Hattingen – Es gibt Orte, die brauchen kein großes Tamtam. Kein schickes Konzept, keine aufpolierte Speisekarte und kein Gedöns. Sie funktionieren, weil Menschen sie mit Leben füllen. Das „Café Stulle“ im Holschentor ist so ein Ort.
Wer am 18. März 2026 dort hereinkam, roch erst einmal frischen Kaffee. So einen Duft, der sofort etwas mit einem macht. Andreas Gehrke brachte es schön auf den Punkt: „Wer ein Gebäude betritt und es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee, der fühlt sich willkommen, fast wie zuhause – und will eigentlich gar nicht so schnell wieder weg.“ Genau dieses Gefühl hängt im „Café Stulle“ in der Luft.
Dabei ist das hier eben nicht das x-te Café in Hattingen. Es ist ein Treffpunkt gegen Einsamkeit. Ein Ort, an dem man für kleines Geld nicht nur Kaffee und ein belegtes Brötchen bekommt, sondern auch ein Gespräch, ein Lächeln und ein bisschen Gesellschaft gleich dazu.
Vor vier Wochen ging es los, am 18. Februar 2026 war Premiere. Anfangs noch vorsichtig, ein bisschen zaghaft. Doch Woche für Woche wurden es mehr. Inzwischen waren schon alle 20 Plätze besetzt. Und da passierte etwas, das man in Hattingen zuletzt auch in der Vesperkirche erleben konnte: Menschen, die sich vorher nicht kannten, saßen zusammen an einem Tisch, kamen ins Gespräch und hatten einfach eine gute Zeit miteinander.
„Café Stulle“ © ruhrkanalNEWS (Fotos: Holger Grosz)


Genau darin liegt die eigentliche Stärke dieses Angebots. Das „Café Stulle“ stillt nicht nur den kleinen Hunger, sondern auch etwas, das im Alltag oft zu kurz kommt: Begegnung. Gerade für Menschen, die nicht ständig irgendwo andocken können, ist so ein Ort Gold wert.
Die Idee dazu hatte Andreas Gehrke. Er fragte im Nähcafé nach, ob es Ehrenamtliche gäbe, die Lust hätten, so etwas mit aufzubauen. Drei Frauen waren sofort Feuer und Flamme. Später kamen weitere dazu, darunter auch Isolde, Monika und Unterstützerinnen aus dem Umfeld der Lebenshilfe. Heute wird das Café ehrenamtlich getragen.
Und das mit einem klaren Gedanken: Hier soll niemand abkassiert werden. Das Angebot läuft zum Selbstkostenpreis. Der Kaffee kostet einen Euro, eine halbe Stulle oder ein halbes belegtes Brötchen mit Marmelade, Käse, Salami oder Leberwurst 50 Cent. Mit Lachs 1 Euro. Einfach, bodenständig, bezahlbar. Immer Mittwochs von 9 bis 12 Uhr im Bürgerzentrum Holschentor.
Eine Besucherin brachte es ebenfalls auf den Punkt. Sie kommt selbst aus dem Nähcafé und schätzt vor allem, dass man hier nicht alleine am Tisch sitzen muss. Dass Fremde miteinander reden, statt sich aus dem Weg zu gehen. Dass man sich auch mit kleinem Geld mal erlauben kann, auswärts zu frühstücken. Genau dieses Gefühl erinnere sie an die Vesperkirche. Und genau das ist wohl der Punkt.
Zurzeit stemmen fünf Ehrenamtliche das „Café Stulle“. Weil der Start so gut gelungen ist, denkt man bereits darüber nach, zusätzlich einen zweiten Tag in der Woche anzubieten. Doch dafür braucht es weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter – Menschen, die regelmäßig helfen möchten und Lust haben, diesen Ort mitzutragen.
Wenn der Sommer kommt, sollen außerdem draußen Tische aufgestellt werden. Dann wird aus dem kleinen Treffpunkt vielleicht noch ein bisschen mehr ein Platz, an dem Hattingen zusammenrückt. Manchmal sind es eben nicht die großen Projekte, die eine Stadt wärmer machen. Manchmal reicht eine Stulle, ein Kaffee und ein Tisch, an den sich auch Fremde setzen dürfen.




























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