- Sven Dräger




























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