Hattingen – Um 13 Uhr zog sich die Warteschlange schon über den halben Kirchplatz. Drinnen war längst klar: Heute wird’s eng. Die Luft brannte – nicht wegen Hitze, sondern wegen Tempo. Wegen der schieren Menge an Menschen, die einfach nur essen, trinken, kurz auftanken wollten.
Das Helferteam war richtig gefordert. Heute standen die Lions und die Sparkasse Hattingen mit an den Tischen, an den Kannen, an den Warmhaltebehältern. Und an diesen Behältern wurde der Deckel gefühlt nur einmal gelüftet – dann gingen die Portionen raus wie in der großen Mensa an der Ruhruni: Handgriffe, Blickkontakt, weiter. Essen raus. Nächster Teller. Weiter.
Es wurde improvisiert, wie man es nur kann, wenn mehr Menschen kommen, als Essen da ist. Dann wird nicht diskutiert – dann wird gerechnet, geteilt, organisiert. Die Kellen wurden ein Stück weniger voll, damit alle etwas bekommen. Und als plötzlich Besteck fehlte, passierte genau dieses kleine Wunder, das in solchen Tagen immer passiert: Irgendwer hat irgendwoher welches herbeigezaubert. Auch der Kuchen – oder besser: die Hefeteilchen – wurden kurzerhand geteilt. Hauptsache: Es reicht. Hauptsache: Niemand geht leer aus.
Und nein: Das sind keine Profi-Gastronomen. Keine eingespielten Restaurant-Teams. Aber wenn ich Gastronom wäre und das heute gesehen hätte – ich hätte ein paar Leuten sofort einen Job angeboten. Nicht, weil es geschniegelt war. Sondern weil es funktioniert hat. Weil es Haltung hatte. Weil es Herz hatte.
Vesperkirche Tag 5 © ruhrkanalNEWS (Fotos: Holger Grosz)
36 Helferinnen und Helfer sind mittags pro Schicht im Einsatz – das bestätigt auch Pfarrer Hansjörg Federmann im Gespräch: „Es sind 36. 30 sind Tagesfreiwillige… und die anderen sechs sind Menschen, die Teams leiten oder Tagesleitung machen oder Seelsorge machen.“ Um 11 Uhr stehen die Helfer bereit, die Teamleitungen sogar schon eine halbe Stunde früher, legen Schürzen zurecht, bauen die Stationen auf, weisen ein. „Viertel vor zwölf spätestens haben die alle ihre Bereiche fertig gemacht, Tische eingedeckt etc. Und dann sind wir bereit, die ersten Gäste einzulassen.“
Und dann – dann kommt der Moment, in dem aus „viel zu tun“ plötzlich „jetzt brennt’s“ wird: Wenn es nicht langsam füllt, sondern man überrannt wird. Wenn an 140 Gästen in 20 Minuten 140 Portionen verteilt werden.
Mitten drin: Torsten Grabinski von der Sparkasse. Eben noch an der Suppenkelle, im nächsten Augenblick an den Kaffeekannen. Er füllt Becher wie jemand, der seit Jahren nichts anderes macht: mit viel Milch oder wenig, Süßstoff oder Zucker, stark oder mit einem Schuss heißem Wasser „damit er nicht so stark ist“. Neben ihm: Ulrich Winkelmann von den Lions, der einarmig abgeräumtes Geschirr annimmt, als wäre es das normalste von der Welt. Aber das sind nur zwei Namen von 36 die alle ihren Beitrag geleistet haben.
Das Beeindruckende ist nicht nur die Leistung – sondern, dass dieses Team kaum Zeit hat, zusammenzuwachsen. Da stehen 36 Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen, Fähigkeiten und Tempi – und müssen sofort funktionieren. Und sie funktionieren nicht nur. Sie haben sichtbar Spaß daran. Weil jedes Lächeln, das man den Gästen schenkt, doppelt zurückkommt.
Für ein paar Stunden entsteht da ein Mikrokosmos: ein Raum, in dem man sich kurz nicht fremd ist. Und wenn am Ende alles abgeräumt ist, wenn die schmutzigen Teller in Kunststoffboxen verstaut und in Autos geladen werden, damit sie gespült werden und morgen wieder einsatzbereit sind – dann wird es stiller.
Dann trifft sich das Team vorne im Altarraum, atmet erstmal durch, schaut gemeinsam auf den Tag zurück: Was lief gut? Was geht morgen besser? Ein kleiner Brauch, den Pfarrer Federmann beschreibt: „Um halb drei versammeln wir alle Helfer vorne im Kreis am Altar und schauen nochmal kurz gemeinsam auf den Tag zurück.“ Und dann gibt es dieses kleine, süße Dankeschön – eine Leckerei aus der Confiserie Harmonie.
Man könnte sagen: Es ist nur Essen. Heute hat man gesehen: Es ist viel mehr.















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